Streugut-Krise in Neubrandenburg: Baumärkte kämpfen mit leeren Regalen
Ein ungewöhnliches Bild bietet sich derzeit in Neubrandenburg: In den Baumärkten der Stadt sind die Regale für Streugut nahezu leer. Splitt, Lava, Sand oder Salz – die begehrten Mittel gegen Glatteis sind zur Mangelware geworden. „Nein!“, lautet die fast einheitliche Antwort der Mitarbeiter in Bau- und Baustoffmärkten auf Nachfragen von besorgten Bürgern.
Lieferengpässe und leere Paletten dominieren das Bild
Bei Obi Nord ist lediglich noch vereinzelt Quarzsand verfügbar, wie eine Mitarbeiterin berichtet. Man warte auf die Lieferung einer Palette Spielsand, doch selbst dieser sei bei Ankunft innerhalb einer Stunde vergriffen. Obi Süd am Bethanien-Center hat gar keine Vorräte mehr, und auch in den kommenden Tagen seien keine Lieferungen geplant. Im B1-Baumarkt präsentieren sich leere Paletten, während man auf eine Lieferung in der nächsten Woche hofft.
Etwas besser sieht es im Hagebaumarkt aus, wo noch Splitt vorhanden ist und Ende der Woche zehn Paletten Streusand erwartet werden. Beim Baustoffhandel Raab Karcher herrscht dagegen akute Ebbe: Eine geplante Lieferung wurde aufgrund von Engpässen um vier Wochen verschoben. Bei Jakob Cement ist das letzte Streugut bereits in der vergangenen Woche verkauft worden, und eine neue Lieferung ist nicht absehbar.
Alternativen für Privatpersonen: Von Kieswerken bis Hausmitteln
Nach dem jüngsten Schneefall und anhaltendem Dauerfrost haben sich auf Gehwegen, Straßen und Parkplätzen dicke, rutschige Eisschichten gebildet. Das fehlende Streugut im Handel erschwert die Situation für viele Bürger. Doch es gibt Ausweichmöglichkeiten: Kleinere Baustoffhändler oder Kieswerke bieten Alternativen. Das Neubrandenburger Kieswerk in Carlshöhe verkauft beispielsweise Sand, Splitt oder Kies zum Streuen, aktuell zu den Öffnungszeiten von 8 bis 13 Uhr.
Für den kurzfristigen Privatgebrauch können auch Sägespäne, Katzenstreu oder Holzhackschnitzel verwendet werden. Diese Materialien sind leicht verfügbar, umweltfreundlich und sorgen für Griffigkeit auf Gehwegen. Allerdings fehlt ihnen die Tauwirkung, sodass bei starkem Frost regelmäßiges Nachstreuen oder Räumen notwendig ist. Der Einsatz von Streu-Asche ist in Neubrandenburg laut Straßenreinigungssatzung komplett verboten.
Städtischer Winterdienst gut ausgestattet, aber keine Abgabe an Bürger
Der städtische Winterdienst muss sich keine Sorgen um Streugut machen: In den Depots lagern laut Stadtauskunft noch tonnenweise Streugemische. Eine Abgabe an Einwohner ist jedoch nicht vorgesehen, selbst wenn der Mangel im Handel länger anhalten sollte. Auch auf dem Wertstoffhof in Neubrandenburg, betrieben von Remondis, ist kein Streusand erhältlich.
Bürgern wird empfohlen, sich vor einem Baumarktbesuch telefonisch über die Verfügbarkeit zu informieren. Produkte wie Streusalz sind zudem in den Onlineshops der Ketten bestellbar. Als letztes Hausmittel kann Gurkenwasser dienen, das in einem Pilotprojekt in Bayern erfolgreich als Taumittel getestet wurde. Trotz der Knappheit bleiben also verschiedene Wege, um die Glättegefahr in den Griff zu bekommen.



