AfD erlebt klaren Rückschlag bei Bürgermeisterwahlen in Mecklenburg-Vorpommern
Die Bürgermeisterwahlen am vergangenen Sonntag in Mecklenburg-Vorpommern haben für einige Überraschungen gesorgt. Die wohl größte Überraschung ist das enttäuschende Abschneiden der AfD-Kandidaten. Für den renommierten Politikwissenschaftler Prof. Wolfgang Muno von der Universität Rostock steht eindeutig fest: „Die AfD ist der große Verlierer dieser Bürgermeisterwahlen.“
Blaue Welle wird abrupt gestoppt
Prof. Muno analysiert die Ergebnisse schonungslos: „Die AfD hat große Ambitionen in diesem Jahr, redet von der blauen Welle, aber die blaue Welle ist abrupt gestoppt bei diesen Wahlen“, erklärt der Wissenschaftler. „Von den Ambitionen ist nicht viel geblieben.“ Die Wahlergebnisse zeigen deutlich, dass die selbst ernannte Alternative es schwer hat, in städtischen Gebieten Mehrheiten zu gewinnen. Aus seiner Sicht wird diese Situation noch eine Zeit lang anhalten.
In Schwerin werden sich CDU-Bewerber Sebastian Ehlers mit 34,2 Prozent der Stimmen und Mandy Pfeifer von der SPD mit 27,9 Prozent am 26. April in der Stichwahl gegenüberstehen. Die AfD-Kandidatin Petra Federau erreichte hier mit 26,3 Prozent der Stimmen nur den dritten Platz. In Wismar siegte Frank Junge von der SPD mit einem deutlichen Vorsprung von 42,1 Prozent vor Manuela Medrow von der AfD, die 20,5 Prozent erhielt.
Reaktionen aus den Parteien
Die Reaktionen aus den politischen Lagern fallen erwartungsgemäß unterschiedlich aus. SPD-Landeschefin Manuela Schwesig erklärt: „Schwerin hat sich gegen die AfD entschieden.“ Sie betont, dass Mandy Pfeifer die „kompetenteste, erfahrenste und ehrlichste Bewerberin“ für das Bürgermeisteramt sei. Für Wismar stellt sie fest, dass Frank Junge für Erfahrung, Verlässlichkeit und konkrete Verbesserungen stehe.
AfD-Landessprecher Leif-Erik Holm kommentiert die Ergebnisse mit gemischten Gefühlen: „Ergebnisse mit Schatten und Licht. Auch wenn es für uns bekanntermaßen in größeren Städten etwas schwerer ist, hätten wir uns insgesamt etwas mehr erhofft.“ Er zeigt sich jedoch erfreut, dass Manuela Medrow in Wismar in die Stichwahl eingezogen ist und hofft auf einen Wechsel nach 36 Jahren SPD-Regentschaft.
Co-AfD-Sprecher Enrico Schult äußert sich mit Galgenhumor: Er und die gesamte AfD-Landtagsfraktion seien „darüber erleichtert, dass wir unsere geschätzte Fraktionskollegin Petra Federau im Landtag behalten“. Bei der Listenaufstellung zur kommenden Landtagswahl war Federau nicht unter den ersten 20 Kandidaten ihrer Partei platziert worden.
Schwache Kandidatur und mangelnde Verantwortungsbereitschaft
Prof. Muno zeigt sich nicht überrascht vom schwachen Abschneiden der AfD in Schwerin mit Kandidatin Petra Federau, die er als „schwache Kandidatin“ bezeichnet. Seiner Ansicht nach hätte AfD-Landessprecher Leif-Erik Holm sicherlich besser abgeschnitten. „Aber der hat ja offensichtlich keine Lust, wirkliche Verantwortung zu übernehmen“, so der Politikwissenschaftler.
Die CDU zeigt sich zufrieden mit dem Ergebnis. Sebastian Ehlers geht als Favorit in die Schweriner Stichwahl und nimmt dies als „Rückenwind“ mit. Seine politischen Schwerpunkte liegen auf Wirtschaftsförderung, der Forcierung neuer Baugebiete, Sicherheit und Sauberkeit in der Stadt.
Wirtschaftsvertreter halten sich zurück
Befragte Vertreter der Wirtschaft wollen sich bisher nicht zu den Bürgermeisterwahlen äußern. Sie nehmen eine abwartende Haltung ein und möchten die weitere Entwicklung beobachten, bevor sie sich positionieren.
Parteilose Kandidaten gewinnen an Bedeutung
Ein interessanter Trend zeigt sich in kleineren Kommunen: Der Einfluss der großen Parteien schwindet offenbar auf kommunaler Ebene. In Anklam setzte sich der parteilose Michael Galander erneut klar als Bürgermeister durch. In Ueckermünde stehen sich mit Karsten Berndt und Tino Spiegelberg zwei parteilose Kandidaten in der Stichwahl gegenüber.
Die AfD peilt für die anstehenden Landtagswahlen in diesem Jahr 40 Prozent plus an – mit dem Ziel einer Alleinregierung. Die aktuellen Bürgermeisterwahlergebnisse stellen diese Ambitionen jedoch infrage und zeigen, dass die Partei auf kommunaler Ebene noch erhebliche Schwierigkeiten hat, Wähler zu überzeugen.



