Doppelrolle sorgt für anhaltende Unruhe im Wahljahr
Für Manuela Schwesig beginnt das Wahljahr 2026 mit einer unerwarteten Kontroverse, die ihre politischen Pläne überschattet. Im Zentrum der hitzigen Debatte steht ihre neu ernannte Sprecherin, die 24-jährige Lilly Blaudszun, die eigentlich die Kommunikation im SPD-Wahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern steuern sollte. Noch vor dem offiziellen Start ihrer Tätigkeit gerät Blaudszun jedoch wegen ihrer beruflichen Doppelrolle massiv in die Kritik.
Agenturverbindungen und Staatsaufträge
Blaudszun ist nicht nur für die SPD-Landeschefin tätig, sondern arbeitet parallel für die Kommunikationsagentur 365 Sherpas. Diese Verbindung erregt besonderes Aufsehen, weil genau diese Agentur in der Vergangenheit lukrative Aufträge von Schwesigs Staatskanzlei erhalten hat. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa flossen zwischen den Jahren 2022 und 2025 rund 60.000 Euro an das Unternehmen.
Der Auftrag umfasste die Unterstützung der Staatskanzlei bei der Öffentlichkeitsarbeit im Zusammenhang mit dem Untersuchungsausschuss des Landtags. Dieser befasste sich mit der umstrittenen Klimaschutzstiftung MV und der Gaspipeline Nord Stream 2. Ein Regierungssprecher betonte jedoch, dass die Vergabe vor Blaudszuns Tätigkeit erfolgt sei und somit kein direkter Zusammenhang bestehe.
Relaunch über Schwestergesellschaft
Interessant ist zudem ein weiterer Auftrag: Der Relaunch des Online-Regierungsportals ging nicht direkt an 365 Sherpas, sondern an die Firma Ressourcenmangel Integral GmbH. Beide Unternehmen gehören zur Hirschen Group, was die Situation zusätzlich verkompliziert. Der Regierungssprecher erklärte, die Konzernzugehörigkeit sei bei der Vergabe unerheblich gewesen, da der Auftrag europaweit ausgeschrieben worden sei und das Angebot sich als wirtschaftlichstes erwiesen habe.
Steuerzahlerbund wittert Grauzone
Der Bund der Steuerzahler zeigt sich von diesen Erklärungen wenig überzeugt. Landeschef Sascha Mummenhoff übte scharfe Kritik an der Situation. Er monierte, dass Blaudszun parallel für eine Unternehmensberatung arbeite, die von der Staatskanzlei »mit lukrativen Aufträgen« versorgt worden sei. Mummenhoff sieht darin eine klare Grauzone, die dringend aufgeklärt werden müsse.
»Diese Konstellation bewegt sich mindestens in einer Grauzone«, so der Steuerzahlerbund-Chef in seiner deutlichen Stellungnahme. Die Organisation fordert Transparenz und eine klare Trennung zwischen privaten Wirtschaftsinteressen und öffentlichen Ämtern.
Regierung weist Vorwürfe zurück
Regierungssprecher Andreas Timm reagierte umgehend auf die Vorwürfe und wies sie entschieden zurück. In einer scharfen Erklärung bezeichnete er die Kritik als »an den Haaren herbeigezogen«. Timm betonte, der Beratungsauftrag an 365 Sherpas sei klar definiert gewesen und zudem lange vor Blaudszuns Tätigkeit vergeben worden.
»Da kann es also keinen Zusammenhang geben«, so der Sprecher wörtlich. Er verwies zudem auf einen wichtigen organisatorischen Unterschied: Die Personalentscheidung für Blaudszun sei vom SPD-Landesverband und nicht von der Staatskanzlei getroffen worden. Dadurch seien Regierungs- und Parteikommunikation strikt voneinander getrennt.
Opposition fordert Konsequenzen
Die politische Opposition zeigt sich von diesen Erklärungen unbeeindruckt. Der AfD-Fraktionsvorsitzende im Landtag, Nikolaus Kramer, verlangte konkrete Maßnahmen von Ministerpräsidentin Schwesig. In einer deutlichen Forderung verlangte er, Blaudszun »aus dem Spiel zu nehmen« und für klare Verhältnisse zu sorgen.
Die Kontroverse trifft Schwesig zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Das Wahljahr hat gerade begonnen, und bereits jetzt wird die Glaubwürdigkeit ihrer Kommunikationsstrukturen in Frage gestellt. Die Debatte um die Doppelrolle ihrer Sprecherin könnte sich zu einem nachhaltigen Problem entwickeln, das die SPD im Nordosten Deutschlands in Erklärungsnot bringt.
Besonders brisant ist der zeitliche Zusammenhang mit den laufenden Untersuchungen zu Nord Stream 2 und der Klimaschutzstiftung. Die Tatsache, dass die betroffene Agentur genau zu diesen Themen für die Staatskanzlei gearbeitet hat, gibt der Opposition zusätzliches Argumentationsmaterial.
Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Erklärungen der Regierung ausreichen, um die aufgeworfenen Fragen zu beantworten. Sicher ist jedoch, dass die Personalie Blaudszun bereits jetzt zum Symbol für eine größere Debatte über Transparenz und Grenzen zwischen Politik und Wirtschaft geworden ist.



