Nahverkehrstarifstreit in MV: Arbeitgeber machen erste Zugeständnisse
Im anhaltenden Tarifkonflikt um bessere Arbeitsbedingungen im kommunalen Nahverkehr Mecklenburg-Vorpommerns haben die Arbeitgeber in der vierten Verhandlungsrunde erstmals konkrete Zugeständnisse gemacht. Der Kommunale Arbeitgeberverband Mecklenburg-Vorpommern (KAV) legte ein Angebot vor, das höhere Jahressonderzahlungen, neue Zuschläge und betriebliche Regelungen für die etwa 3200 Beschäftigten in den Nahverkehrsbetrieben des Bundeslandes vorsieht.
Angebot mit höheren Sonderzahlungen und Zuschlägen
Das Arbeitgeberangebot sieht vor, die Jahressonderzahlungen für die Nahverkehrsbeschäftigten auf bis zu 100 Prozent zu erhöhen. Zusätzlich werden Zuschläge auf einer neuen Bemessungsgrundlage sowie spezielle Fahrdienstzulagen angeboten. Carola Freier, Verhandlungsführerin des KAV, betonte die Bedeutung der Beschäftigten für einen funktionierenden öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV): „Mit dem unterbreiteten Angebot zur Jahressonderzahlung und zur neuen Einspringprämie würdigen die Arbeitgeber erneut die tagtägliche Arbeit und Leistung der Beschäftigten.“
Die Unternehmen sollen darüber hinaus die Möglichkeit erhalten, ergänzende betriebliche Regelungen entsprechend ihrer individuellen Situation zu vereinbaren. Weitreichendere Forderungen der Gewerkschaften lehnten die Arbeitgeber jedoch weiterhin als „nicht finanzierbar“ ab.
Gewerkschaft bleibt zurückhaltend und fordert kürzere Arbeitszeiten
Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi reagierte auf das Arbeitgeberangebot mit deutlicher Zurückhaltung. Sascha Bähring, Verhandlungsführer von Verdi, bezeichnete das Angebot lediglich als ersten Schritt. „Bei der entscheidenden Forderung nach kürzeren Arbeitszeiten haben sie sich allerdings nicht bewegt“, kritisierte Bähring.
Die Gewerkschaft fordert eine Reduzierung der Wochenarbeitszeit von 39 auf 35 Stunden bei vollem Lohnausgleich. Alternativ soll ein Wahlmodell für 39 Stunden bei freiwilliger Zustimmung der Beschäftigten eingeführt werden. Weitere Forderungen umfassen:
- Erhöhung der Jahresleistung von 80 auf 100 Prozent
- Ausweitung der Nachtschichtzuschläge von 22 bis 5 Uhr auf 20 bis 6 Uhr
- Verbesserung der Arbeitsbedingungen zur Attraktivitätssteigerung des Busfahrerberufs
Weitere Streiks nicht ausgeschlossen
Verdi will weiterhin auf eine Lösung am Verhandlungstisch hinarbeiten, schließt jedoch weitere Arbeitskampfmaßnahmen nicht aus. „Es ist alles möglich“, so Bähring zur Frage möglicher Streiks. Die Gewerkschaft will mit den Beschäftigten das weitere Vorgehen abstimmen.
Bereits in den vergangenen Monaten hatten Warnstreiks der Busfahrer den Schüler- und Pendlerverkehr in vielen Teilen Mecklenburg-Vorpommerns teilweise komplett lahmgelegt. Auch im vergangenen Jahr übten die Beschäftigten mit tagelangen Arbeitsniederlegungen Druck auf die Tarifverhandlungen aus.
Die aktuellen Manteltarifverhandlungen finden vor dem Hintergrund früherer Einigungen statt: Im vergangenen Jahr hatten sich Arbeitgeber und Gewerkschaften auf Lohnerhöhungen von jeweils 2,5 Prozent (mindestens 120 Euro) rückwirkend zum 1. Januar 2025 sowie für 2026 und 2027 geeinigt. Nun geht es primär um strukturelle Verbesserungen der Arbeitsbedingungen im nordostdeutschen Nahverkehr.



