Deutschtest als Hürde: Fast 40 Prozent der Polizei-Bewerber in Berlin scheitern
Polizei-Bewerber scheitern zu 40 Prozent an Deutschtest

Deutschkenntnisse als große Hürde für Polizei-Nachwuchs in Berlin

Ein erheblicher Teil der jungen Menschen, die eine Karriere bei der Berliner Polizei anstreben, scheitert bereits an den ersten Hürden des Auswahlverfahrens. Fast 40 Prozent der Bewerber für die Polizeiausbildung fallen im vorgeschriebenen schriftlichen Deutschtest durch. Diese alarmierenden Zahlen gehen aus einer Antwort von Polizei und Senat auf eine parlamentarische Anfrage hervor.

4271 Bewerber scheitern an Rechtschreibung und Grammatik

In den Jahren 2024 und 2025 bewarben sich insgesamt 10.874 junge Männer und Frauen für die Ausbildung bei der Berliner Polizei. Von diesen Kandidaten konnten 4271 Personen den schriftlichen Deutschtest nicht bestehen, was einer Durchfallquote von 39 Prozent entspricht. Die Tests umfassen Diktate und Grammatikprüfungen, die am Computer absolviert werden müssen.

Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel äußerte sich besorgt zu den Ergebnissen: „Wir haben ein ganz erhebliches Problem der Deutschkenntnisse, ganz unabhängig von Nationalitäten.“ Sie betonte, dass etwa 80 Prozent der Durchfälle bei den schriftlichen Tests auf mangelnde Deutschkenntnisse zurückzuführen seien.

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Bildungsabschluss als entscheidender Faktor

Die Auswertung der Daten zeigt deutliche Unterschiede je nach Bildungsabschluss der Bewerber:

  • Bewerber mit abgeschlossenem Studium: Von 336 Kandidaten fielen 48 durch (14 Prozent Durchfallquote)
  • Bewerber mit Abitur oder Fachhochschulreife: Von 5677 Personen scheiterten 1764 (31 Prozent)
  • Bewerber mit Mittlerem Schulabschluss (MSA): Fast jeder zweite Bewerber fiel durch – 1896 von 4029 (47 Prozent)
  • Bewerber mit erweiterter Berufsbildungsreife (eBBr): Hier lag die Durchfallquote bei 69 Prozent (549 von 796)

Senat sieht allgemeines Bildungsproblem

Der Berliner Senat betonte in seiner Stellungnahme, dass beim Bestehen oder Durchfallen kein signifikanter Unterschied zwischen Personen mit und ohne Migrationshintergrund feststellbar sei. Stattdessen verwies die Behörde auf eine „anhaltend negative Entwicklung der sprachlichen und mathematischen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler“ im gesamten Bildungssystem.

Als Reaktion auf diese Entwicklung hat der Senat eine „Strategie zur Steigerung der Bildungsqualität im Land Berlin“ entwickelt, die zahlreiche Maßnahmen und Ziele umfasst. Die Polizei selbst bietet allerdings keine speziellen Kurse zur Kompensation sprachlicher Defizite für Bewerber an.

Eigeninitiative gefordert

Von den Bewerbern wird erwartet, dass sie sich eigenständig auf das Auswahlverfahren vorbereiten. Die Polizei begründet dies damit, dass der Polizeiberuf „von hoher intrinsischer Motivation und Eigeninitiative geprägt ist“. Als Unterstützung werden auf der Videoplattform YouTube entsprechende Übungsdiktate angeboten, die von Interessenten genutzt werden können.

Erst während der praktischen und theoretischen Ausbildung bei der Polizei erhalten angehende Beamte bei Bedarf Deutsch-Förderunterricht, der speziell auf die abschließenden Prüfungen vorbereitet.

Besorgniserregende Personalentwicklung

Die Probleme bei der Nachwuchsgewinnung zeigen sich auch in den Besetzungszahlen: Obwohl die Berliner Polizei jährlich über alle verfügbaren Kanäle intensiv um neue Bewerber wirbt, konnten im vergangenen Jahr von den 1.224 verfügbaren Ausbildungsplätzen nur 936 besetzt werden. Diese Entwicklung unterstreicht die Dringlichkeit, sowohl die Deutschkenntnisse potenzieller Bewerber zu verbessern als auch attraktive Rahmenbedingungen für den Polizeiberuf zu schaffen.

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