„Die Partei hat immer recht“: Neue Ausstellung beleuchtet allgegenwärtige Macht der SED im DDR-Alltag
Ausstellung zeigt allgegenwärtige Macht der SED im DDR-Alltag

„Die Partei hat immer recht“: Neue Ausstellung beleuchtet allgegenwärtige Macht der SED im DDR-Alltag

Die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur hat ihre neue Jahresausstellung mit dem Titel „Die Partei hat immer recht“ vorgestellt. Die Schau dokumentiert eindrucksvoll, wie die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) als alles beherrschende Kraft den gesamten Alltag in der Deutschen Demokratischen Republik durchdrang und prägte. Der Titel der Ausstellung ist an ein damals bekanntes Propagandalied angelehnt, das die unfehlbare Autorität der Partei besang.

Durchdringung aller Lebensbereiche

Die Ausstellung macht deutlich, dass die SED – im Volksmund schlicht „die Partei“ genannt – in nahezu jedem Aspekt des täglichen Lebens präsent war. Ob in der Schule, am Arbeitsplatz, bei Freizeitaktivitäten oder Urlaubsreisen, bei Personalentscheidungen oder staatlichen Auszeichnungen: Die SED fungierte stets als eigentliches Machtzentrum und bestimmte die Regeln des Zusammenlebens. Mit zuletzt 2,3 Millionen Mitgliedern, was etwa 15 Prozent der DDR-Bevölkerung entsprach, durchdrang die Partei die Gesellschaft wie ein dichtes Netz.

Der Historiker Stefan Wolle, der als Autor an der Ausstellung mitgewirkt hat, betont: „Sie war das Knochengerüst der DDR, sie bestimmte das Leben in der DDR.“ Die Schau zeigt anhand von Schautafeln und Dokumenten, wie nachhaltig diese Durchdringung war und dass es keine heile Welt jenseits der Diktatur gab.

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Gegen Nostalgie und Verklärung

Ein zentrales Anliegen der Ausstellung ist es, der zunehmenden Nostalgie und Verklärung der DDR-Zeit entgegenzuwirken. Stefan Wolle spricht von einer „ganz großen Nostalgiewelle“, bei der vieles beschönigt und idealisiert werde. Die Bundesstiftung Aufarbeitung will mit ihrer Schau einen differenzierten Blick auf die Realität des Lebens in einer Diktatur ermöglichen und deutlich machen, dass die SED-Herrschaft mit Unterdrückung und Kontrolle verbunden war.

Stiftungsdirektorin Anna Kaminsky erklärt: „Wir halten die Erinnerung an die Vergangenheit nicht für eine Pflichtübung. Und wir erleben, dass Erinnerung unter Druck steht.“ Sie beobachtet eine gewisse Ermüdung in der Auseinandersetzung mit der DDR-Geschichte sowie Versuche der Desinformation, bei denen seriöse Quellen infrage gestellt und einfache Antworten einer differenzierten Betrachtung vorgezogen werden.

Breites Interesse und pädagogischer Auftrag

Die Ausstellung, die aus mobilen Schautafeln besteht, kann von Einrichtungen aller Art bei der Stiftung nahezu kostenfrei bestellt werden. Nach Angaben von Kaminsky liegen bereits rund 130 Vorbestellungen aus ganz Deutschland vor, unter anderem von Bibliotheken, Volkshochschulen, Rathäusern und Schulen. „Das Thema trifft einen Nerv“, so die Direktorin.

Mit der Schau verfolgt die Stiftung einen doppelten Auftrag: Einerseits soll sie über das Leben in einer Diktatur informieren und aufklären. Andererseits – und das sei nicht weniger wichtig – sollen daraus Lehren für die Gegenwart gezogen werden. Die Ausstellung will dazu beitragen, die historische Verantwortung wachzuhalten und die demokratischen Werte der Gegenwart zu stärken.

Die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, die von Direktorin Anna Kaminsky geleitet wird, setzt mit dieser Jahresausstellung ein wichtiges Zeichen für eine kritische und unverklärte Erinnerungskultur. Die Schau „Die Partei hat immer recht“ steht damit im Kontext der fortwährenden Aufarbeitung der deutschen Teilungsgeschichte und der Diktaturerfahrung in der DDR.

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