Der Mordprozess um den getöteten achtjährigen Fabian aus Güstrow ist am Mittwoch am Landgericht Rostock mit neuen Erkenntnissen fortgesetzt worden. Richter Holger Schütt informierte, dass die Polizei in Güstrow ein Messer sichergestellt habe, das bereits im Dezember 2025 – zwei Monate nach dem Tod des Jungen – entdeckt und vom Vater gemeldet worden war. Damals habe die Polizei eine Untersuchung des Fundes abgelehnt, was der 35-jährige Vater scharf kritisierte. Die Staatsanwaltschaft prüft nun, ob es sich um die bisher vermisste Tatwaffe handelt. Der Finder des Messers soll als Zeuge gehört werden.
Zehn weitere Verhandlungstermine
Richter Schütt kündigte an, dass zehn weitere Verhandlungstermine anberaumt sind, sodass der Prozess voraussichtlich mindestens bis August dauern wird. Die Mutter des besten Schulfreundes von Fabian berichtete, dass der Junge sich zu Hause sehr einsam gefühlt habe. „Der Junge hat bei uns nach Liebe gesucht“, sagte die Zeugin. Sie habe Fabian manchmal am Wochenende drängen müssen, nach Hause zu gehen. Nach seinen Schilderungen sei er auch spätabends oft allein gewesen, während seine alleinerziehende Mutter im Garten mit Freunden Alkohol getrunken habe. „Fabi war immer hungrig“, ergänzte sie.
Vater-Kontakt wiederbelebt
Von seinem Vater, der seit 2018 von der Mutter getrennt lebte, sei Fabian ab Sommer 2025 wieder begeistert gewesen. Auf dem Dorf habe er ein Baumhaus gebaut und sich auf das Wochenende nach dem 10. Oktober 2025 gefreut – dem Tag, an dem er einer Gewalttat zum Opfer fiel. Die Klassenlehrerin des Jungen bestätigte, dass Fabian zu Beginn der dritten Klasse stolz vom neuen Kontakt zu seinem Vater berichtete. „Er war aber sehr oft allein in der Stadt unterwegs“, sagte die 29-Jährige. Fabian habe keinen Hortplatz mehr gehabt. In der Schule zeigte er Schwierigkeiten im Lesen und Schreiben, mochte aber Mathematik. Von der Angeklagten, der Ex-Freundin seines Vaters, habe er nie gesprochen.
Ermittlungen gegen den Vater
Oberstaatsanwalt Harald Nowack gab zu Beginn des Verhandlungstages bekannt, dass gegen Fabians Vater wegen des Verdachts der Falschaussage ermittelt wird. Man hege den Verdacht, dass der 35-Jährige in einigen Punkten nicht die Wahrheit gesagt habe. Richter Schütt ermahnte alle Beteiligten, keine Datenträger oder Beweismittel an Unbefugte weiterzugeben, da solche Informationen bereits in die Hände von Bekannten der Mutter gelangt sein sollen.
Anklage und Verteidigung
Die Staatsanwaltschaft wirft der 30-jährigen Ex-Freundin des Vaters vor, Fabian am 10. Oktober 2025 von der Wohnung seiner Mutter abgeholt und später an einem Feld bei Klein Upahl mit mehreren Messerstichen getötet zu haben. Fabian lebte allein bei seiner Mutter, nachdem sich die Eltern 2018 getrennt hatten. Seine Leiche wurde am 14. Oktober an einem Wasserloch gefunden. Laut Anklage soll der Junge der wechselhaften Beziehung der Angeklagten mit dem Vater im Wege gestanden haben, was die Verteidigung bezweifelt. Aus Chatnachrichten geht hervor, dass die Angeklagte im August 2025, nach der vorletzten Trennung, zweimal Suizidversuche unternommen haben soll. Der Vater hatte angegeben, die Beziehung unter anderem wegen mehr „Freiraum“ beendet zu haben.



