Die bewirtschafteten Hütten des Alpenvereins München und Oberland starten in die Sommersaison. 16 Hütten wie das Taubensteinhaus oder die Reintalangerhütte öffnen nach und nach. Doch eine Hütte bleibt dauerhaft geschlossen: die Riesenhütte in den Chiemgauer Alpen auf 1346 Metern Höhe. Auf der Homepage heißt es „aktuell geschlossen“, doch dies gilt offenbar für immer.
Keine Wiederinbetriebnahme geplant
Bereits seit 2013 werden in der Riesenhütte keine Gäste mehr empfangen. Ursprünglich war eine Generalsanierung für 2019 geplant, die jedoch verschoben wurde. Grund waren unter anderem die Sanierung der denkmalgeschützten Falkenhütte im Karwendel mit einem Bauvolumen von rund 6,4 Millionen Euro. Der Alpenverein muss viele Bau- und Sanierungsmaßnahmen stemmen, was Geld kostet. Daher muss abgewogen werden, welche Hütten priorisiert werden.
Infrastruktur und Brandschutz problematisch
Die Sektion Oberland teilt mit: „Bei der Riesenhütte bestünde in den Bereichen grundlegender Infrastruktur (Wasser, Abwasser, Energieversorgung) sowie im Brandschutz Handlungsbedarf. Eine Sanierung wäre entsprechend aufwendig.“ Gleichzeitig prüfe man bei allen Projekten, „welche Hütten aus alpinistischer Sicht eine besonders wichtige Funktion als Schutz- und Zufluchtsorte erfüllen“. Die Riesenhütte liegt relativ niedrig und erfülle diese Funktion nur eingeschränkt. Daher wurden in den vergangenen Jahren andere Hütten wie die Falkenhütte, die Vorderkaiserfeldenhütte oder die Stüdlhütte priorisiert.
Die Sprecherin ergänzt: „Als DAV-Sektion tragen wir Verantwortung für eine Vielzahl an Berghütten und müssen unsere begrenzten Ressourcen für alle anstehenden Bau- und Sanierungsprojekte klar priorisieren.“ Der Vorstand der Sektion Oberland habe daher in Rücksprache mit den Vereinsgremien beschlossen, „eine Wiederinbetriebnahme der Riesenhütte als bewirtschaftete Alpenvereinshütte auszuschließen, insbesondere auch vor dem Hintergrund der weiteren anstehenden Hüttenbauinvestitionen der Sektion Oberland in den nächsten Jahren“.
Alternative Konzepte in Arbeit
Wie es mit dem bestehenden Bau weitergeht, ist noch offen. „Wir arbeiten aktuell dennoch weiter an Konzepten, wie der Stützpunkt der Riesenhütte für Mitglieder oder der Bergsportler*innengemeinschaft in abgewandelter Form in den nächsten Jahren wieder zugänglich gemacht werden kann“, heißt es von der Sektion. Noch seien keine Entscheidungen getroffen. Bis dahin wird das Gebäude erhalten, etwa mit einem Solarluftkollektor zur Temperierung.
Historische Bedeutung der Hütte
Die Riesenhütte wurde 1913 erbaut und gehört seit 1917 der Sektion Oberland. 1914 wurde die Lokalbahn Rosenheim-Frasdorf eröffnet, was für regen Besuch sorgte. Gegen Ende des Ersten Weltkrieges musste die Hütte geräumt werden, da wegen der nahen Grenze eine militärische Belegung befürchtet wurde. Die Hütte blieb jedoch unversehrt. Aus dem Jahr 1919 ist eine Nachricht über ein Hagel-Unwetter überliefert: „Am 8. Juli 1919 haben drei Touristen sicheren Schutz in diesem Raume gefunden, sonst wären sie jedenfalls von den großen Eisklumpen, die unzählig herniederfielen, erschlagen worden. Vielen Dank den Erbauern der Hütte!“



