42 Jahre ungeklärter Mordfall in Hilden: DNA-Technik bringt neuen Verdächtigen vor Gericht
Mehr als vier Jahrzehnte lang blieb der brutale Mord an einem Psychologie-Professor in Hilden im Dunkeln. Doch dank modernster DNA-Analysetechnik konnte die Polizei nun einen Verdächtigen identifizieren. Der Prozess gegen den 62-jährigen Italiener Alfredo C. hat am Landgericht Düsseldorf begonnen.
Die tragischen Ereignisse von 1984
Laut Anklage soll Alfredo C. im April 1984 den Psychologie-Professor Dr. Heinz-Erich L. (†49) in dessen eigenem Haus in Hilden erstochen haben. Der verwitwete dreifache Vater wurde mit 24 Messerstichen in Rücken, Nacken und Brustbereich attackiert, während er nackt auf dem Bett lag und offenbar seinen Alkoholrausch ausschlief. Bei der Obduktion wurden 1,8 Promille Alkohol in seinem Blut festgestellt.
Staatsanwalt Murat Ayilmaz bezeichnet die Tat als besonders heimtückisch, da das Opfer zum Zeitpunkt des Angriffs schlief und sich nicht wehren konnte. Am Tatort fanden die Ermittler damals keine Einbruchsspuren, wohl aber leere Flaschen und Reste eines gemeinsamen Essens.
Die Beweislage nach vier Jahrzehnten
Erst 2023 gelang es den Ermittlern, DNA-Spuren von der Leiche des Professors und von einem Tuch im Schlafzimmer zu extrahieren. Nachdem eine DNA-Probe von Alfredo C. in Italien angefordert und analysiert worden war, bestätigte sich die Übereinstimmung. Bereits bei der ursprünglichen Spurensicherung war ein Fingerabdruck des Angeklagten auf einem fettigen Imbiss-Teller gefunden worden.
Im November 2025 wurde Alfredo C. schließlich nach Deutschland ausgeliefert und der Prozess eingeleitet. Die Verteidigerin Hannah Milena Piel betonte jedoch zum Prozessauftakt, ihr Mandant sei „erschüttert über seine Festnahme und die Überstellung in einen Mordprozess, den er nicht begangen habe.“
Komplexe Hintergründe und alternative Ermittlungsansätze
Die Verteidigung räumt ein, dass sich Alfredo C. damals als 21-Jähriger aus finanzieller Not in der Stricher-Szene prostituiert habe und deshalb im Haus des Professors gewesen sei. Allerdings weist Piel darauf hin, dass an der Leiche DNA-Spuren von vier verschiedenen Männern entdeckt wurden, von denen nur ihr Mandant näher untersucht wurde.
„Eine große Zahl wusste, wo er wohnt, und klingelte auch bei ihm“, so die Anwältin über den Professor. „Er hatte ein ausschweifendes Sexualleben und war in der Szene an mehreren Bahnhöfen bekannt.“ Bei den Ermittlungen wurden damals 17 männliche Prostituierte identifiziert, die nachweislich mit dem Professor Sex gehabt hatten. Einige davon seien als gewalttätig bekannt gewesen, einer habe nach der Tat plötzlich über 2500 DM verfügt.
Die menschliche Tragödie hinter dem Fall
Zur Tatzeit befanden sich die drei Kinder des Professors (damals 13, 15 und 17 Jahre alt) in den Osterferien. Durch den Mord wurden sie zu Vollwaisen und sind nun als Nebenkläger im Prozess durch ihre Anwältin vertreten. Für den komplexen Fall sind insgesamt zehn Verhandlungstage angesetzt.
Die Verteidigung kritisiert, die Ermittlungen seien zu einseitig geführt worden. Neben dem Fingerabdruck und der DNA-Spur stütze sich die Anklage lediglich auf die Aussage eines inzwischen verstorbenen Zeugen, dem gegenüber C. angeblich gestanden haben soll, einen Menschen erstochen zu haben.
Der Prozess am Landgericht Düsseldorf wirft nicht nur Fragen zur Schuld des Angeklagten auf, sondern auch zur damaligen Ermittlungsarbeit und den sozialen Umständen, die zu dieser Tragödie führten.



