Historischer Naturlehrpfad erhält geologische Attraktion
Ein fast fünf Jahrzehnte alter Naturlehrpfad aus DDR-Zeiten bei Klein Nemerow am Tollensesee erfährt eine bedeutende Wiederbelebung. Durch die Einrichtung eines Findlingsgartens in einer ehemaligen Kiesgrube erhält der Wanderweg eine neue, lehrreiche Dimension, die Besuchern die geologische Vergangenheit der Region näherbringt.
Ein Jahr Arbeit für den Findlingsgarten
Der Biologe Jürgen Langmann, ehemaliger Lehrer in Groß Nemerow und Friedland, hat gemeinsam mit interessierten Bürgern aus Groß Nemerow in den vergangenen zwölf Monaten intensiv an der Realisierung des Projekts gearbeitet. „Eine gute Findlingssammlung fehlte bisher in unserer Region“, erklärt Langmann. „Nun haben wir sie in einer ehemaligen Kiesgrube geschaffen, wo Wanderer und Naturinteressierte sie besichtigen können.“
Der Naturlehrpfad, der Teil des Wander- und Radrundwegs um den Tollensesee ist, erstreckt sich auf etwa drei Kilometern zwischen Nonnenhof und Klein Nemerow. Während der Sommermonate wird der Pfad laut Langmann „stark begangen“, was die Bedeutung dieser Aufwertung unterstreicht.
Millionen Jahre alte Steine erzählen Geschichte
Die im Findlingsgarten ausgestellten Steine sind teilweise mehrere Millionen Jahre alt und wurden während der Eiszeit durch natürliche Kräfte in die Region transportiert. Zu den Exponaten gehören:
- Ein Bornholm-Granit
- Verschiedene Sandsteine
- Feuersteine aus dem Ostseeraum
Die Bestimmung der Herkunft dieser Findlinge erwies sich als komplexe Aufgabe, bei der der Geowissenschaftliche Verein aus Neubrandenburg wertvolle Unterstützung leistete. „Die Transportleistung der Natur während der Eiszeit war unvorstellbar“, betont Langmann. „Mit dem Ende der Kaltzeit vor 11.700 Jahren wurde uns diese Landschaft hinterlassen, in der wir heute alle leben.“
Region mit reicher geologischer Tradition
Die Mecklenburgische Seenplatte verfügt über eine bemerkenswerte geologische Geschichte. Zu den prominentesten Findlingen der Region zählt der Große Stein aus Altentreptow, der laut Forschungen der Universität Greifswald vor etwa 1,5 Milliarden Jahren entstanden ist und während der jüngsten Kaltzeit vor Tausenden von Jahren an seinen heutigen Standort transportiert wurde.
Der neu geschaffene Findlingsgarten ist vom Naturlehrpfad aus gut sichtbar und wird durch eine informative Tafel ergänzt, die Besuchern Details zu den verschiedenen Gesteinsarten und ihrer Entstehungsgeschichte vermittelt. Langmann hofft, dass dieser zusätzliche Anziehungspunkt dazu beiträgt, das Interesse an der regionalen Natur- und Erdgeschichte zu vertiefen.



