Sanierung von Steinmeiers Amtssitz: Kosten von 601 Millionen Euro für achtjährige Bauarbeiten
Die anstehende grundlegende Sanierung des Berliner Amtssitzes des Bundespräsidenten wird nach aktuellen Planungen mindestens 601 Millionen Euro kosten. Diese Zahlen wurden erstmals vom Bundespräsidialamt veröffentlicht und geben Aufschluss über die Dimensionen der notwendigen Baumaßnahmen. Die Sanierung ist aufgrund zahlreicher baulicher und technischer Mängel sowie gestiegener Anforderungen unumgänglich.
Verteilung der Kosten und Zeitplan
Von den Gesamtkosten entfallen 146 Millionen Euro auf die Arbeiten am historischen Schloss Bellevue selbst. Für die Sanierung des angeschlossenen Verwaltungsgebäudes, in dem etwa 220 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter untergebracht sind, werden weitere 120 Millionen Euro veranschlagt. Die Arbeiten sollen insgesamt einen Zeitraum von acht Jahren in Anspruch nehmen.
Dies bedeutet, dass der Nachfolger von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der im März kommenden Jahres sein Amt antreten wird, seine gesamte fünfjährige Amtszeit in einem bereits fast fertiggestellten Ausweichquartier verbringen muss. Die lange Bauzeit unterstreicht die Komplexität der Sanierungsmaßnahmen.
Zusätzliche Reserven und weitere Kostenpositionen
Neben den direkten Baukosten von 601 Millionen Euro sind zusätzliche finanzielle Vorsorgen eingeplant. Eine Reserve von 188 Millionen Euro soll für mögliche, noch nicht bekannte Risiken bereitstehen, während 71 Millionen Euro als Vorsorge für eventuelle Baupreissteigerungen vorgesehen sind. Diese Maßnahmen sollen Budgetüberschreitungen verhindern und die Planungssicherheit erhöhen.
Die weiteren Kosten verteilen sich auf mehrere wichtige Projekte:
- Neubau der Hauptwache und der Technikzentrale: 173 Millionen Euro
- Maßnahmen zum Erhalt der denkmalgeschützten Parkanlage und zur Erneuerung der technischen Infrastruktur: 162 Millionen Euro
Gründe für die umfangreiche Sanierung
Die Notwendigkeit der Sanierung ergibt sich aus einer Vielzahl von gravierenden Mängeln am Gebäudekomplex. Im Schloss Bellevue sind unter anderem folgende Probleme festgestellt worden:
- Das Dach ist undicht und lässt Feuchtigkeit eindringen
- Die Lüftungsanlagen funktionieren nicht mehr ordnungsgemäß
- Die Fenster entsprechen nicht den aktuellen Sicherheitsstandards für Einbruch- und Schusssicherheit
- An der Fassade zeigen sich bedenkliche Risse
- An den Geschossdecken wurde Korrosion festgestellt
Zusätzlich zu diesen baulichen Mängeln müssen gestiegene Anforderungen in den Bereichen Sicherheit, Brandschutz, Energieeffizienz und Barrierefreiheit berücksichtigt werden. Nach Abschluss der Arbeiten sollen sowohl das Schloss Bellevue als auch der Verwaltungsbau nahezu klimaneutral betrieben werden können, was einen wichtigen Beitrag zu den Nachhaltigkeitszielen der Bundesregierung darstellt.
Die Sanierung des Amtssitzes steht seit langem fest, doch erst jetzt liegen konkrete Zahlen zu den Kosten und zum Zeitrahmen vor. Diese Planungen markieren den Beginn einer der umfangreichsten Baumaßnahmen an einem Regierungsgebäude in der jüngeren deutschen Geschichte.



