Mutter der toten Bergsteigerin verteidigt Freund vor Gericht: Keine Hexenjagd
Mutter der toten Bergsteigerin verteidigt Freund vor Gericht

Mutter der toten Bergsteigerin verteidigt Freund vor Gericht

In einem emotionalen Interview mit der Zeit hat Gertraud G., die Mutter der verunglückten Bergsteigerin Kerstin G. (†33), ihren Schwiegersohn in Schutz genommen. Der Partner der Verstorbenen muss sich ab Donnerstag vor dem Landesgericht Innsbruck wegen fahrlässiger Tötung verantworten. Die Mutter spricht von einer "Hexenjagd" gegen den Angeklagten und betont die gemeinsame Verantwortung beider Bergsteiger.

Tödliche Tour am Großglockner

Bei ihrer Bergtour im Januar letzten Jahres geriet Kerstin G. in größte Not. Unter extremen Bedingungen – Dunkelheit, minus 8,6 Grad Celsius und Windböen in Orkanstärke – erlitt die 33-Jährige in 3750 Metern Höhe völlige Erschöpfung. Ihr Freund Thomas P. stieg allein ab, um Hilfe zu holen, doch die entkräftete Frau erfror noch vor Eintreffen der Rettungskräfte. Die Staatsanwaltschaft Innsbruck wirft dem Angeklagten vor, seine Freundin "schutzlos, entkräftet, unterkühlt und desorientiert" zurückgelassen zu haben.

Erfahrene Bergsteigerin mit Leidenschaft

Gertraud G. wehrt sich entschieden gegen die Darstellung ihrer Tochter als unerfahrene Bergsteigerin. "Kerstin war top trainiert", erklärt die Mutter. "Sie hat allein und auch mit ihrem Freund bereits weitaus schwierigere Klettertouren gemeistert." Die Begeisterung für das Bergsteigen habe ihre Tochter während der Corona-Pandemie entdeckt. Kerstin G. sei eine passionierte Trailrunnerin gewesen, die den Untersberg (1972 Meter) in nur 38 Minuten hinuntergerannt sei und bereits das Große Wiesbachhorn (3564 Meter) bestiegen habe.

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Gemeinsame Entscheidungen in Extremsituation

Die Mutter betont, dass ihre Tochter und deren Partner alle Entscheidungen gemeinsam getroffen hätten. "Wenn Kerstin nicht einverstanden war, haben sie eine Bergtour nicht gemacht", so Gertraud G. Sie kritisiert, dass viele Menschen, die dem Freund Vorwürfe machten, nie in einer solchen Extremsituation gewesen seien. Die Bergsteigerin sei auch nachts in den Bergen unterwegs gewesen, da sie tagsüber arbeiten musste, und habe Bergtouren zum Sonnenaufgang und Sonnenuntergang geliebt.

Vorwürfe der Staatsanwaltschaft

Die Anklage wirft Thomas P. vor, trotz der erkennbaren Erschöpfung seiner Partnerin keinen Notruf vor Einbruch der Dunkelheit abgesetzt und keine Notsignale an einen vorbeifliegenden Hubschrauber gegeben zu haben. Der Oberstaatsanwalt Hansjörg Mayr sieht die Verantwortung für den Tod beim Freund, der als Führer der Tour agiert haben soll. Webcam-Aufnahmen zeigen die Spuren des Paares beim Aufstieg auf den Großglockner, Österreichs höchsten Berg mit 3798 Metern.

Mutter appelliert an Verständnis

"Es macht mich wütend, dass Kerstin als kleines Dummerchen dargestellt wird", erklärt Gertraud G. im Interview. Ihre Tochter habe gerne ihre Grenzen ausgelotet, sei aber verantwortungsbewusst gewesen. Die Mutter wünscht allen Kritikern, niemals in eine solche Ausnahmesituation zu kommen, und hofft auf ein faires Gerichtsverfahren, das die komplexen Umstände der tragischen Bergtour angemessen berücksichtigt.

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