Tiroler Werbung löst mit Südtirol-Vergleich Empörung aus: 'Unerträgliche Zündlerei'
Tirol-Werbung empört Südtirol mit Instagram-Post

Tiroler Werbung löst mit Südtirol-Vergleich Empörung aus: 'Unerträgliche Zündlerei'

Ein inzwischen gelöschter Instagram-Post der in Innsbruck ansässigen Tirol Werbung hat für erheblichen Wirbel auf beiden Seiten der Grenze zwischen Österreich und Italien gesorgt. Die Tourismusorganisation hatte in einer Kampagne Südtirol als "ein anderes Land" bezeichnet und mit klischeehaften Vergleichen dargestellt, was von vielen als geschmacklos empfunden wurde.

Historisch sensible Thematik

Die Geschichte Tirols ist komplex und von zahlreichen Teilungen geprägt. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Region in einen nördlichen, zu Österreich gehörenden Teil und ein Südtirol getrennt, das fortan zu Italien gehörte. Diese historische Sensibilität wurde in dem Instagram-Posting der Tirol Werbung nicht berücksichtigt, wie Kritiker monieren.

Der gelöschte Beitrag zeigte einen direkten Vergleich zwischen Tirol und Südtirol. Während Tirol mit Österreich, klassischer Alpenstimmung, Kaiserschmarrn, Knödel sowie Skifahren, Radfahren und Wandern assoziiert wurde, stellte die Werbung Südtirol als Italien mit italienischem Flair, Pizza, Wein und einem angeblich unverständlichen Dialekt dar.

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Reaktionen aus Politik und Bevölkerung

Südtirols Landesrat für Tourismus, Luis Walcher, äußerte sich deutlich kritisch: "Das hätten die Tiroler Touristiker, ehrlich gesagt, nicht nötig." Auch der Tiroler Landeshauptmann Anton Mattle distanzierte sich von der Kampagne und betonte, dass sie nicht dem Euregio-Gedanken entspreche.

In sozialen Medien sorgte der Beitrag für erhebliche Aufregung. Nutzer bezeichneten die Aktion als "unerträgliche Zündlerei" und kritisierten mangelnde Sensibilität. Eine Nutzerin schrieb: "Ist mir vollkommen unverständlich, dass man so Werbung macht, keine Sensibilität, kein Gespür für die Menschen, wie ein Elefant im Porzellanladen."

Erklärungsversuch und Rückzug

Patricio Hetfleisch, Marketingleiter der Tirol Werbung, erklärte im Gespräch mit ORF Tirol, man habe einem aktuellen Instagram-Trend folgen wollen, bei dem sich Destinationen auf humoristische Weise mit Augenzwinkern vorstellen. Er räumte jedoch ein, dass dies im Fall des Tirol-Südtirol-Vergleichs nicht gelungen sei und der "besonderen Beziehung zwischen Südtirol und Tirol" nicht gerecht geworden wäre.

Hetfleisch betonte, dass die Gleichsetzung Südtirols mit Italien historisch wie kulturell nicht korrekt sei. Obwohl er angab, es habe keinen politischen Druck gegeben, wurde der Post mittlerweile gelöscht. Die Südtiroler Marketingagentur IDM mit Sitz in Bozen zeigte sich gelassen und teilte lediglich mit, man habe das Posting registriert, wolle sich aber nicht weiter äußern.

Die Kontroverse zeigt, wie sensibel historisch gewachsene regionale Identitäten behandelt werden müssen, insbesondere in Marketingkampagnen, die über soziale Medien eine breite Öffentlichkeit erreichen.

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