Frühlingserwachen der Kröten: Wanderung in Berlin steht bevor
Mit frühlingshaften Temperaturen von bis zu zehn Grad am Wochenende beginnt in Berlin nicht nur für Menschen, sondern auch für Amphibien die aktive Jahreszeit. In den kommenden Tagen und Wochen erwachen Kröten aus ihrer Winterstarre und machen sich auf Wanderschaft zu ihren Laichgewässern, wie der Naturschutzbund Deutschland mitteilt.
Gefährliche Straßenquerungen für Amphibien
Alexandra Rigos, Sprecherin des Berliner Nabu-Landesverbands, erklärt, dass die Tiere aufgrund der bisherigen Kälte noch nicht unterwegs seien. In der Hauptstadt gebe es jedoch zahlreiche Kleingewässer mit Amphibienpopulationen, besonders in den Randgebieten. Der Naturschutzbund appelliert eindringlich an Autofahrer, besondere Vorsicht walten zu lassen.
Straßen zerschneiden den Lebensraum der Tiere, die diese auf dem Weg zu ihren Fortpflanzungsgewässern überqueren müssen. Jährlich werden dadurch tausende Amphibien getötet – nicht nur durch direkte Überfahrten, sondern auch durch den Luftdruck schnell fahrender Fahrzeuge, der ihre inneren Organe zum Platzen bringen kann.
Verhaltenstipps für Autofahrer
Der Nabu empfiehlt an entsprechend gekennzeichneten Amphibienwanderstrecken eine Höchstgeschwindigkeit von 30 Stundenkilometern. Diese Maßnahme könne zahlreiche Krötenleben retten. Zum zusätzlichen Schutz werden in den nächsten Wochen an mehreren Berliner Stellen Fangzäune aufgestellt, beispielsweise in der Nähe des Mahlsdorfer Körnerteichs.
Wann beginnt die Wanderung genau?
Sascha Schleich vom Nabu-Bundesverband erläutert: „Steigt die Temperatur nachts mehrere Tage in Folge über fünf Grad, beginnt die Wanderung.“ Neben Kröten sind dann auch andere Amphibien wie Molche und Lurche unterwegs. Sollten die Temperaturen wieder sinken, könnte sich der Beginn der Hauptwanderung regional unterschiedlich verzögern.
Besonderes Fortpflanzungsverhalten der Erdkröten
Die Wanderung dient ausschließlich der Fortpflanzung. Bei Erdkröten kommt es dabei zu einem bemerkenswerten Verhalten: Männchen lassen sich von Weibchen huckepack zum Laichgewässer tragen. „Es sammelt seine Kräfte, denn der Zeugungsakt kann mehrere Stunden dauern“, erklärt der Nabu.
Am Ziel angekommen, legt das Weibchen bis zu 6.000 Eier ab, die vom Männchen besamt werden. Die entstehende Laichschnur kann bis zu fünf Meter lang werden. Nach diesem Akt endet die amphibische Partnerschaft, und die Tiere gehen wieder getrennte Wege.
Der Naturschutzbund betont die Bedeutung dieser saisonalen Wanderung für den Arterhalt und bittet die Bevölkerung um Rücksichtnahme, um die gefährdeten Amphibienpopulationen in der Hauptstadtregion zu schützen.



