Rostock: Öffentliche Toiletten in Top-Lagen verschwinden ersatzlos
In der Rostocker Innenstadt wird es für Besucher und Einwohner deutlich schwieriger, öffentliche Toiletten zu finden. Mehrere WC-Anlagen in bester Lage werden demnächst abgebaut und fallen vorerst ersatzlos weg. Der Grund dafür ist das Auslaufen eines alten Stadtwerbevertrages aus den 1990er Jahren, der zum 1. April 2026 endet.
Das Ende eines historischen Vertrages
Die betroffenen Toiletten sind Teil eines Stadtwerbevertrages, der vor über drei Jahrzehnten zwischen der Hansestadt Rostock und einem Werbeunternehmen geschlossen wurde. In diesem Vertrag erhielt das Unternehmen das Recht, auf öffentlichem Grund Werbeflächen wie Litfaßsäulen, City-Light-Poster und Wartehallen aufzustellen und zu vermarkten. Im Gegenzug zahlte es der Stadt Geld und übernahm unter anderem den Betrieb mehrerer öffentlicher Toiletten.
„Wie weitere WC-Anlagen im Innenstadtbereich sind sie Teil des Stadtwerbevertrages aus den 90er Jahren, der zum 01.04.2026 ausläuft“, erklärte die Stadtverwaltung bereits im vergangenen Jahr auf eine Anfrage der SPD-Bürgerschaftsabgeordneten Kira Ludwig. Diese hatte sich nach der behindertengerechten Toilette am Universitätsplatz erkundigt, die damals nicht nutzbar war.
Fünf Standorte betroffen
Insgesamt sind fünf WC-Standorte von der Vertragsbeendigung betroffen. Neben der bereits erwähnten Toilette am Universitätsplatz zählen dazu auch Anlagen am Steintor und an der Marienkirche. An letzterer findet sich eine kleine Plakette mit der Aufschrift JCDecaux, dem weltweit führenden Unternehmen im Bereich Stadtmöblierung, zu dem die ursprünglich beteiligte Firma Wall GmbH seit 2009 gehört.
Die Stadtverwaltung bestätigte auf Nachfrage: „Es werden derzeit 5 WC-Standorte betrieben, weitere Betreibermodelle dieser Art gibt es nicht.“ Mit dem Vertragsende werden diese Toiletten abgebaut, da ein sogenanntes Kopplungsverbot die erneute Verbindung von Werberechten und Toilettenbetrieb in einer Neuausschreibung verhindert.
Ersatz zunächst nicht in Sicht
Die Konsequenz für die Rostocker Innenstadt ist deutlich: „Die Toiletten an den Standorten, die bisher durch den Stadtwerbevertrag abgedeckt waren, werden vorerst ersatzlos entfallen“, berichtet die Verwaltung. Zwar plant die Stadt langfristig Ersatzneubauten und hofft auf einen zusätzlichen Standort an der Nordkante des Neuen Marktes, doch kurzfristig bedeutet dies eine spürbare Verschlechterung der Situation.
Die Stadt betont jedoch, dass zwei bis drei der wegfallenden Standorte ersetzt werden sollen und verweist auf andere öffentliche Toiletten im Stadtgebiet. Insgesamt gibt es derzeit 27 Toilettenstandorte, die durch das Amt für Umwelt- und Klimaschutz betreut werden, wobei einige nur saisonal in Betrieb sind oder durch Miettoiletten abgedeckt werden.
Die aktuelle Situation
Die betroffenen Toiletten, wie jene am Universitätsplatz, waren zuletzt voll funktionsfähig. Bei einem Besuch an einem sonnigen Samstag bei vollem Betrieb kostete die Nutzung 60 Cent für maximal 20 Minuten Benutzungsdauer. Das Gerät gibt kein Rückgeld, bietet dafür aber einen automatischen Reinigungszyklus nach jeder Nutzung, bei dem Toilettenschüssel, Boden und Oberflächen gereinigt, desinfiziert und getrocknet werden.
Neben den kommunalen Toiletten stehen auch Einrichtungen der Tourismuszentrale Rostock & Warnemünde sowie des Kommunalen Eigenbetriebs zur Verfügung, die kostenfrei genutzt werden können. Die Stadt verweist zudem auf zahlreiche private Akteure wie Einkaufszentren mit öffentlich zugänglichen Toiletten.
Dennoch bedeutet der Wegfall der fünf zentral gelegenen Toiletten eine spürbare Lücke in der städtischen Infrastruktur, die besonders Touristen und Menschen mit eingeschränkter Mobilität treffen wird. Die Stadtverwaltung arbeitet nun an Lösungen, um die Versorgung mit öffentlichen Toiletten in der Innenstadt langfristig sicherzustellen.



