Bezirksamt stoppt SEZ-Abriss in Berlin: Artenschutz versus Wohnungsbau
SEZ-Abriss in Berlin gestoppt: Artenschutz stoppt Wohnungsbau

Artenschutz stoppt Großprojekt: SEZ-Abriss in Berlin vorerst ausgebremst

Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg hat den geplanten Abriss des ehemaligen Sport- und Erholungszentrums (SEZ) in Berlin vorerst gestoppt. Als Grund für diese Entscheidung nannte die Behörde erhebliche artenschutzrechtliche Bedenken, die gegen die geplanten Abrissarbeiten sprechen. Diese Entwicklung stellt ein bedeutendes Hindernis für ein großes Wohnungsbauprojekt dar, das ursprünglich noch in diesem Jahr beginnen sollte.

Wohnungsbauprojekt mit 600 Einheiten in der Schwebe

Eigentlich sollten auf dem Gelände neben dem Volkspark Friedrichshain ab Jahresende mehr als 600 neue Wohnungen entstehen, ergänzt durch eine Sporthalle und eine Schule. Die Abrissarbeiten waren für März geplant, wurden jedoch auf Antrag der Verbände NaturFreunde Berlin und Gemeingut in BürgerInnenhand ausgesetzt. Bausenator Christian Gaebler (SPD) äußerte sich im Abgeordnetenhaus kritisch zu dieser Entscheidung und betonte die Dringlichkeit des Wohnungsbauprojekts.

„Es geht darum, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen“, erklärte Gaebler und fügte hinzu, dass er nicht der Meinung sei, man könne mit diesem wichtigen Vorhaben noch jahrelang warten. Die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft WBM hatte argumentiert, dass es sich bei bereits begonnenen Baggerarbeiten nur um Vorbereitungen für den späteren Abriss handelte.

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Artenschutzrechtliche Bedenken im Fokus

Uwe Hiksch von den NaturFreunden konterte die Kritik mit deutlichen Worten: „Auch beim Umwelt- und Artenschutz müssen sich die WBM und das Land Berlin an die Gesetze halten.“ Er verwies darauf, dass der Abriss streng und besonders geschützte Arten einem signifikant erhöhten Tötungsrisiko aussetzen würde. Besonders problematisch sei die geplante Zeit der Arbeiten, die in die Balz-, Brut- und Aufzuchtphase der Tiere falle, was zu erheblichen Störungen führen könne.

Die Bedenken umfassen:

  • Erhöhtes Tötungsrisiko für geschützte Arten
  • Störung während der sensiblen Balz- und Brutzeit
  • Mögliche Beschädigung oder Zerstörung geschützter Lebensstätten

Historische Bedeutung des SEZ und aktuelle Kontroversen

Das Sport- und Erholungszentrum wurde 1981 eröffnet und zog zu DDR-Zeiten mit seinem Wellenbad, der Eisbahn, der Bowlingbahn und Sporthallen Millionen Besucher an. Nach dem Verkauf des Grundstücks und des Freizeitbads an einen Investor im Jahr 2003 folgte ein jahrelanger Rechtsstreit, der 2024 mit der Zwangsräumung des SEZ endete.

In den vergangenen Wochen war das SEZ-Areal mehrfach in die Schlagzeilen geraten. Ende November wurden bereits begonnene Baggerarbeiten vom Bezirk gestoppt. Anfang Dezember unterstützten mehr als 150 Wissenschaftler in einem offenen Brief den Erhalt des SEZ, nachdem bereits eine Bürgerinitiative ähnliche Forderungen gestellt hatte. Diese Entwicklungen unterstreichen die anhaltende Kontroverse um die Zukunft des Geländes.

Die aktuelle Entscheidung des Bezirksamts stellt somit einen Wendepunkt in der langjährigen Diskussion dar und wirft grundsätzliche Fragen zum Spannungsfeld zwischen dringend benötigtem Wohnungsbau und verbindlichen Artenschutzbestimmungen auf.

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