Der Maler und Bildhauer Georg Baselitz, einer der bedeutendsten deutschen Künstler der Gegenwart, ist Ende April im Alter von 88 Jahren gestorben. Nun hinterlässt er an der Ostsee einen letzten Gruß: In der Seemannskirche im Ostseebad Prerow wird sein selten gezeigtes Gemälde „Mein Vater sieht einen Engel“ für 72 Stunden öffentlich zu sehen sein – und zwar rund um die Uhr, von Freitag, 22. Mai, 15 Uhr bis Montag, 25. Mai, 15 Uhr.
Ein monumentales Werk in historischer Kirche
Das Gemälde, Öl auf Leinwand, hat die beeindruckenden Maße von drei mal vier Metern. Es entstand 1996 auf Basis einer fotografischen Erinnerung und zeigt den Vater des Künstlers, Johannes Kern, am Strand von Prerow, den Blick gen Himmel gerichtet. Bisher wurde es nur zweimal öffentlich präsentiert: 1997 in Dresden und 2016 in Genua. Die Ausstellung in der Seemannskirche, deren Bau vor rund 300 Jahren begann, ist eine Premiere für die Region.
Persönliche Verbindung zum Ort
Baselitz, der mit bürgerlichem Namen Hans-Georg Kern hieß, verbrachte als Kind regelmäßig Ferien auf dem Zeltplatz in Prerow. Sein im Krieg verwundeter Vater genoss diese Auszeiten sehr. Diese persönlichen Erinnerungen flossen in das Bild ein. Der Förderverein Seemannskirche unter Vorsitz von Susan Knoll kontaktierte den Künstler und erhielt bereits nach sechs Stunden eine positive Antwort. Baselitz schrieb: „Ich habe sehr glückliche Erinnerungen an die Zeit. Im Ort gab es damals eine Eisdiele, man bekam dort Eis mit alkoholischen Essenzen und es gab keine gepflasterten Straßen, wunderbar.“
Herausforderungen und Unterstützung
Die Organisation einer solchen Ausstellung in einer Kirche ist aufwendig: Transport, fachgerechter Auf- und Abbau durch Restauratoren, eine hohe Versicherung und ein zertifizierter Sicherheitsdienst erforderten monatelange Planung und erhebliche finanzielle Mittel. Der Sicherheitsdienst WSD-Sicherheit aus Neubrandenburg verzichtete auf sein Honorar. Weitere Unterstützung kommt von der Sparkassenstiftung Vorpommern, Gerüstbau Dankert, dem Land Mecklenburg-Vorpommern und dem Hotel Waldschlösschen. Auch handsignierte Kunstdrucke des Künstlers werden verkauft, um die Kosten zu decken.
Politische Prominenz erwartet
Zur Eröffnung am Freitag hat sich die Kulturministerin von MV, Bettina Martin (SPD), angekündigt. Auch der thüringische Ministerpräsident Mario Voigt (CDU), selbst Mitglied des Fördervereins, will kommen und möglicherweise am Empfang oder an der Sektbar mithelfen. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) hat ebenfalls einen Besuch in Aussicht gestellt.
Ein Abschied von einem Weltkünstler
Baselitz, der in der Oberlausitz geboren wurde, studierte in Ost-Berlin, wurde aber wegen „gesellschaftspolitischer Unreife“ exmatrikuliert. Er setzte sein Studium in West-Berlin fort und startete eine Weltkarriere. Seine oft auf dem Kopf gemalten Bilder sorgten immer wieder für Diskussionen. Sein Tod macht den Verein tief betroffen. Susan Knoll: „Ein Weltkünstler hat diese Welt verlassen, ein Maler, der die Kunst geprägt und bereichert hat wie kaum ein anderer. Und ein Mensch, der durch unbeschwerte Ferienzeiten in Prerow als Kind eng mit dem Ostseebad verbunden war.“ Die Ausstellung ist eine der letzten, die Baselitz selbst noch vorbereitet hat. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten. Ein Kondolenzbuch liegt aus.



