Ost-SPD-Politiker warnen vor Kita-Sterben: Bundesmittel-Auslaufen ab 2027 droht
Ostdeutsche Kindertagesstätten verfügen über lange Öffnungszeiten und qualifiziertes Personal, doch ihnen gehen zunehmend die Kinder aus. SPD-Politiker aus den ostdeutschen Flächenländern befürchten eine dramatische Zuspitzung der Situation ab dem Jahr 2027 und wenden sich mit dringenden Forderungen an den Bund.
Demografischer Wandel trifft den Osten mit voller Wucht
Während in vielen westdeutschen Regionen händeringend nach Fachpersonal für Kitas gesucht wird, erleben die ostdeutschen Bundesländer bereits die gravierenden Auswirkungen des demografischen Wandels. Die Kinderzahlen sinken rapide, Kita-Plätze bleiben leer, und mancherorts müssen Einrichtungen schließen. „Es steht erneut ein Wegbrechen der Kita-Strukturen bevor“, schreiben die kitapolitischen Sprecher der SPD-Fraktionen aus Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern in einem Forderungspapier, das an Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) adressiert ist.
Die Sozialdemokraten betonen die sozialen Konsequenzen dieser Entwicklung: „Das hat gravierende soziale Auswirkungen. Die gut ausgebildeten und vor allem jungen Fachkräfte bangen um ihre berufliche Zukunft!“ Die ostdeutschen Länder versuchen zwar mit verschiedenen Maßnahmen gegenzusteuern, doch diese Bemühungen erfordern erhebliche finanzielle Mittel.
Kritische Situation ab 2027 erwartet
Besondere Besorgnis äußern die SPD-Politiker über die Zeit ab 2027. Bisher konnten sie Mittel aus dem Kita-Qualitätsgesetz des Bundes auch für die Verbesserung der Personalschlüssel und die Gewinnung von Fachkräften nutzen. „Die vorgesehene Einstellung der Bundesmittel für diese Handlungsfelder ist nicht zu verantworten“, argumentieren sie in ihrem Schreiben. Sie fordern daher eine Fortsetzung dieser finanziellen Unterstützung.
Die Politiker weisen darauf hin, dass der im Westen notwendige Ausbau von Kita-Plätzen und die Gewinnung pädagogischer Fachkräfte nicht zulasten des Ostens umgesetzt werden dürfen. Bundesbildungsministerin Karin Prien hatte angekündigt, in diesem Jahr einen Gesetzentwurf im Bereich der frühkindlichen Bildung vorzulegen.
Konkrete Forderungen der ostdeutschen SPD-Politiker
In ihrem Papier formulieren die Sozialdemokraten mehrere konkrete Forderungen:
- Weiterhin Mittel für den Personalschlüssel an Kitas und für die Gewinnung qualifizierter Fachkräfte
- Finanzielle Unterstützung für längere Betreuungszeiten in Krippe und Kita von mehr als acht Stunden
- Absicherung neuer, vom Bund gesetzter Standards „durch eine erhöhte auskömmliche Bundesfinanzierung“
Unterschiede zwischen ost- und westdeutscher Kita-Landschaft
Die SPD-Fachpolitiker heben in ihrem Papier die besonderen Merkmale der ostdeutschen Kita-Landschaft hervor. In Ostdeutschland existiere ein gut ausgebautes, flächendeckendes Kita-Netz, das insbesondere ostdeutschen Frauen und Alleinerziehenden ermögliche, Beruf und Familie zu vereinbaren. „Denn im Osten arbeiten mehr Elternpaare und mehr Frauen in Vollzeit“, erklären die Sozialdemokraten.
Bei unter Dreijährigen liege der Anteil der Kinder, die eine Kita besuchen, um 22 Prozent höher als im Westen. Die Öffnungszeiten ostdeutscher Kindergärten seien zudem oft länger, was Eltern mit ungewöhnlichen Arbeitszeiten entgegenkomme. Allerdings räumen die Politiker ein: „Der Personalschlüssel allerdings ist in allen Altersgruppen noch immer weit von dem westdeutschen entfernt.“ Die ostdeutschen Länder arbeiten jedoch kontinuierlich daran, die Qualität in den Kitas zu verbessern.
Die SPD-Politiker betonen abschließend die Dringlichkeit ihrer Forderungen und warnen vor den langfristigen Folgen einer Vernachlässigung der ostdeutschen Kita-Strukturen für die regionale Entwicklung und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.



