Deutsche mitten im Drogenkrieg in Mexiko: „Ich hatte zum ersten Mal Angst um mein Leben“
Nach der Tötung des Drogenbosses Nemesio Oseguera, alias El Mencho, bei einer Spezialoperation am Sonntag in Mexiko, kam es zu heftigen Ausschreitungen in weiten Teilen des Landes. Deutsche Touristen und Auswanderer berichten von beängstigenden Erlebnissen in Städten wie Guadalajara und Puerto Vallarta, wo Narcos Straßen blockierten, Fahrzeuge anzündeten und Plünderungen verübten.
Chaos in Guadalajara: Deutsche Auswanderin erzählt
Emilia W. (25), ursprünglich aus Hamburg, lebt in einem äußeren Stadtteil von Guadalajara und arbeitet bei einem Start-up für Deutschkurse. Sie beschreibt, wie das Chaos nach der Tötung von El Mencho ausbrach: „Zunächst gab es nur wenige Informationen. Gegen 11.30 Uhr war klar, dass es El Mencho ist. Das pure Chaos begann.“ Autos brannten, Sirenen heulten, Hubschrauber kreisten und Kampfflieger donnerten über den Himmel. Alle Wege in Richtung Zentrum wurden gesperrt, und Plünderungen sowie Brände brachen aus, wobei Narcos offenbar Tankstellen und Supermarktketten ins Visier nahmen.
Emilia ist tief erschüttert: „Gestern hatte ich das erste Mal Angst um mein Leben. Das kam schnell und unerwartet, war so nah an meinem Zuhause.“ Nachbarn hätten Narcos gesehen, und Gerüchte kursierten über eine Leiche, die zur Warnung auf die Straße gelegt wurde. Angeblich sollte ab 13 Uhr auch auf Zivilisten geschossen werden, was jedoch nicht geschah. Am Tag nach den Ausschreitungen sieht Guadalajara aus wie eine Geisterstadt: „Alles ist zu, kaum jemand auf der Straße. Viele Mexikaner haben Angst um ihr Hab und Gut. Sie fürchten, dass es jetzt eskaliert.“
Augenzeugenberichte: Timo G. und Britta T.
Timo G. (37), ein Sauerländer, der seit fast acht Jahren in Mexiko lebt, war im Süden von Guadalajara unterwegs, als das Kartell Blockaden errichten ließ. Sein Eindruck: „Die wollen eher Unruhe machen. Das richtete sich nicht gegen die Zivilbevölkerung.“ Er wurde Zeuge, wie Narcos einen Bus räumten, um ihn anzuzünden, doch dann kam das Militär. Timo wundert sich nicht über die Einmischung von Trump, der zuvor angekündigt hatte, dass Mexiko etwas gegen die Kartelle tun müsse. Seit Sonntag 12 Uhr hat er das Haus nicht mehr verlassen aufgrund einer Ausgangssperre.
Im Urlaubsparadies Puerto Vallarta an der Pazifikküste macht Britta T. (56) mit ihrer Familie Urlaub. Sie berichtet: „Gestern war der Himmel schwarz vom Rauch, es gab mindestens zwei Dutzend Ausgangssperren, zwei davon waren sehr nah an unserem Condo-Komplex. Wir sollten drinnenbleiben und auch nicht den Pool benutzen. Es sind einige Eckgeschäfte und Autos abgebrannt.“ Am Montag sei es wieder ruhig, aber ihre Tochter konnte nicht abreisen, da Flüge gestrichen und umgebucht wurden.
Erfahrungen eines langjährigen Bewohners
Oliver (58), der seit 2003 in Mexiko lebt und in Puerto Vallarta wohnt, hatte von seinem Hochhaus einen guten Überblick über die Ereignisse. Als es losging, warnte ihn seine Frau, schnell nach Hause zu kommen. Er beobachtete, wie Narcos Nägel von Motorrädern aus auf die Straßen warfen, um Fahrzeuge zu stoppen und Straßen zu blockieren. Fahrzeuge wurden gezielt angezündet, um für schlechte Sichtverhältnisse aus der Luft zu sorgen. Oliver betont, dass er keine Verletzten sah, da die Leute vorher aussteigen durften.
Er hat bereits ähnliche Situationen erlebt, als ein Narco-Boss gefasst wurde, und glaubt nicht, dass jetzt über Tage ein Drogenkrieg toben wird. „Leute, die länger hier wohnen, haben keine Angst. Es geht darum, der Regierung Angst zu machen. Sie soll sich mit den Kartellen einigen.“
Die Ausschreitungen haben das Leben vieler Deutscher in Mexiko stark beeinträchtigt, mit Ausgangssperren, gestrichenen Flügen und einer allgemeinen Atmosphäre der Unsicherheit. Die Regierung und Sicherheitskräfte sind weiterhin im Einsatz, um die Lage zu beruhigen.



