Kegelrobben als größte Bedrohung für die Ostsee-Fischerei
Die Fischer an der deutschen Ostseeküste stehen vor einer existenziellen Krise. Während sie bereits mit strengen EU-Fangquoten und schwindenden Fischbeständen zu kämpfen haben, stellt sich ein weiterer Feind als besonders bedrohlich heraus: die Kegelrobbe. Dies zeigt die aktuelle ARD-Dokumentation "Ostsee am Limit - Perspektivwechsel mit Benno Fürmann", die tiefe Einblicke in den Alltag der Fischer gewährt.
Ein Meer am Rande seiner Belastbarkeit
Schauspieler und Ostseeliebhaber Benno Fürmann begibt sich in dem Film auf eine Reise entlang der Küste Mecklenburg-Vorpommerns. "Die Ostsee ist für viele von uns ein lieb gewordener Urlaubsort, für viele aber auch ein Arbeitsplatz", erklärt Fürmann zu Beginn der Dokumentation. "Und wenn es der Ostsee schlecht geht, hat das unmittelbare Auswirkungen auf den Menschen." Die Probleme sind vielfältig: Überfischung, Erwärmung des Wassers und Verschmutzung setzen dem Binnenmeer stark zu.
Fürmann betont, dass sich die Ostsee seit seiner Kindheit dramatisch verändert habe. Kaum ein anderes Meer wird so intensiv genutzt und befahren wie die Ostsee, gleichzeitig erwärmt es sich kontinuierlich weiter. Diese Kombination aus menschlicher Nutzung und klimatischen Veränderungen bringt das Ökosystem an seine Grenzen.
Die doppelte Bedrohung für die Fischer
In der Dokumentation trifft Fürmann auf Mathias Labahn, einen der letzten aktiven Fischer aus Freest im Landkreis Vorpommern-Greifswald. Labahn schildert die prekäre Situation: "Wir dürfen nur wenig Dorsch und Hering fangen, weil die Bestände so eingebrochen sind." Die EU-Fangquoten wurden aufgrund der zurückgehenden Populationen kontinuierlich gesenkt, was viele Fischer an den Rand ihrer Existenz bringt.
Doch die größte unmittelbare Bedrohung kommt aus dem Wasser selbst. Kegelrobben haben sich zu ernstzunehmenden Konkurrenten der Fischer entwickelt. Labahn erklärt: "Sie fressen uns die Fische aus den Netzen oder beißen sie an, sodass sie für den Verkauf unbrauchbar werden." Manchmal verscheuchen die Robben die Fischschwärme einfach, bevor die Fischer überhaupt ihre Netze auswerfen können.
Die Rückkehr der Robben und innovative Lösungsansätze
Meeresbiologin Antje Boetius erläutert in der Dokumentation, wie die Kegelrobbe nach Deutschland zurückkehrte. Nachdem sie lange Zeit fast verschwunden war, haben sich die Bestände in den letzten Jahren erholt – was zwar ökologisch positiv zu bewerten ist, aber neue Konflikte mit der Fischerei schafft.
Fürmann besucht die kleine Insel Greifswalder Oie, wo er Robben in ihrem natürlichen Lebensraum beobachten kann. Anschließend trifft er Fantechniker Thomas Noack und Fischer Henry Diedrich, die gemeinsam an einer innovativen Lösung arbeiten. Sie entwickeln eine neue Reuse, die verhindern soll, dass Robben den Fang fressen. Gleichzeitig soll diese Technik verhindern, dass sich die Robben und andere Meeresbewohner in den Netzen verfangen und sterben.
Ein Blick in die Zukunft der Ostsee-Fischerei
Die Dokumentation zeigt auch, wie Fürmann und Boetius zu neu angelegten Seegraswiesen am Falkensteiner Strand in Kiel tauchen. Diese Maßnahmen sollen dazu beitragen, das marine Ökosystem zu stabilisieren und Lebensräume für Fische zu schaffen.
Die Situation der Ostsee-Fischer bleibt dennoch angespannt. Sie müssen sich nicht nur mit bürokratischen Hürden und schwindenden Beständen auseinandersetzen, sondern auch mit der natürlichen Konkurrenz durch die Kegelrobben. Die ARD-Dokumentation macht deutlich, dass nachhaltige Lösungen dringend benötigt werden, um sowohl die Fischerei als auch das marine Ökosystem der Ostsee langfristig zu erhalten.
Der Film "Ostsee am Limit - Perspektivwechsel mit Benno Fürmann" ist in der ARD Mediathek verfügbar und bietet einen umfassenden Einblick in die komplexen Herausforderungen, vor denen die Ostsee und ihre Bewohner stehen.



