Merkels Präsenz prägt den CDU-Parteitag in Stuttgart
Nach dem CDU-Parteitag in Stuttgart bleibt ein eindrucksvolles Bild im Gedächtnis: Angela Merkel, die ehemalige Bundeskanzlerin, sitzt in der ersten Reihe der Messehalle. Delegierte feiern sie stürmisch, viele erheben sich von ihren Plätzen. Merkel selbst äußert sich nicht, aber dieser Moment sagt viel über den aktuellen Zustand der CDU aus. Es wird deutlich, dass Merkel in ihrer Partei nach wie vor ein bedeutender Machtfaktor ist. Und die unter Friedrich Merz geführte CDU, die mit Slogans wie „Links ist vorbei!“ auftrat, wirkt zunehmend wie eine Merkel-CDU in einer neuen Version.
Merz vollzieht Kurswechsel und sucht die politische Mitte
Bundeskanzler Friedrich Merz betonte auf dem Parteitag: „Ich habe mich abschließend entschieden, die Zustimmung zu unserer Politik ausschließlich in der Mitte zu suchen.“ Dieser Satz kann auch als Selbstkritik verstanden werden. Zur Erinnerung: Kurz vor der Bundestagswahl hatte die von Merz geleitete Unionsfraktion einen Entschließungsantrag eingebracht, der eine deutlich schärfere Migrationspolitik forderte. Das Parlament stimmte zwar zu, aber die Mehrheit kam nur durch die Unterstützung der AfD-Fraktion zustande. Damals lautete Merz‘ Motto: „Ich gucke nicht rechts und nicht links, ich gucke in diesen Fragen nur geradeaus.“ Während dies bei vielen rechts der Mitte auf Zustimmung stieß, löste es im linken Teil der Republik Empörung aus. Selbst Merkel äußerte sich aus dem Ruhestand kritisch und bezeichnete Merz‘ Vorgehen als falsch. Heute gibt Merz indirekt zu, dass sie recht hatte, was im Netz zu spöttischen Kommentaren wie „Merzel“ führte.
Merkels Einfluss bleibt stark und hilft der Partei
Wo immer die 71-jährige Altkanzlerin in Stuttgart auftauchte, richteten sich Blicke und Handykameras auf sie. Sie wurde herzlich begrüßt, umarmt und um Selfies gebeten. Volker Kauder, ehemaliger Fraktionschef und enger Verbündeter Merkels, erklärte: „Die Partei will Einheit und keinen Streit.“ Selbst frühere Kritiker wie der konservative Bundestagsabgeordnete Christoph Ploß äußerten sich nun versöhnlich: „Es gehört sich für eine bürgerliche Partei, dass sie eine frühere Parteivorsitzende und Kanzlerin freundlich begrüßt.“ Ein ehemaliger Bundesminister, der unter Merkel diente und anonym bleiben möchte, sieht im Kofferwort „Merzel“ keine Bedrohung, sondern eine Beschreibung der Realität.
Strategische Vorteile durch Merkels Auftritt
Der Kurswechsel von Merz wird als Erfolg für Merkel gewertet. Ein früherer Minister und Merkel-Vertrauter bezeichnet ihren Besuch in Stuttgart als „Win-Win“-Situation. Merkel habe demonstriert, dass ihr die Partei am Herzen liege, und Merz musste gute Miene zum Spiel machen. Zudem könnte der Auftritt dem CDU-Spitzenkandidaten Manuel Hagel in Baden-Württemberg helfen. Um dem grünen Spitzenkandidaten Cem Özdemir vor der Landtagswahl am 8. März Prozentpunkte abzunehmen, sind Fotos mit Merkel möglicherweise wirkungsvoller als solche mit Merz. Dies unterstreicht, dass es der CDU letztlich um Regierungsfähigkeit geht, unabhängig von ideologischen Botschaften.
Fazit: Die CDU zwischen Tradition und Neuausrichtung
Die Frage, ob Deutschland gewinnt, wenn Merz zu Merkel wird, bleibt offen. Doch der ausbleibende Bruch mit Merkel und Merz‘ Wandlung deuten darauf hin, dass die CDU pragmatisch handelt. Im Fokus steht das Regieren, nicht die Abgrenzung von politischen Lagern. Die Partei sucht Einheit und Stabilität, wobei Merkels Einfluss weiterhin eine zentrale Rolle spielt.



