CDU und CSU demonstrieren geschlossene Einheit auf Stuttgarter Parteitag
Beim CDU-Bundesparteitag in Stuttgart haben die Schwesterparteien CDU und CSU ihre enge Verbundenheit eindrucksvoll zur Schau gestellt. Bundeskanzler und CDU-Vorsitzender Friedrich Merz sowie der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder betonten unisono die außergewöhnlich gute Zusammenarbeit zwischen den Unionsparteien.
Harmonisches Duo auf der politischen Bühne
„Es hat nicht viele Zeiten gegeben, in denen CDU und CSU und deren Parteivorsitzende so eng, so gut, so harmonisch zusammengearbeitet haben“, erklärte Friedrich Merz vor den rund 1000 Delegierten. Markus Söder versicherte im Gegenzug seine uneingeschränkte Unterstützung: „Wir unterstützen Dich als Kanzler, gerne auch länger, wenn Du willst.“
Die symbolträchtige Einheit wurde besonders deutlich, als beide Vorsitzende Seite an Seite zur flotten Musik in die Messehalle einzogen. Obwohl Söder mit einem leichten Augenzwinkern einräumte, dass er Merz' beeindruckendes Wahlergebnis von 91,17 Prozent bei der Wiederwahl als Parteichef „auch gern gehabt hätte“ – im Vergleich zu seinen eigenen 83,6 Prozent beim CSU-Parteitag im Dezember –, zeigte sich nach außen hin vollkommene Geschlossenheit.
Inhaltliche Debatten prägen den zweiten Tag
Neben der demonstrierten Harmonie standen jedoch vor allem inhaltliche Diskussionen im Mittelpunkt des Parteitags. Nahezu 300 Anträge wurden eingereicht und debattiert, wobei einige Themen besondere Aufmerksamkeit erregten.
Der ursprünglich kontrovers diskutierte Antrag der Mittelstandsunion zu „Kein Rechtsanspruch auf Lifestyle-Teilzeit“ wurde schließlich in abgeschwächter Form und ohne größere Debatte verabschiedet. Dies markiert jedoch nur einen Aspekt der umfassenden Sozialstaatsreformdebatte, die sich die Union vorgenommen hat.
Junge Union scheitert mit Reformforderungen
Die Junge Union, die bereits im vergangenen Jahr in Rentenfragen gegen den Kanzler Position bezogen hatte, präsentierte einen ambitionierten 20-Punkte-Katalog. Darin forderten die jungen Parteimitglieder unter anderem ein Ende der Rente mit 63, reduzierte Rentenbeiträge für Eltern sowie die Einführung von Karenztagen bei Krankheit.
Doch die Delegierten folgten dem eindringlichen Appell von Karl-Josef Laumann, dem nordrhein-westfälischen Arbeits- und Sozialminister. Dieser warnte vor den politischen Konsequenzen: Karenztage seien ein „großes Reizthema“ und könnten zu „großen Kampagnen in den Betrieben gegen die CDU“ führen. Statt einer direkten Beschlussfassung wurden die Forderungen zur weiteren Diskussion an die Unionsfraktion im Bundestag überwiesen.
Social-Media-Verbot für Jugendliche beschlossen
Einen konkreten Beschluss gab es hingegen beim Thema Jugendschutz im digitalen Raum. Die CDU sprach sich mit breiter Mehrheit für ein Mindestalter von 14 Jahren für die Nutzung sozialer Netzwerke wie TikTok und Instagram aus. In dem Antrag heißt es: „Wir fordern die Bundesregierung auf, eine gesetzliche Altersgrenze von 14 Jahren für die Nutzung sozialer Netzwerke einzuführen und das besondere Schutzbedürfnis bis zum 16. Lebensjahr im digitalen Raum auszugestalten.“
Interessanterweise revidierte sogar Manuel Hagel, Spitzenkandidat der CDU für die anstehende Landtagswahl in Baden-Württemberg, seine bisher skeptische Haltung gegenüber einem Social-Media-Verbot und unterstützte den Beschluss.
Symbolische Einheit als zentrales Signal
Während Söders Auftritt viele bereits bekannte Passagen aus seiner Passauer Rede enthielt – von der Solidarität mit dem FC-Bayern-fan Vizekanzler Lars Klingbeil bis zur Betonung, dass CDU und CSU zwar Schwestern, aber keine siamesischen Zwillinge seien – stand vor allem die Symbolik im Vordergrund.
Die Botschaft, die von Stuttgart aus in die Republik gehen sollte, war eindeutig: CDU und CSU sind so eng verbunden wie seit Jahren nicht mehr. In einer Zeit politischer Herausforderungen und vor dem Hintergrund anstehender Landtagswahlen demonstrierte die Union geschlossene Stärke und inhaltliche Handlungsfähigkeit.
Friedrich Merz' Andeutung, dass er sich angesichts des hohen Alters seines Vaters auch eine zweite Amtszeit als Bundeskanzler vorstellen könne, unterstrich dabei die langfristige Perspektive, die beide Parteivorsitzende für ihre Zusammenarbeit sehen.



