AfD im Chaos: Parteiklage gegen eigene Abgeordnete, Rauswurf und China-Ermittlungen
AfD-Chaos: Klage gegen Abgeordnete, Rauswurf, China-Ermittlungen

AfD im Chaos: Parteiklage gegen eigene Abgeordnete, Rauswurf und China-Ermittlungen

Eigentlich hätte die Stimmung bei der AfD nach dem jüngsten Gerichtserfolg gegen den Verfassungsschutz ausgelassen sein können. Doch dieser Freitag entwickelte sich für die Rechtsaußenpartei zu einem wahren Chaos-Tag. Im Zentrum der Turbulenzen stehen interne Affären, Vorwürfe der Vetternwirtschaft und Betrugsvorwürfe.

Fall eins: Die Kronzeugin wird verklagt

Die AfD kündigte Klage gegen ihre eigene Bundestagsabgeordnete Martina Uhr (64) aus Niedersachsen an – ein einmaliger Vorgang in der deutschen Parteienlandschaft. Uhr hatte in einer schriftlichen Aussage schwere Vorwürfe gegen Niedersachsens AfD-Chef Ansgar Schledde (48) erhoben.

Ihren Angaben zufolge habe Schledde sie seit ihrem Einzug in den Bundestag im vorigen Jahr gedrängt, ihm als Landeschef 35 Prozent ihres Mitarbeiterbudgets aus dem Bundestag zur Verfügung zu stellen. Das entspricht monatlich 9.327 Euro oder jährlich 111.930 Euro. Das Geld soll der AfD-Landeschef genutzt haben, um Mitarbeiter einzustellen, die nicht für Uhr, sondern vor allem für die AfD gearbeitet haben sollen – eine Praxis, die vom Bundesverfassungsgericht ausdrücklich verboten ist.

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Der Landesvorstand Niedersachsen reagierte mit einer scharfen Stellungnahme: „Angesichts der Falschbehauptungen von Martina Uhr über die AfD Niedersachsen sieht sich der Landesvorstand gezwungen, nunmehr rechtliche Schritte einzuleiten.“ Man befinde sich unmittelbar vor einem laufenden Verfahren und könne dies daher nicht weiter kommentieren.

Fall zwei: Der Ausgestoßene bietet Suspendierung an

Im Streit der Fraktions- und Parteiführung mit dem Bundestagsabgeordneten Jan Wenzel Schmidt (34) bietet dieser an, seine Mitgliedschaft in der Bundestagsfraktion bis Ende Juni ruhen zu lassen. Die Parteiführung will hingegen seinen Rauswurf aus der Partei, in der Fraktion wurde bereits ein Ordnungsverfahren gegen ihn eingeleitet.

In seiner Stellungnahme zum Ordnungsverfahren schreibt Schmidt an die Fraktionsspitze: Er bitte „um faire und sachliche Prüfung unter Beachtung der Geschäftsordnung und der verfassungsrechtlich garantierten Freiheit des Mandats.“

Der Vorwurf gegen ihn lautet, er habe in einem Interview „gegenüber einem breiten öffentlichen Publikum mannigfaltige Vorwürfe“ erhoben. „Dieses Interview war und ist auch für die Fraktion mindestens rufschädigend.“ Schmidt bestreitet diese Vorwürfe und rechtfertigt sich auf fünf Seiten.

Hintergrund des Konflikts sind zudem Vorwürfe, Schmidt habe Mitarbeiter seiner Firma zum Schein in seinem Bundestagsbüro auf Steuergeld beschäftigt haben.

Fall drei: Der China-Mann unter Ermittlungsdruck

Bereits am Freitagmorgen rückten in Dresden Ermittler aus: Die Generalstaatsanwaltschaft sicherte im Umfeld des AfD-Bundestags- und Ex-EU-Abgeordneten Maximilian Krah (49) Unterlagen. Gesucht wurden Belege für Zahlungen aus China an Krah oder sein Umfeld.

Die Ermittler bestätigten, es gehe um die „Tatvorwürfe der Bestechlichkeit als Mandatsträger im Europäischen Parlament und der Geldwäsche im Zusammenhang mit chinesischen Zahlungen“. Ein ehemaliger Mitarbeiter und enger Vertrauter Krahs war Ende September 2025 „wegen geheimdienstlicher Agenten-Tätigkeit“ zu vier Jahren und neun Monaten Haft verurteilt worden.

Die drei parallel laufenden Affären zeigen die tiefen internen Risse innerhalb der AfD. Während die Parteiführung um Alice Weidel (47) und Tino Chrupalla (50) versucht, die Kontrolle zu behalten, droht die Partei an ihren eigenen Widersprüchen und Vorwürfen zu zerbrechen. Die juristischen Auseinandersetzungen und Ermittlungen könnten die AfD noch lange beschäftigen und ihre Glaubwürdigkeit weiter erschüttern.

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