Schmutziger Wahlkampf in MV: SPD-Generalsekretär Barlen wehrt sich gegen Angriffe auf Schwesig-Sprecherin
Schmutziger Wahlkampf in MV: Barlen wehrt sich gegen Angriffe

Schmutziger Wahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern entbrannt

Aus einem anfänglichen Wirbel entwickelt sich zusehends ein politischer Sturm in Mecklenburg-Vorpommern. An der Personalie von Lilly Blaudszun, der Sprecherin von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig, entzündet sich eine Debatte, die deutlich unter die Gürtellinie gehen könnte. Obwohl die Landtagswahl erst am 20. September 2026 stattfindet, laufen die konkurrierenden Parteien bereits im eiskalten Februar heiß.

Die umstrittene Personalie Lilly Blaudszun

Als Brandbeschleuniger für die derzeitige hitzige Auseinandersetzung gilt die Entscheidung der SPD-geführten Landesregierung und des SPD-Landesverbandes Mecklenburg-Vorpommern. Die 24-jährige Social-Media-Spezialistin Blaudszun wurde als „Leiterin Kommunikation“ für Ministerpräsidentin und SPD-Landeschefin Manuela Schwesig eingesetzt.

Das Brisante an dieser Personalie: Lilly Blaudszun hat neben ihrer Tätigkeit für die MV-SPD einen zweiten Arbeitgeber – die Kommunikationsagentur 365 Sherpas. Diese Verbindung führt zu massiven Vorwürfen möglicher Interessenkollisionen. Denn die Agentur hat in der Vergangenheit bereits für die Staatskanzlei gearbeitet.

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Finanzielle Verbindungen und Vorwürfe

Nach Angaben eines Regierungssprechers flossen in den Jahren 2022 bis 2025 Zahlungen in Höhe von knapp 60.000 Euro an die Agentur 365 Sherpas. Diese sollte die Staatskanzlei bei der Öffentlichkeitsarbeit rund um zwei sensible Themen unterstützen:

  • Den Untersuchungsausschuss des Landtags zur Klimaschutzstiftung MV
  • Die Nord-Stream 2-Erdgasleitung

Ein weiterer Punkt stößt Opposition und Steuerzahlerbund sauer auf: Der Auftrag für den Relaunch des Online-Regierungsportals in Höhe von über 330.000 Euro ging an die Firma Ressourcenmangel Integral GmbH. Beide Unternehmen – 365 Sherpas und Ressourcenmangel – gehören zur Hirschen Group, was zusätzliche potenzielle Angriffsfläche in einem ohnehin schon aufgeheizten Wahlkampfjahr bietet.

SPD-Generalsekretär Barlen kontert scharf

Am Wochenende wehrte sich SPD-Fraktionschef und Generalsekretär Julian Barlen entschieden gegen die seit Tagen erhobenen Vorwürfe. „Die SPD hat bei der Landtagswahl 2026 ein klares Ziel. Wir wollen mit Manuela Schwesig an der Spitze wieder stärkste Kraft werden“, betonte der SPD-Politiker.

Barlen erklärte weiter: „Dafür stellen wir uns professionell auf. Deshalb haben wir Lilly Blaudszun zeitlich befristet für die Kommunikation der Partei eingestellt. Die Attacken von Union und AfD auf Frau Schwesig und Frau Blaudszun zeigen, was wir in den kommenden Monaten von diesen beiden Parteien zu erwarten haben: Einen Schmutz-Wahlkampf, in dem mit Unterstellungen und falschen Behauptungen gearbeitet wird.“

Kleine Anfrage der CDU-Fraktion

Die CDU-Landtagsabgeordnete Ann-Christin von Allwörden hat eine Kleine parlamentarische Anfrage eingereicht, in der sie detaillierte Informationen zu folgenden Punkten fordert:

  1. War bzw. ist Lilly Blaudszun als Mitarbeiterin oder im Auftrag der 365 Sherpas GmbH für die Landesregierung tätig?
  2. War bzw. ist Lilly Blaudszun selbstständig oder ehrenamtlich für die Landesregierung tätig?
  3. Hat die Landesregierung vor Auftragserteilung an 365 Sherpas geprüft, ob Interessenkollisionen bestehen?
  4. Durch welche Maßnahmen wird die Trennung zwischen Parteiarbeit und Regierungshandeln gewährleistet?

Barlens scharfe Replik

Barlen konterte die Kritik von AfD und CDU mit deutlichen Worten: „Die beiden Parteien haben einen Untersuchungsausschuss beschlossen, der Millionen Steuergelder gekostet hat und bei dem rein gar nichts herausgekommen ist. Das jetzt so dreist zu drehen, ist wirklich absurd und entbehrt jeder Grundlage.“

Der SPD-Politiker betonte zudem, dass der Auftrag der Staatskanzlei an 365 Sherpas bereits vor zwei Jahren erfolgt sei – also bevor Lilly Blaudszun überhaupt bei der Agentur tätig geworden war. „Da kann es also keinen Zusammenhang geben. Frau Blaudszun hat weder etwas mit der Staatskanzlei zu tun, noch mit den dortigen Auftragsvergaben“, so Barlen wörtlich.

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Was den Relaunch der Regierungswebseite angeht, sieht die SPD ebenfalls keinen Interessenkonflikt. Das Unternehmen Ressourcenmangel habe einfach das wirtschaftlichste Angebot abgegeben, lautet der Tenor aus der Staatskanzlei.

Klarere Trennung durch eigene Sprecherin

Barlen wies darauf hin, dass die Ernennung einer eigenen Sprecherin für die Parteikommunikation sogar zur klaren Trennung von Regierungs- und Parteikommunikation beitrage. „Es geschieht also das genaue Gegenteil von dem, was Frau von Allwörden unterstellt“, ergänzte der SPD-Generalsekretär.

Die Debatte um Lilly Blaudszun zeigt bereits jetzt, wie erbittert und laut – nach Barlens Worten auch „schmutzig“ – der Landtagswahlkampf um Stimmen, Vorherrschaft und Deutungshoheit in Mecklenburg-Vorpommern werden wird. Mit sieben Monaten bis zum Wahlgang zeichnet sich ab, dass die politischen Auseinandersetzungen in den kommenden Monaten noch deutlich an Schärfe zunehmen werden.