Rostocks Ex-OB Roland Methling: Ein Ruhestand voller Engagement für die Stadt
Rostocks Ex-OB Methling: Ruhestand in Unruhe

Rostocks früherer Oberbürgermeister: Ein Leben nach der Politik

Schlagzeilen, Scheinwerferlicht und plötzlich ist alles vorbei. Doch für Roland Methling, den langjährigen Oberbürgermeister von Rostock, bedeutet das Ende der politischen Karriere keineswegs den Rückzug aus dem öffentlichen Leben. Fast sieben Jahre nach dem Abschied aus dem Amt, das er insgesamt 14 Jahre innehatte, verbringt der 71-Jährige einen „Ruhestand in Unruhe“, wie er selbst betont.

Landesgeschichte und maritime Tradition im Fokus

Methling verfolgt weiterhin täglich, was in der Hansestadt und der Region geschieht – und auch das, „was nicht geschieht“. Ohne sich darüber aufzuregen, denn „das ist nun mal so“, lautet ein von seiner Ehefrau geprägter Wahlspruch, den der parteilose Politiker verinnerlicht hat.

Aktiv gestaltet er weiterhin das kulturelle Leben Rostocks: Als Vorsitzender des Freundeskreises für das Archäologische Landesmuseum treibt Methling die Sichtbarkeit der Landesgeschichte im Ostseeraum voran und setzt sich für einen Standort im zentralen Stadthafenbereich ein. „Die Unterstützung von Land und Stadt ist aber noch ausbaufähig“, merkt er kritisch an. Der studierte Diplomingenieur sucht gezielt Verbündete in Kultur, Wissenschaft und Zivilgesellschaft.

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Maritime Identität und ein besonderer Kran

Parallel dazu engagiert sich Methling seit fast 30 Jahren als ehrenamtlicher Vorsitzender im Förderverein Tradition Ostseeschifffahrt, wo er maritime Akteure vernetzt. „Mir ist es wichtig, die Geschichte der Seefahrt in die Gegenwart zu holen“, erklärt er sein Engagement.

Ein besonderer Ort ist dabei der restaurierte und denkmalgeschützte Hellingkran beim Werftdreieck, der mithilfe von Förderern bewahrt wurde. Hier treffen sich die Vereinsmitglieder regelmäßig, um über die Zukunft der Stadt, Kulturprojekte und maritime Identität zu sprechen. Sogar Hochzeiten finden auf dem Kran statt – „18 Hochzeiten sind für dieses Jahr bereits geplant. Das genügt jetzt erst mal für 2026“, so Methling.

Ein besonderes Ereignis steht am 24. Juni an: „Es ist der 50. Geburtstag des Krans und der Tag, an dem Rostock 808 Jahre alt wird. Deshalb werden wir hier ein kleines maritimes Fest veranstalten.“

Rückblick auf die Amtszeit: Erfolge und Versäumnisse

Vielen Rostockern ist Methling als „Mann der schwarzen Null“ in Erinnerung geblieben. Bei seinem Amtsantritt hatte die Stadt rund 200 Millionen Euro Schulden. Bereits 2008 gelang unter seiner Führung die Rückkehr zu ausgeglichenen Haushalten, bis 2018 wurden Altschulden abgebaut. Parallel wurden zahlreiche Infrastrukturprojekte realisiert:

  • Straßensanierungen
  • Bau und Erneuerung von Schulen und Kitas
  • Ausbau der Sportinfrastruktur
  • Einführung des städtisch finanzierten Modells „Stadttrainer“

Als Versäumnis benennt Methling die nicht erfolgte kommunale Übernahme des Warnowtunnels. „Eine Übernahme ist damals am kommunalen Rechtsrahmen und an der Haushaltslage gescheitert“, blickt er zurück.

Freundschaft als ethisches Prinzip

Während Methlings Blick über den Stadthafen schweift, kommt er auf die enge Verbindung Rostocks zur deutschen Marine zu sprechen. „Die internationale Kooperation der Hafen- und Marinemetropolen war mir stets wichtig“, betont er. Die fragile Weltlage seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine habe daran nichts geändert – im Gegenteil.

Sein Leitmotiv findet sich in einer Ringskulptur am Eingang zum Hellingkran: „Venskab: Innige Verbindungen zwischen Menschen, Städten und Ländern sollen unlösbar sein“. Venskab ist das dänische Wort für Freundschaft – eine Idee, die Methling nach der politischen Karriere als Museumsfreund und maritimer Netzwerker weiterlebt.

Die Übergabe an seinen Nachfolger Claus Ruhe Madsen verlief anders als erwartet. Sieben Schwerpunkt-Projekte wollte Methling überreichen – von laufenden Bauvorhaben über die BUGA-Vorbereitung bis zur geplanten Übernahme der Wasserflächen im Stadthafen. „Eine ausführliche Übergabe hat letztlich aber nicht stattgefunden“, sagt er ohne Verbitterung, aber mit der klaren Erkenntnis, dass er sich den Generationswechsel anders vorgestellt hätte.

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Doch das ist nun mal so. Und Roland Methling bleibt – mit guter Aussicht auf die Stadt – weiter engagiert für Rostock.