Mecklenburg-Vorpommern: Barrierefreies Bauen und Wohnen bleibt große Herausforderung
MV: Barrierefreies Bauen und Wohnen als Herausforderung

Barrierefreies Wohnen in Mecklenburg-Vorpommern: Eine ungelöste Mammutaufgabe

Während energetische Sanierung und moderne Heiztechnologien im Fokus vieler Bauvorhaben stehen, bleibt ein anderes Thema in Mecklenburg-Vorpommern deutlich unterbelichtet: das barrierefreie Bauen und Wohnen. Die Frage, ob Menschen mit Mobilitätseinschränkungen oder im fortgeschrittenen Alter in ihren eigenen vier Wänden bleiben können, wird im Nordosten Deutschlands noch nicht ausreichend beantwortet.

Erster Fachtag bringt Experten zusammen

In Parchim fand jetzt der erste Fachtag Wohnraumanpassung unter dem Motto „Zukunft Zuhause“ statt. Organisiert von der Landesfachstelle für Wohn- und Digitalisierungsberatung Mecklenburg-Vorpommern, trafen sich erstmals Fachleute aus Beratung, Pflege, Medizin und Kommunalverwaltungen. Sozialministerin Stefanie Drese betonte zum Auftakt der Veranstaltung: „Die seit 2024 bestehende Landesfachstelle soll insbesondere älteren Menschen, Menschen mit Beeinträchtigungen sowie Personen mit pflegerischem Bedarf im Alltag unterstützen und so ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen.“

Das erklärte Ziel ist der Aufbau einer landesweit leicht zugänglichen, qualitativ hochwertigen und zukunftsfähigen Beratungsstruktur im Bereich des barrierefreien Bauens und Wohnens. Die Wohnberatung analysiert dabei:

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  • Den individuellen Hilfebedarf
  • Berät zu Möglichkeiten der Wohnraumanpassung
  • Unterstützt bei der Finanzierung und Antragstellung
  • Vermittelt passende Kontakte zu Fachfirmen

Demografischer Wandel verschärft die Situation

Die Dringlichkeit dieser Aufgabe wird durch die demografische Entwicklung in Mecklenburg-Vorpommern noch verstärkt. Antje Bernier, Honorarprofessorin für „Barrierefreies Planen und Bauen“ in Wismar, lieferte alarmierende Zahlen: Bis zum Jahr 2040 wird der Bedarf an barrierefreien Wohnungen auf etwa 3,3 Millionen steigen.

Das eigene Zuhause bietet zwar Lebensqualität, stellt aber gleichzeitig zahlreiche Hürden dar. Fallstricke wie in die falsche Richtung öffnende Türen, zu hohe Schwellen oder zu tiefe Badewannen sind in vielen Gebäuden noch immer Standard. Landrat Stefan Sternberg vom Landkreis Ludwigslust-Parchim räumte ein: „In den 90er Jahren wurden viele Fehler im öffentlichen Wohnungsbau gemacht.“

Förderprogramme nur ein erster Schritt

Mecklenburg-Vorpommern hat in seiner Bauordnung bisher nur minimale Vorgaben zur Barrierefreiheit verankert. Erst kürzlich informierte das Bauministerium, dass das Landesförderinstitut wieder Anträge für das „Landesprogramm zur Reduzierung von Barrieren im Wohnungsbestand“ annimmt. Für dieses Jahr stehen zwei Millionen Euro zur Verfügung, mit denen barrierereduzierende Anpassungen in selbstgenutztem Wohneigentum oder in Miet- und Genossenschaftswohnungen gefördert werden können.

Experten sind sich jedoch einig, dass diese Summe bei weitem nicht ausreicht. Während Solaranlagen und Wärmepumpen mittlerweile Standardüberlegungen beim Bau darstellen, steht die Baubranche auch bei der Barrierefreiheit vor einer enormen Herausforderung. Es geht dabei um grundlegende Aspekte wie:

  1. Ausreichend breite Türen für Rollstühle und Rollatoren
  2. Stufenfreie Zugänge zu Gebäuden
  3. Barrierefreie Badezimmer und Küchen
  4. Sichere Außenbereiche ohne Stolperfallen

Die Veranstaltung in Parchim machte deutlich, dass in Mecklenburg-Vorpommern noch ein langer Weg vor der Bauwirtschaft und der Politik liegt, um allen Bürgerinnen und Bürgern ein selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen – unabhängig von Alter oder körperlichen Einschränkungen.

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