Magdeburger Attentäter-Prozess bis Juni verlängert: Kosten steigen auf 1,2 Millionen Euro
Magdeburger Prozess verlängert: 1,2 Mio. Euro Mehrkosten

Verfahren in Magdeburg bis Juni verlängert: Prozess gegen Attentäter wird 1,2 Millionen Euro teurer

Der Prozess gegen den Magdeburg-Attentäter Taleb al-Abdulmohsen (51) wird deutlich länger dauern als geplant und damit erheblich teurer. Ursprünglich sollte ein zügiges, rechtssicheres Urteil gefällt werden, um den Opfern des Amoklaufs auf dem Weihnachtsmarkt von Magdeburg endlich Abschluss und Ruhe zu ermöglichen. Doch aus diesem Wunsch der Richter wird nun nichts. Stattdessen muss die Justiz allein für den angemieteten XXL-Gerichtssaal voraussichtlich zusätzliche 1,2 Millionen Euro aufbringen.

Verlängerung bis zum 23. Juni beschlossen

Die Richter der Schwurkammer des Landgerichts Magdeburg hatten zunächst Prozesstermine bis Mitte März angesetzt. Theoretisch hätte in den kommenden Wochen ein Urteil gegen den geständigen Psychiater fallen können, der die Amokfahrt über den Magdeburger Weihnachtsmarkt gestanden hat. Bei dieser Tat starben fünf Frauen und ein neunjähriges Kind, mehr als 300 Menschen wurden teils schwerst verletzt. Zeugen und Sachverständige wurden bereits gehört, und ein psychiatrischer Gutachter hat eine Gefährdungsprognose erstellt, sodass die Beweise beinahe vollständig vorlagen.

Doch seit Mittwoch ist klar: Ein Urteil wird vor dem Sommer nicht mehr fallen. Der Vorsitzende Richter Dirk Sternberg hatte versucht, den Prozess zu verschlanken, indem er die Nebenklage-Anwälte fragte, ob sie bereit sind, das Verfahren zu verkürzen. Während etwa 60 Personen zustimmten, verweigerte die Mehrheit der insgesamt 180 Nebenkläger ihre Einwilligung.

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Psychische Folgeschäden im Fokus

Im Prozess geht es für viele Opfer um die Anerkennung ihrer seelischen Wunden. Wenn einzelne Betroffene wollen, dass auch ihre unsichtbaren Verletzungen juristisch gewürdigt werden, müssen sie im laufenden Verfahren gesondert gehört werden. Deshalb hat das Landgericht nun weitere Verhandlungstermine bis zum 23. Juni angesetzt. Der Vorsitzende Richter hat zwei Sachverständige gewonnen, um die psychischen Folgeschäden der Betroffenen zu begutachten. Ab dem 3. März werden die Nebenkläger, die von solchen Schäden betroffen sind, als Zeugen gehört.

Hohe Kosten durch Gerichtssaal-Miete

Die Verlängerung des Prozesses führt zu erheblichen Mehrkosten. Das angemietete XXL-Gerichtsgebäude am Jerichower Platz kostet das Land Sachsen-Anhalt monatlich 390.000 Euro. Für die mindestens dreimonatige Verlängerung kommen somit zusätzliche 1,2 Millionen Euro auf die Justiz zu. Das XXL-Gericht, das am 20. Verhandlungstag in der ersten Frühlingssonne strahlte, muss nun für weitere drei Monate stehen bleiben.

Angeklagter fordert Blutuntersuchung

Am Mittwochnachmittag meldete sich der Angeklagte Taleb al-Abdulmohsen selbst zu Wort. Er gab an, sich "sediert" zu fühlen, und vermutete, dass ihm in der Haft über längere Zeit Substanzen ins Essen oder in Getränke gemischt worden seien. Daraufhin forderte er eine Blutuntersuchung. Die Kammer verwies ihn an den Anstaltsarzt, und der Prozess wird am 3. März fortgesetzt.

Die Reihen der Nebenkläger und ihrer Anwälte lichten sich zwar allmählich, doch ein schnelles Urteil ist nicht mehr in Sicht. Die Opfer des Magdeburg-Attentäters müssen sich nun auf eine längere Verfahrensdauer einstellen, während die finanziellen Belastungen für die Justiz weiter steigen.

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