AfD in schwerer Krise: Weidel verlangt Konsequenzen, Baumann signalisiert Bereitschaft für externe Untersuchung
Die Alternative für Deutschland (AfD) befindet sich in einer tiefgreifenden innerparteilichen Krise, die durch die anhaltende Filz-Affäre ausgelöst wurde. Parteivorsitzende Alice Weidel (47) hat nun erste personelle Konsequenzen gefordert und drängt auf Rücktritte innerhalb der Fraktionsführung.
Weidels Forderungen und Keuters Weigerung
Nach Informationen der Bild-Zeitung hat Weidel ihren stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Stefan Keuter (53) zum Rücktritt aus dem Fraktionsvorstand aufgefordert. Der Hintergrund: Keuter soll seine eigene Freundin auf Kosten der Steuerzahler in seinem Bundestagsbüro beschäftigt haben. Der Abgeordnete weigert sich jedoch bisher, dem Rücktrittswunsch nachzukommen.
Parallel dazu soll der Abgeordnete Jan Wenzel Schmidt (34) aus Sachsen-Anhalt die Fraktion vollständig verlassen. Ihm wird parteischädigendes Verhalten vorgeworfen. Diese Entwicklungen sind Teil einer Serie von Enthüllungen über Familien-Filz und Vetternwirtschaft innerhalb der AfD, die seit Wochen die Partei erschüttern.
Baumanns überraschende Offenheit für Sonderermittler
In einer bemerkenswerten Wendung hat sich erstmals ein führender AfD-Politiker für eine externe Untersuchung geöffnet. Fraktionsmanager Bernd Baumann (68) erklärte gegenüber der Bild-Zeitung: „Wenn die anderen Parteien bereit sind – auch innerhalb dieses vollends legalen Bereiches – auch Liebes- und Verwandtschaftsbeziehungen bei ihren Fraktionsmitarbeitern zu untersuchen, dann können wir gerne über eine solche Gesamtuntersuchung reden.“
Damit signalisiert die AfD-Fraktion erstmals keine grundsätzliche Ablehnung gegenüber einem Filz-Sonderermittler. Dieser Vorschlag war zuvor von Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (46, CDU) ins Spiel gebracht worden, der den ehemaligen Bundestagsvizepräsidenten und Anwalt Wolfgang Kubicki (73, FDP) als möglichen Ermittler nannte. Kubicki hatte sich gegenüber der Bild-Zeitung dafür offen gezeigt – unter der Bedingung, dass er alle Fraktionen gleichermaßen untersuchen darf.
Doppelte Krisensitzungen am Montag
Die Dramatik der Situation zeigt sich an den für diesen Montag angesetzten doppelten Krisensitzungen. Unter Leitung von Parteichefs Alice Weidel und Tino Chrupalla (50) tagt zunächst der Fraktionsvorstand am Nachmittag, gefolgt vom Bundesvorstand am Abend. An beiden Sitzungen nehmen auch die kontroversen Figuren aus Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und dem EU-Parlament teil.
Besonders brisant ist die Konfrontation zwischen der Europaabgeordneten Anja Arndt (60) und dem niedersächsischen Landesparteichef Ansgar Schledde (48). In Brandbriefen hatte Arndt Schledde ein Posten-Kartell und ein „Terror-Regime“ vorgeworfen, was dieser entschieden bestreitet.
Reichardt muss sich vor Parteivorstand erklären
Ebenfalls unter Druck steht der sachsen-anhaltische Landesparteichef und Bundestagsabgeordnete Martin Reichardt (56), der sich vor dem Parteivorstand für den Filz in seinem Landesverband verantworten muss. Die Vorfälle in Sachsen-Anhalt haben die gesamte Partei in eine schwere Krise gestürzt.
Die Stimmung innerhalb der Fraktion wird von vielen Abgeordneten als miserabel beschrieben. Zahlreiche Parlamentarier wünschen sich von Weidel und Chrupalla ein klares Machtwort, um die anhaltenden Skandale zu beenden und die Glaubwürdigkeit der Partei wiederherzustellen.
Baumanns Reformvorschläge
Bernd Baumann ging in seinen Äußerungen noch einen Schritt weiter und schlug gesetzliche Änderungen vor: „Wir sind auch gerne bereit, die Gesetze für Fraktions- und Abgeordneten-Mitarbeiter zu verändern, die dann für alle gelten.“ Diese Aussage deutet darauf hin, dass die AfD-Führung bereit ist, über strukturelle Reformen nachzudenken, um ähnliche Vorfälle in Zukunft zu verhindern.
Die aktuelle Krise zeigt, wie tief die AfD in der Filz-Affäre steckt und wie dringend die Partei nach Lösungen sucht, um ihren beschädigten Ruf wiederherzustellen.



