Vom Schulverweigerer zum Bildungsminister: Gordon Hoffmanns ungewöhnlicher Weg
Gordon Hoffmann (CDU) aus der Prignitz ist Brandenburgs neuer Bildungsminister. Der CDU-Landtagsabgeordnete erhielt am Mittwoch in der Potsdamer Staatskanzlei aus der Hand von Ministerpräsident Dietmar Woidke seine Ernennungsurkunde. Kurze Zeit später wurde das Kabinett im Landtag vereidigt, wo auch der Prignitzer mit der religiösen Eisesformel „So wahr mir Gott helfe“ seinen Amtseid leistete.
Ein Lebensweg voller Wendungen
Für Hoffmann ist das Ministerium ein neuer Höhepunkt auf einem alles andere als gradlinig verlaufenen Lebensweg. Als er sich vor einigen Jahren auf einem CDU-Parteitag um das Amt des Generalsekretärs bewarb, berichtete er davon, dass er beinahe den mittleren Schulabschluss nicht geschafft habe. „Ich weiß, wie es ist, wenn Dich alle für einen Verlierer halten“, sagte Hoffmann damals.
Sein ehemaliger Klassenlehrer hat ihm bereits gratuliert und geschrieben, dass er sehr, sehr stolz darauf sei, dass sein ehemaliger Schüler am Ende doch noch irgendwo angekommen ist. Auch die Lehre als Heizungsbauer schmiss Hoffmann hin. Erst die Bundeswehr, mit der er im Kosovo war, brachte den Prignitzer wieder auf Kurs.
Der zweite Bildungsweg als Rettung
Auf dem zweiten Bildungsweg erwarb Hoffmann das Abitur, wurde Erzieher, ging in die Politik – und wurde nun als Bildungsminister vereidigt. Der Mittwochmorgen vor der „Blauen Wand“ in der Potsdamer Staatskanzlei, wo der Ministerpräsident und die Minister nach Kabinettssitzungen ihre Statements abgeben, wird künftig auch regelmäßig Hoffmanns Arbeitsplatz sein.
Weitere Minister mit besonderen Geschichten
Doch auch Jan Redmann, der neue Innenminister, hatte nach der verlorenen Landtagswahl wohl wenig Hoffnung, jemals Minister in Brandenburg werden zu können. Am Mittwoch waren seine Eltern, die ihn auch im Wahlkampf unterstützt hatten, in der Staatskanzlei zu Gast. „Es ist natürlich ein sehr besonderer Tag“, sagte Redmann. „Ich weiß, was vor uns liegt, und habe hohen Respekt vor den Aufgaben, die vor mir liegen.“
Die Koalitionsverhandlungen bezeichnete Redmann als Teambuilding-Maßnahme. „Das ist besonders dann erfolgreich, wenn das Team gemeinsam Erfolge hat“, sagte Redmann. Und die habe man gehabt, weil man über die eigenen Wahlprogramme hinaus gegangen sei.
Erstmals eine CSU-Politikerin in Brandenburg
Einen soliden bayerischen Klang in der Stimme hatte dagegen die neue Wirtschaftsministerin Martina Klement. Mit ihr wird erstmals eine CSU-Politikerin Ministerin in Brandenburg. Einen Eintritt in die CDU scheint die gebürtige Donauwörtherin, die bisher Digitalstaatssekretärin in Berlin war, zumindest unmittelbar noch nicht zu planen.
„Jetzt komme ich erst mal an“, sagte sie. „In Berlin war mein Parteibuch ja auch etwas exotisch, aber das hat der inhaltlichen Arbeit ganz offensichtlich auch nicht geschadet.“ Und auch die eine oder andere Maß Bier aus Brandenburg wird Clement wohl in Zukunft verkosten: Sie freue sich auf die vielfältige Brandenburger Brauereilandschaft, ließ sie am Mittwoch wissen.
Kritik von der Opposition
Ein schwarzer Tag war der Mittwoch dagegen für den Vorsitzenden der BSW-Landtagsfraktion, Nils-Olaf Lüders. Denn wäre es ihm im November gelungen, die eigene Fraktion beisammen zu halten, hätte es die neue Regierung wohl nie gegeben. Dann wäre das BSW bis heute an der Brandenburger Landesregierung beteiligt.
So blieb es ihm nur, die SPD-CDU-Koalition als „Koalition der Angst vor dem Wählerwillen“ zu geißeln und ein weiteres Mal Neuwahlen zu fordern. „Wenn SPD und CDU wirklich Vertrauen in ihre Politik hätten, würden sie die Menschen erneut entscheiden lassen – tun sie aber nicht.“
Der neue Gesundheitsminister René Wilke empfahl der neuen Wirtschaftsministerin spontan einen Besuch im Frankfurter Brauhaus – ein kleiner Lichtblick in einem politisch bewegten Tag für Brandenburgs neue Landesregierung.



