Bärlauch: Seltene Pflanze zwischen Schaalsee und Rügen
Bärlauch selten zwischen Schaalsee und Rügen

Wer im Frühling durch die Wälder rund um den Schaalsee oder entlang der Elbe streift, sucht ihn oft vergeblich. Bärlauch, andernorts in dichten Teppichen wachsend und für viele das kulinarische Zeichen der Saison, ist in der Region nur selten zu finden. Ganz anders sieht es auf der Insel Rügen aus, wo ganze Parkanlagen und Wälder im Frühjahr vom intensiven Duft des wilden Knoblauchs erfüllt sind. Warum das so ist, interessiert auch Fachkundige wie Anna Habicht, die sich seit vielen Jahren mit heimischen Pflanzen und ihrer Heilkraft beschäftigt.

Eine Expertin für die Heilkraft der Natur

Anna Habicht lebt seit rund zehn Jahren in der Region und bietet im Biosphärenreservat Schaalsee regelmäßig Führungen an. Ihr Wissen stammt aus vielen Jahren Erfahrung, unter anderem als Heilpraktikerin mit Schwerpunkt Pflanzenheilkunde. „Alles, was heilt in der Natur, interessiert mich“, sagt sie. Neben Kräuterführungen vermittelt sie auch Wissen über Gehölze, Heilpilze und traditionelle Anwendungen von Pflanzen. Dass ausgerechnet der Bärlauch hier kaum eine Rolle spielt, fällt auch ihr immer wieder auf.

Viel Potenzial aber kaum Bestände

Die Bedingungen für Bärlauch scheinen in der Region eigentlich günstig: Feuchte Böden, schattige Laubwälder und ein kalkhaltiger Untergrund bieten ein passendes Umfeld für die Pflanze. „Eigentlich findet er hier alles, was er braucht“, sagt Anna Habicht. Trotzdem ist Bärlauch vor Ort nur selten zu entdecken und wächst meist nur dort, wo er gezielt in Gärten angesiedelt wurde.

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Rügen als Gegenbeispiel

Auf Rügen zeigt sich ein ganz anderes Bild: Im Park von Putbus breitet sich Bärlauch großflächig aus und zieht jedes Jahr viele Besucher an. „Dort hat man das Gefühl, mitten in einer grünen Wolke zu stehen. Der Duft ist intensiv und unverwechselbar“, beschreibt Anna Habicht ihre Eindrücke. Ähnliche Bestände kennt sie auch aus dem Harz. Gleichzeitig macht sie deutlich, wie empfindlich solche Vorkommen sind: „Werden Pflanzen zu stark geerntet oder sogar ausgegraben, können gerade junge Bestände schnell verschwinden und sich nicht mehr erholen.“

Bärlauch in der eigenen Küche

Dabei ist die Begeisterung für Bärlauch durchaus nachvollziehbar. In der Küche gilt er als vielseitige Zutat. „Ein Klassiker ist natürlich Pesto“, sagt Habicht. „Aber man kann ihn auch frisch im Salat verwenden oder einfrieren, um ihn später zu nutzen.“ Viele sammeln die Blätter im Frühjahr und verarbeiten sie direkt. Wer größere Mengen hat, kann sie portionsweise haltbar machen und so den Geschmack der Saison über Monate hinweg bewahren.

Ein Rätsel mit offenem Ausgang

Warum der Bärlauch rund um den Schaalsee bislang nur vereinzelt wächst, bleibt letztlich ungeklärt. Möglicherweise fehlt ein historischer Ausgangspunkt für größere Bestände. Vielleicht wurde die Pflanze nie in größerem Stil angesiedelt oder konnte sich nicht dauerhaft durchsetzen. Sicher ist nur eines: Die Bedingungen wären vorhanden. Und damit auch die Chance, dass sich der Bärlauch eines Tages stärker ausbreitet. Bis dahin bleibt er in der Region ein seltener Schatz und auf Rügen ein beeindruckendes Naturerlebnis.

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