Karnevalstraditionen in MV: Narren feiern seit fast einem Jahrhundert
Karnevalstraditionen in MV seit fast 100 Jahren

Karnevalstraditionen mit langer Geschichte in Mecklenburg-Vorpommern

Die Karnevalssaison erreicht ihren Höhepunkt und wer heute ausgelassen feiert, tut dies oft im Rahmen jahrzehntealter Traditionen. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es Faschingsvereine, deren Geschichte bald ein Jahrhundert zurückreicht und die die fünfte Jahreszeit im Nordosten Deutschlands fest verankert haben.

Die ältesten Karnevalsvereine des Landes

In Raden bei Lalendorf sind die Narren bereits seit 1931 aktiv. Damit ist der Radener Carnevalclub (RCC) stolze 95 Jahre alt und nach Angaben des Karneval-Landesverbandes MV der älteste Karnevalsverein Mecklenburgs. Gegründet wurde er von Zuzüglern aus dem Rheinland, die ihre Traditionen mit in den Nordosten brachten.

Dass Neuankömmlinge den Faschingsbrauch ab den 1950er-Jahren etablierten, trifft auf viele Orte zu. Die Gründungsdaten variieren dabei erheblich. Seit 1967 existiert beispielsweise der KC Tollensia in Neubrandenburg. Dessen Elferrat kam auf kurios-pragmatische Weise zustande: Die Fußballmannschaft der BSG Medizin Neubrandenburg wurde kurzerhand dazu auserkoren.

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Vielfältige närrische Aktivitäten in der Region

In der Wustrower Gaststätte „Waldlust“ geht es alljährlich hoch her für den WCV, der 1970 gegründet wurde und zu DDR-Zeiten weit über die Kreisgrenzen hinaus bekannt war. Die Karten für die Faschingsfeiern im Waldlust-Saal waren stets heiß begehrt.

Der Neukalener Carneval Club (NCC) besteht bereits seit 1958. In der fünften Jahreszeit verwandelt sich Neukalen in „Neukaledonien“, wobei der Verein betont, mit der gleichnamigen Südseeinsel nicht verwandt zu sein. Vom 15. Februar an heißt es dort bei Malchin drei Tage lang „Karneval in Neukaledonien“ mit Umzug, Kinderfasching, Party und der traditionellen „Prinzenverbrennung“.

Weitere umtriebige Karnevalsvereine gibt es in Dargun, Gielow und Jördenstorf. Der Wildberger Carneval Club wurde 1956 gegründet und wird somit 80 Jahre alt. Ebenfalls seit 1956 regiert der CCW in der fünften Jahreszeit in Waren an der Müritz. Ein besonderes Jubiläum begeht auch der Krakower Karnevalsclub (KKC), der sein 70-jähriges Bestehen feiert.

Schwerin als Karnevalshochburg

In der Landeshauptstadt Schwerin geht es gleich mehrfach hoch her. Zu den aktiven Vereinen zählen die Karnevals-Gesellschaft Winden, die Schweriner Karnevalsgesellschaft Blau-Gelb, der Schweriner Karnevalsclub 79 sowie die Faschings-Narren Schwerin und die Dancekids & Co, die mit ihrem Schau- und Gardetanz zum Stadtsportbund gehören.

Die Schweriner Karnevalsgesellschaft Blau-Gelb besteht seit 1994 und ist bekannt für ihre jährliche Faschingsbahn durch Schwerin sowie ihre Präsenz bei Rosenmontags-Umzügen in der Innenstadt. Auch im Schweriner Umland sind einige Karnevalisten äußerst aktiv, wie der Sukower Carneval Club 1980 und der Banzkower Carnevalclub Grün-Gold, der zum Rosenmontagsball einlädt.

Traditionen in Vorpommern und Brandenburg

Auch in Vorpommern gibt es eine vielfältige und teilweise recht lange Karnevalstradition. Der Karnevalsverein Le-Ha in Leopoldshagen gilt wohl als der älteste am Stettiner Haff. Bereits 1967 wurde dort mit Prinzenpaar, Prinzengarde und Elferrat gefeiert.

Am mittleren Peene- und Tollensetal gilt der Karnevalsclub Görmin (KCG), gegründet 1972, als einer der ältesten. Seinen 50. Geburtstag feierte im vergangenen Jahr der Fröhliche Karneval Klub Spantekow (FKK). Zu den größten Karnevalsvereinen der Region gehört der Anklamer Carneval Club (ACC), der zwar erst 1983 gegründet wurde, an der Peene aber schon in den 1970er-Jahren zünftig gefeiert wurde.

Im Norden Brandenburgs hat der Karneval in Prenzlau eine viel längere Tradition als der heutige Verein PCC, der 1979 gegründet wurde. Bereits Mitte der 1950er-Jahre gab es große Karnevalsfeiern in der Stadt, die Anfang der 1960er-Jahre durch die Verwaltung verboten wurden.

Sein 40-jähriges Bestehen feiert der Karnevals-Club Blau-Weiß Milmersdorf. Der Verein betont jedoch: „Richtig gefeiert werden nur die närrischen Jubiläen.“ Also die Jahre, die durch elf teilbar sind – das nächste wäre die Nummer 44.

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Historische Wurzeln und große Umzüge

In der Prignitz gilt der Lenzener Carnevals-Club Blau-Weiß (LCC) als ältester Karnevalsverein der Region. Gefeiert wird seit 1948, doch die Bräuche seien in Lenzen „schon seit Jahrhunderten beheimatet“. Bei Restaurierungsarbeiten in der Kirche im Jahre 2007 fand man die Darstellung einer Narrenkappe aus dem Jahre 1476.

Viele andere Vereine in der Prignitz wurden erst in den 1960er- oder 1980er-Jahren gegründet. Die Lenzener laden am 15. Februar zum Straßenkarneval in Dömitz ein und feiern am 16. Februar den Rosenmontag im Hotel Schützenhaus.

Als mindestens „einer der größten Karnevalsumzüge Ostdeutschlands“ rühmt sich jener in Cottbus. Mehr als 3000 Närrinnen und Narren zogen beim „Zug der fröhlichen Leute“ am 8. Februar durch die Stadt, der vom rbb live übertragen wurde. Der Umzug findet traditionell am Sonntag vor Rosenmontag statt, wurde dieses Jahr jedoch um eine Woche vorverlegt, um nicht mit dem Gedenktag zu den Bombenangriffen auf die Stadt im Zweiten Weltkrieg zusammenzufallen.