Letzte Backstube Teterows kämpft ums Überleben: Bäckermeister Jaretzke hält trotz Krise die Tradition aufrecht
Letzte Backstube Teterows kämpft ums Überleben

Letzte Backstube Teterows kämpft ums Überleben: Bäckermeister Jaretzke hält trotz Krise die Tradition aufrecht

In der beschaulichen Bergringstadt Teterow atmet ein Büro trotz moderner Einrichtung die Geschichte eines traditionsreichen Familienunternehmens. An der Wand hängen drei handwerklich wertvolle Urkunden, ausgestellt auf die Namen Fritz, Martin und Olaf Jaretzke. Sie dokumentieren drei Generationen von Bäckermeistern, die seit 1953 das Handwerk in der Region prägen.

Vom florierenden Handwerk zur letzten Backstube

Olaf Jaretzke führt seit über zwei Jahrzehnten den von seinem Großvater gegründeten Betrieb, der mittlerweile zu den ältesten Handwerksbetrieben Teterows zählt. Doch die Zeiten haben sich dramatisch verändert. Während Anfang der 1990er Jahre noch zehn privat geführte Backstuben die Stadt mit frischen Backwaren versorgten, ist heute nur noch Jaretzkes Bäckerei übrig geblieben. Mit seinen 30 Mitarbeitern erlebt der 59-jährige Meister eine äußerst herausfordernde Phase.

„Wenn man seinen Beruf nicht mehr mit Freude und Optimismus ausübt, dann sollte man es besser sein lassen“, lautet die Maxime des erfahrenen Handwerkers. Doch dieser Optimismus wird täglich auf eine harte Probe gestellt.

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Explodierende Kosten setzen das Handwerk unter Druck

Die größten Herausforderungen für Jaretzkes Betrieb und die gesamte deutsche Wirtschaft sind die exorbitant gestiegenen Preise für Strom und Gas. Diese Entwicklung setzt eine gefährliche Kostenspirale in Gang, die sich in allen Bereichen des Betriebs bemerkbar macht.

Der Bäckermeister verdeutlicht das Problem an einem einfachen Beispiel: „2,5 Kilo Dunstsauerkirschen haben vor vier, fünf Jahren noch sieben Euro gekostet. Mittlerweile sind dafür zwanzig Euro auf den Tisch zu legen“, erklärt er. Solche Preissteigerungen könne man nur bedingt an die Kundschaft weitergeben, ohne diese zu verlieren.

Um dennoch wirtschaftlich solide zu arbeiten, hat Jaretzke seine Produktionsprozesse optimiert. Die Menge der hergestellten Backwaren wird genau kalkuliert, um möglichst wenig Überschuss zu produzieren und den Großteil der Waren tatsächlich über den Ladentisch zu bringen.

Weiche Standortfaktoren als Überlebenshilfe

Neben den direkten Betriebskosten sieht Jaretzke auch Verbesserungspotenzial bei den sogenannten weichen Standortfaktoren in Teterow. Der Bäckermeister wünscht sich nicht nur kostenfreie, sondern vor allem zeitlich unbegrenzte Parkplätze in der Innenstadt. Darüber hinaus müsse die City insgesamt kundenfreundlicher und einladender gestaltet werden.

„Was fehlt, sind Bänke, Blumen und mehr Grün“, meint Jaretzke. Als positives Beispiel führt er die Nachbarstadt Malchin an, wo seine Bäckerei seit vielen Jahren eine Filiale am Marktplatz betreibt und von einer besser gestalteten Innenstadt profitiert.

Lichtblicke und Zukunftsperspektiven

Trotz aller Herausforderungen vergisst Jaretzke nicht, die positiven Entwicklungen in Teterow zu würdigen. Veranstaltungen wie das Adventsleuchten und ‚Teterow offen‘ seien gute Impulse für das Geschäft und die Innenstadt insgesamt. Der Bäckermeister kann sich sogar vorstellen, dass die Stadt in der Sommerzeit eine zusätzliche Festivität vertragen könnte.

„Das wäre doch schon mal ein Projekt für den neuen Bürgermeister“, stellt sich Jaretzke vor. Solche Initiativen könnten nicht nur seinem Betrieb, sondern der gesamten lokalen Wirtschaft neuen Schwung verleihen.

Während landesweit fast im Wochentakt Bäckereien ihre Türen schließen müssen, hält Olaf Jaretzke an der Tradition seiner Familie fest. Sein Optimismus und seine Handwerkskunst bleiben die wichtigsten Zutaten im Kampf um das Überleben der letzten Backstube Teterows.

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