Maritime Legende in der Warteschleife: Dampfer Bussard braucht neuen Kessel
Vor zehn Jahren war der historische Tonnenleger „Bussard“ noch ein Höhepunkt des 25. Wismarer Hafenfestes und lud zu nostalgischen Gästefahrten ein. Heute muss das mehr als 100 Jahre alte Schiff eine unfreiwillige Zwangspause einlegen, während andere maritime Traditionsschiffe bereits in die neue Saison starten.
Das „Herz“ des Dampfers ist defekt
Der weltweit letzte noch betriebsfähige Tonnenleger mit Dampfantrieb und echter Kohlefeuerung hat ernsthafte „Herzprobleme“. Der 120 Jahre alte Kessel des Museumsschiffes ist nicht mehr betriebsfähig und muss ersetzt werden. Laut dem Förderverein „Dampfer Bussard“ steht die Gesamtfinanzierung für diese aufwändige Reparatur jedoch noch aus.
Die Konsequenz: Alle Fahrten entfallen in diesem Jahr und möglicherweise auch noch im nächsten Jahr. Damit ist ein erneuter Besuch des historischen Schiffes in Wismar derzeit nicht möglich.
Eine Reise in die maritime Vergangenheit
Der Dampfer „Bussard“ wurde 1905 auf der renommierten Jos. L. Meyer Werft in Papenburg auf Kiel gelegt und kostete damals stolze 224.000 Goldmark. 73 Jahre lang war er im aktiven Dienst, bevor er vor der Verschrottung bewahrt wurde und einen Ehrenplatz im Kieler Schifffahrtsmuseum erhielt.
Erst nach 40.000 ehrenamtlichen Arbeitsstunden konnte das Schiff 2006 wieder in Betrieb genommen werden. Bei der legendären Fahrt von der Kieler Förde zur Wismarbucht im Juni 2016 benötigte die 13-köpfige Crew etwa neun Stunden für die Strecke.
Harte Arbeit unter Dampf
Um die mehr als 40 Meter lange und acht Meter breite „Bussard“ auf eine Geschwindigkeit von zehn bis zwölf Knoten zu bringen, war enormer Aufwand nötig:
- Für einen konstanten Dampfdruck von mindestens zehn Bar mussten ehrenamtliche Kohlentrimmer vor den zwei Feuerluken der 540-PS-Dreifach-Expansions-Dampfmaschine ununterbrochen Kohle schaufeln
- Der Kohleverbrauch betrug 500 bis 600 Kilogramm Steinkohle pro Stunde, insgesamt etwa 5,5 Tonnen für die Fahrt nach Wismar
- Im sogenannten „Heldenkeller“ vor den Feuerluken herrschten bei Kohlenstaub Temperaturen von 45 bis 50 Grad Celsius
Das Ankerspill auf dem Vorschiff wird bis heute mit Dampf betrieben, und die nostalgische Kommandobrücke mit Ruderstand, Maschinentelegraf, Holzverkleidungen und Messingbeschlägen versetzt Besucher in eine vergangene maritime Ära.
Die Zukunft des maritimen Oldtimers
Der Slogan „Kohle für Kohle“ – Erlöse aus Gästefahrten für den Erhalt des Schiffes – hat für die „Bussard“-Freunde eine besondere symbolische Bedeutung. Doch genau diese Einnahmen fehlen jetzt während der Zwangspause.
Die ehrenamtlichen Enthusiasten hoffen auf Geld- und Sachspenden, damit dieser weltweit einzigartige maritime Oldtimer bald wieder unter Volldampf stehen kann. Bis dahin bleibt die Erinnerung an die beeindruckende Präsenz des historischen Dampfers bei maritimen Veranstaltungen wie dem Wismarer Hafenfest.



