Polizei in Mecklenburg-Vorpommern am Limit: Ministerium ohne Überblick über Überlastung
Polizei in MV am Limit: Ministerium ohne Überblick

Polizei in Mecklenburg-Vorpommern am Limit: Ministerium ohne Überblick über Überlastung

Die Frustration bei der Polizei in Mecklenburg-Vorpommern eskaliert zunehmend. Immer mehr Beamte berichten von massiver Überlastung im Dienst, doch ausgerechnet das zuständige Innenministerium zeigt sich ahnungslos. Für die Gewerkschaft der Polizei (GdP) ist dies ein skandalöser Zustand, den sie als „Blindflug“ bezeichnet.

Skandalöser Offenbarungseid des Ministeriums

GdP-Landeschef Christian Schumacher spricht von einem „skandalösen Offenbarungseid“ des Innenministeriums unter Minister Christian Pegel (SPD). Anlass ist eine Anfrage der CDU-Landtagsabgeordneten Ann Christin von Allwörden, die wissen wollte, wie viele Überlastungsanzeigen in den Polizeidienststellen von 2021 bis 2025 erfasst wurden. Die Antwort des Ministeriums: Eine solche Übersicht existiere nicht.

Schumacher ist empört über diese Enthüllung. „Das Ministerium hat und will wohl keinen Überblick darüber, wo und warum Kolleginnen und Kollegen unter der Last zusammenbrechen“, kritisiert er. „Wer keine Daten erhebt, will das Problem schlichtweg nicht sehen und lässt die Dienststellen im statistischen Blindflug allein.“

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Chronische Überlastung mit konkreten Folgen

Besonders erregt den GdP-Chef, dass das Ministerium die Arbeitsbelastung primär als „subjektives Empfinden“ einstuft. Doch die Realität sieht anders aus: Beispielsweise liegt der Krankenstand bei der Kripo im Polizeipräsidium Neubrandenburg im Durchschnitt bei 30 Tagen pro Jahr. Das sind etwa 50 Prozent mehr Krankentage als bei Beschäftigten bundesweit.

„30 Tage Krankheit im Schnitt sind das Resultat einer chronisch überlasteten Struktur“, betont Schumacher. Die Einschätzung des Ministeriums sei „ein Schlag ins Gesicht für jeden, der trotz Krankheit versucht, den Laden am Laufen zu halten“.

Konkrete Fälle und Forderungen der Gewerkschaft

Die GdP verweist auf alarmierende Einzelfälle, die die Überlastung verdeutlichen:

  • In Greifswald verschleppte ein Polizist über 50 Ermittlungsverfahren, was zu einer hohen Geldstrafe durch das Amtsgericht führte.
  • Das Ministerium listet in einer nachträglich erstellten Tabelle lediglich einige Fälle auf, ohne systematische Erfassung.

Schumacher fordert daher dringende Maßnahmen:

  1. Das Land muss unverzüglich eine Dienstvorschrift erlassen, um Überlastungsanzeigen von Beamten verbindlich zu erfassen.
  2. Eine transparente Datenerhebung ist notwendig, um die Probleme strukturell anzugehen.
  3. Die Polizei braucht mehr Personal und bessere Arbeitsbedingungen, um die Sicherheit in Mecklenburg-Vorpommern zu gewährleisten.

Die Situation zeigt, dass die Polizei in MV an ihren Grenzen arbeitet, während das Ministerium ohne klaren Überblick agiert. Die Gewerkschaft warnt vor weiteren Folgen, wenn nicht schnell gehandelt wird.

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