Prozess zum Weihnachtsmarkt-Anschlag in Magdeburg: Gericht für Verschlankung des Verfahrens
In Magdeburg läuft seit dem 10. November 2025 der Prozess gegen Taleb A., der für den Anschlag auf den Weihnachtsmarkt am 20. Dezember 2024 verantwortlich gemacht wird. Der damals 50-Jährige fuhr mit einem gemieteten Auto in eine Menschenmenge auf dem Alten Markt, wobei sechs Personen starben und über 300 verletzt wurden. Das Landgericht Magdeburg verhandelt in einer eigens errichteten Halle am Jerichower Platz, da die regulären Säle für die vielen Betroffenen nicht ausreichen.
Verlauf der Verhandlungstage im Überblick
Die bisherigen Verhandlungstage waren geprägt von emotionalen Zeugenaussagen, technischen Gutachten und wiederholten Zwischenfällen mit dem Angeklagten. Taleb A., ein ehemaliger Psychiater aus Saudi-Arabien, zeigt sich oft unkooperativ, verweigert zeitweise die Nahrungsaufnahme und äußert Vorwürfe gegen Behörden.
Am 25. Februar 2026 scheiterte vorerst die vom Gericht angeregte Verschlankung des Verfahrens. Nebenkläger befürchten, im Urteil nicht ausreichend beachtet zu werden, was zu einer Verlängerung des Prozesses bis mindestens Ostern führen könnte. Vorsorglich wurden Termine bis Juni vereinbart. An diesem Tag passierte inhaltlich wenig: Ein Gerichtsmediziner präsentierte ein Gutachten, und mehrere Dokumente wurden verlesen. Kurz vor Schluss verlangte Taleb A. eine Blutprobe, da er glaubt, über Nahrung oder Getränke sediert zu werden. Richter Dirk Sternberg veranlasste keine weiteren Maßnahmen.
Bereits am 10. Februar 2026 hatte das Gericht beschlossen, weitere Prozesstage zu streichen, um das Verfahren zu straffen. An diesem Tag stand der psychiatrische Sachverständige Bernd Langer erneut als Zeuge vor Gericht. Taleb A. bezeichnete ihn als parteiisch und kritisierte das Gutachten scharf. Der nächste Termin war für den 25. Februar geplant.
Am 9. Februar 2026 wurden weitere Zeugen gehört, darunter Betroffene, die über das Attentat und seine schweren persönlichen Folgen berichteten. Die Aussagen eines psychiatrischen Sachverständigen lösten einen Wutanfall beim Angeklagten aus, sodass ihm das Mikrofon abgestellt werden musste.
Frühere Verhandlungstage mit bewegenden Momenten
Am 28. Januar 2026 stellte ein Gutachten fest, dass Taleb A. schuldfähig und weiterhin gefährlich sei. Während der Ausführungen des Gutachters wurde der Angeklagte wütend und schimpfte laut in der Sicherheitskabine, was zur Abschaltung seines Mikrofons führte.
Am 27. Januar 2026 beschäftigte sich das Gericht mit Social-Media-Posts des Angeklagten, in denen er deutschen Behörden Vorwürfe machte. Er berichtete wiederholt von einem gestohlenen USB-Stick und kritisierte eine Flüchtlingshilfeorganisation aus Köln.
Am 13. Januar 2026 sagten weitere Opfer als Zeugen aus, darunter eine 13-jährige Schülerin, die beim Anschlag vom Tatfahrzeug erfasst wurde und teilweise auf einen Rollstuhl angewiesen war. Ein 38-jähriger Feuerwehrmann berichtete, überrollt worden zu sein, und ein 57-jähriger Sachbearbeiter erlitt eine Posttraumatische Belastungsstörung.
Am 8. Januar 2026 verlas das Gericht interne Schreiben des Angeklagten, in denen er Drohungen äußerte und von Tatbereitschaft sprach. Zum Ende des Tages wurden mehrere kommende Termine aufgrund eines umfangreichen Selbstleseverfahrens aufgehoben.
Weitere Höhepunkte des Prozesses
In den Wochen zuvor wurden zahlreiche Zeugen gehört, darunter Mitarbeiter des Maßregelvollzuges Bernburg, wo Taleb A. als Psychiater tätig war. Sie beschrieben ihn als unzuverlässig und zweifelten an seiner fachlichen Eignung. Polizisten berichteten von der Tatortarbeit, bei der Drohnentechnik für ein 3D-Geländemodell eingesetzt wurde.
Am 10. November 2025 begann der Prozess mit über 140 Nebenklägern und rund 160 akkreditierten Journalisten. Die Anklage wirft Taleb A. 6-fachen Mord und 338-fachen Mordversuch vor. Der Angeklagte nutzte den zweiten Verhandlungstag für eine stundenlange Aussage, die teils schwer zu ertragen war.
Insgesamt zeigt der Prozess, wie komplex und emotional beladen die Aufarbeitung des Anschlags ist. Mit der angestrebten Verschlankung hofft das Gericht auf eine effizientere Verfahrensführung, doch die Bedenken der Nebenkläger könnten dies verzögern. Die Verhandlung wird voraussichtlich noch mehrere Monate andauern, während die Opfer und ihre Angehörigen weiterhin mit den Folgen des schrecklichen Ereignisses kämpfen.



