Sexarbeit in Mecklenburg-Vorpommern: Eine einzige Anlaufstelle für das gesamte Bundesland
Sexarbeit existiert auch in Mecklenburg-Vorpommern, doch sie bleibt vielerorts unsichtbar und unzureichend unterstützt. Rostock zeigt mit der Beratungsstelle für Menschen in der Sexarbeit, kurz SeLA, wie Verantwortung aussehen könnte – allerdings ganz ohne finanzielle Hilfe von Bund und Land. Die entscheidende Frage lautet: Ist diese Situation gerecht oder handelt es sich um eine Form der Bigotterie?
Die strukturelle Lücke: SeLA als einzige spezialisierte Anlaufstelle
Landesweit gibt es in Mecklenburg-Vorpommern nur eine einzige spezialisierte Beratungsstelle für Sexarbeiter, und diese befindet sich in Rostock. Diese Einrichtung schließt eine bedeutende strukturelle Lücke, indem sie für die Menschen da ist, sie aktiv aufsucht, berät und begleitet. Die Mitarbeiter helfen bei Übersetzungen, klären Rechtsfragen und unterstützen bei Behördengängen. Doch ist diese essentielle Arbeit wirklich nur ein optionales „nice to have“ und sollte sie die freiwillige Aufgabe einer einzigen Kommune für das gesamte Bundesland sein?
Die Autorin Maria Häfer betont, dass dieses Fehlen weiterer Anlaufstellen Ausdruck eines strukturellen und menschlichen Desinteresses ist. Besonders kritisch sieht sie, dass SeLA ausschließlich von der Stadt Rostock finanziert wird, ohne jegliche Mittel vom Bund oder dem Land Mecklenburg-Vorpommern. Dies wirft die grundlegende Frage auf, wer tatsächlich die Verantwortung für den Schutz dieser Berufsgruppe trägt.
Das Prostituiertenschutzgesetz und seine praktische Umsetzung
Das Prostituiertenschutzgesetz schreibt zwar eine Registrierung, den sogenannten Huren-Ausweis und regelmäßige gesundheitliche Beratungen vor. In der Praxis hängt die Umsetzung jedoch historisch gewachsen an den Gesundheitsämtern, die oft mit viel administrativer Arbeit belastet sind, ohne sich konkret mit den individuellen Bedürfnissen der Sexarbeiter zu beschäftigen. Dabei sollte es eigentlich um mehr gehen als nur den gesundheitlichen Schutz – nämlich um umfassende Unterstützung und Entstigmatisierung.
Sexarbeiterinnen fordern gleiche Arbeitsrechte und weniger Stigma, wie Berichte aus Rostock zeigen. Hinter verschlossenen Türen arbeiten viele unter schwierigen Bedingungen, während die Gesellschaft sie oft vergisst. Engagierte Sozialarbeiter widmen sich zwar zusätzlich zu ihren regulären Aufgaben den Menschen in der Sexarbeit, sowohl auf dem Land als auch in den Städten, doch dies reicht bei weitem nicht aus.
Forderungen nach verlässlicher Finanzierung und besseren Daten
Um die Situation nachhaltig zu verbessern, braucht es eine verlässliche Finanzierung für Fachstellen wie SeLA durch Bund und Land. Zudem sind bessere Daten erforderlich, die über polizeiliche Erhebungen hinausgehen und ohne Abschreckungseffekte erhoben werden, um die Politik an Fakten ausrichten zu können. Der „älteste Beruf“ der Welt verdient mehr Aufmerksamkeit und Ressourcen.
Letztendlich bleibt die Kernaussage: Wer den Schutz von Sexarbeitern ernsthaft will, der muss diesen auch angemessen finanzieren. Alles andere ist bigott und ignoriert die menschlichen Schicksale hinter der Berufsbezeichnung. Die aktuelle Lage in Mecklenburg-Vorpommern zeigt deutlich, dass hier noch viel zu tun ist, um Gerechtigkeit und Unterstützung für eine oft marginalisierte Gruppe zu gewährleisten.



