Zossen muss Millionen zurückzahlen: Briefkastenfirmen belasten Stadtkasse
Zossen: Millionen-Rückzahlung durch Briefkastenfirmen

Zossen in finanzieller Not: Millionen-Rückzahlung durch Briefkastenfirmen

Die Stadt Zossen im Landkreis Teltow-Fläming südlich von Berlin steht vor einer schweren finanziellen Belastung. Wie nun bekannt wurde, muss die Kommune voraussichtlich Millionenbeträge an Gewerbesteuereinnahmen zurückzahlen – eine Situation, die in Zeiten ohnehin knapper Kassen besonders kritisch ist.

Prüfung deckt Unregelmäßigkeiten auf

Eine gemeinsame Untersuchung des Brandenburger Finanzministeriums und des Finanzamts Luckenwalde hat ergeben, dass zahlreiche in Zossen registrierte Unternehmen ihren tatsächlichen Firmensitz gar nicht in der Stadt haben. Es handelt sich dabei um sogenannte Briefkastenfirmen, die lediglich formal in Zossen gemeldet sind, aber ihre Geschäftstätigkeit andernorts ausüben.

Die Konsequenz ist gravierend: Die betroffenen Unternehmen müssen mit empfindlichen Strafen rechnen und ihre Steuern künftig am richtigen Standort abführen. Für Zossen bedeutet dies eine Rückzahlungslast von rund 20 Millionen Euro allein in den kommenden zwei Jahren.

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Bürgermeisterin warnt vor Folgen

Die Zossener Bürgermeisterin Wiebke Şahin-Connolly (FDP) äußert sich besorgt über die Entwicklung. „Wenn die Kommunen ihre Gewerbesteuereinnahmen für ihre eigenen Zwecke verwenden dürften, könnten wir einmal komplett grundsanieren und hätten definitiv zufriedene Bürgerinnen und Bürger“, erklärt die Politikerin gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Sie betont, dass solche Investitionen auch einem Rechtsruck entgegenwirken könnten.

Şahin-Connolly verweist zudem auf die generell angespannte finanzielle Lage der Stadt. „Die Ausgaben der Kommunen nehmen aber immer mehr zu, zum Beispiel durch Preissteigerung bei Bauvorhaben“, so die Bürgermeisterin. Jede einzelne Investition müsse nun auf ihre Tragfähigkeit überprüft werden.

Haushaltssperre und Einschnitte

Als direkte Reaktion auf die Rückzahlungsverpflichtung hat die Stadtverwaltung bereits eine Haushaltssperre verhängt. Dies hat konkrete Auswirkungen auf das städtische Leben:

  • Freiwillige Aufgaben wie die Pflege von Sportplätzen könnten eingeschränkt werden
  • Die Straßenbeleuchtung steht möglicherweise vor Kürzungen
  • Die Instandhaltung von Grünanlagen könnte reduziert werden

Gewerbesteuer in Brandenburg

Die Gewerbesteuer ist eine kommunale Steuer, deren Hebesätze die Städte und Gemeinden selbst festlegen können. In Brandenburg variierten diese Sätze im zweiten Quartal 2025 zwischen 240 und 470 Prozent. Zossen liegt mit einem Gewerbesteuersatz von 270 Prozent im unteren Bereich dieser Skala – was die Stadt für Unternehmen attraktiv macht, aber offenbar auch für missbräuchliche Anmeldungen genutzt wurde.

Die aktuelle Situation zeigt deutlich, wie fragil kommunale Finanzen sein können, wenn Steuereinnahmen auf unsicheren Grundlagen basieren. Für Zossen bedeutet die Millionen-Rückzahlung nicht nur einen kurzfristigen Liquiditätsengpass, sondern auch langfristige Planungsunsicherheit bei wichtigen Infrastrukturprojekten und Dienstleistungen für die Bürger.

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