Brandenburgs AfD-Politikerin teilt antisemitisches Video – Antisemitismusbeauftragter erstattet Anzeige
AfD-Politikerin teilt antisemitisches Video – Anzeige erstattet

AfD-Politikerin teilt antisemitisches Material auf Instagram

In Brandenburg hat die AfD-Kreistagsabgeordnete Peggy Lindemann für erhebliche politische Aufregung gesorgt. Die Politikerin teilte auf ihrer Instagram-Seite einen Beitrag der rechtsextremen Influencerin Denise Kettler, der eindeutig antisemitisches Material enthielt. Der Post zeigte unter anderem eine Karikatur aus der nationalsozialistischen Wochenzeitung „Der Stürmer“ und das berüchtigte Zitat „Die Juden sind unser Unglück“.

Strafanzeige wegen Volksverhetzung gestellt

Brandenburgs Antisemitismusbeauftragter Andreas Büttner reagierte umgehend auf den Vorfall und erstattete Strafanzeige wegen des Verdachts der Volksverhetzung. Die Anzeige richtet sich sowohl gegen Lindemann als auch gegen die ursprüngliche Verfasserin des Posts, Denise Kettler. Büttner betonte die Schwere des Vorfalls und forderte Lindemann öffentlich auf, ihre politischen Mandate niederzulegen.

„Wer antisemitische Hetze verbreitet oder duldet, hat jedes politische Mandat moralisch verwirkt“, erklärte der Antisemitismusbeauftragte in einer scharfen Stellungnahme. Er forderte die AfD auf, klare Konsequenzen zu ziehen: „Wenn die AfD es mit der Abgrenzung vom Antisemitismus auch nur ansatzweise ernst meint, muss sie jetzt handeln – unmissverständlich, personell und ohne jede Ausrede.“

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Lindemann spricht von „Tüdeligkeit“ und Versehen

Die betroffene Politikerin versuchte den Vorfall als unbeabsichtigten Fehler darzustellen. In einer eigenen Instagram-Mitteilung erklärte Peggy Lindemann, sie habe etwa 20 Beiträge zur Epstein-Affäre geteilt und dabei sei „aus Tüdeligkeit“ ein antisemitischer Post mitgerutscht, den sie in dem Moment nicht als solchen erkannt habe. Sie entschuldigte sich für den Vorfall und betonte, es handle sich um ein Versehen.

Diese Darstellung wurde auch vom Uckermärker AfD-Kreisvorsitzenden Felix Teichner unterstützt, der gegenüber dem „Tagesspiegel“ ebenfalls von einem „Versehen“ sprach.

Kritik von politischen Gegnern

Die Erklärungen der AfD stießen bei anderen politischen Akteuren auf deutliche Skepsis. Patrick Teiligmann, Kreissprecher der Grünen, äußerte massive Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Entschuldigung: „Wenn Teichner von einem ‚Versehen‛ spricht, erinnert das sehr an den zum Running-Gag gewordenen ‚Mausrutscher‛ seiner Parteifreundin Beatrix von Storch“.

Teiligmann wies darauf hin, dass das Teilen eines Beitrags auf Instagram mehrere gezielte Fingerbewegungen erfordere und stellte die entscheidende Frage: „Wie kann es sein, dass man das Zitat ‚Die Juden sind unser Unglück‘ nicht als antisemitisch erkennen kann?“ Für den Grünen-Politiker wirkt die Entschuldigung daher wenig überzeugend.

Reaktion der AfD-Landesebene

Auf Landesebene distanzierte sich die AfD Brandenburg von dem geteilten Inhalt. Der Landesvorsitzende René Springer erklärte gegenüber Redaktionen, der betreffende Repost sei „inhaltlich inakzeptabel“ gewesen. Antisemitische Darstellungen würden klar und ohne Relativierung abgelehnt.

Springer unterstützte jedoch Lindemanns Darstellung: „Frau Lindemann hat dargelegt, dass der Beitrag beim Durchswipen versehentlich geteilt wurde. Nach einem Hinweis sei er umgehend gelöscht worden. Sie hat sich klar davon distanziert und öffentlich entschuldigt.“

Der Vorfall wirft erneut Fragen zum Umgang der AfD mit antisemitischen Inhalten auf und zeigt, wie soziale Medien zur Verbreitung extremistischer Inhalte genutzt werden können. Die strafrechtliche Bewertung des Falls liegt nun bei den zuständigen Behörden.

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