Teilzeit-Boom in MV-Landesverwaltung: Jeder dritte Euro für Personal, Kritik an Stellenwachstum
Teilzeit-Boom in MV-Landesverwaltung: Jeder dritte Euro für Personal

Teilzeit-Boom in MV-Landesverwaltung: Jeder dritte Euro für Personal, Kritik an Stellenwachstum

Ein anhaltendes Problem mit offenbar fehlenden Konsequenzen: Der Landesrechnungshof Mecklenburg-Vorpommern kritisiert seit Jahren regelmäßig in seinen Finanzberichten das Fehlen eines nachhaltigen Personalkonzepts der Landesregierung. Die oberste Finanzkontrollbehörde warnt eindringlich vor den finanziellen Folgen eines zu starken Stellenzuwachses. Im aktuellen Landesfinanzbericht 2024/2025 monierte der Rechnungshof, dass trotz einer schrumpfenden Bevölkerung die Zahl der Beschäftigten in der Landesverwaltung, insbesondere in Ministerien, kontinuierlich weiter steige.

Teilzeitquote schnellt in Ministerien nach oben

Eine Antwort der Landesregierung auf eine aktuelle Kleine Anfrage des AfD-Landtagsabgeordneten Enrico Schult zeigt zudem eine deutliche Entwicklung: In der Landesverwaltung gibt es immer mehr Teilzeitkräfte. In der Staatskanzlei von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) stieg die Teilzeitquote vom Jahr 2019 zum Jahr 2025 von 14,9 Prozent auf 21,3 Prozent – ein signifikanter Anstieg um fast sieben Prozentpunkte.

Noch dramatischer fällt die Entwicklung im Bildungsministerium aus: Hier schnellte die Teilzeitquote im selben Zeitraum von 25,4 Prozent auf 34,7 Prozent hoch. Das bedeutet, dass im Bildungsministerium mittlerweile jeder dritte Beschäftigte in Teilzeit arbeitet. An Universitäten und Hochschulen des Landes sind es laut Regierungsantwort sogar über 50 Prozent. Auch bei den nachgeordneten Behörden des Landwirtschaftsministeriums und des Sozialministeriums bewegt sich die Teilzeitquote im Drittel-Bereich.

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Stellenwachstum trotz Bevölkerungsrückgang

Die Mahnungen und Warnungen des Landesrechnungshofes hinsichtlich des stetigen Stellenaufwuchses werden offenbar ignoriert, wie die Regierungsantwort dokumentiert. Demnach waren in der Landesverwaltung Mecklenburg-Vorpommern im Jahr 2019 insgesamt 32.841 Mitarbeiter beschäftigt. Im Jahr 2026 sind es bereits 35.986 Beschäftigte – ein Zuwachs von mehr als 3.000 Stellen innerhalb von sieben Jahren.

Diese Entwicklung wird besonders deutlich im Verhältnis zur Bevölkerung: Während im Jahr 2019 auf 1.000 Einwohner Mecklenburg-Vorpommerns rund 20 Landesbeschäftigte kamen, waren es im Jahr 2026 schon 23 Landesbeschäftigte pro 1.000 Bürger. Dieser Anstieg erfolgt paradoxerweise parallel zu einem Bevölkerungsrückgang im norddeutschen Bundesland.

Finanzielle Belastung für den Landeshaushalt

Der Landesrechnungshof weist mit Nachdruck auf die finanziellen Konsequenzen hin: „Fast jeder dritte Euro des Landeshaushalts fließt bereits in das Personal, was wenig Spielraum für Investitionen lässt“, hieß es mahnend von der obersten Finanzkontrollbehörde. Im vergangenen Jahr sprach der Rechnungshof sogar von einer „besorgniserregenden“ Entwicklung, die langfristig die Handlungsfähigkeit des Landes gefährden könnte.

Die öffentliche Verwaltung müsse als Arbeitgeber zwar attraktiv sein, dürfe aber im Kampf um Fachkräfte der freien Wirtschaft nicht die besten Köpfe abwerben und sich nicht immer weiter aufblähen, kommentierte AfD-Abgeordneter Enrico Schult die Entwicklung. „Ein Anstieg von mehr als 3.000 Stellen seit 2019 ist dem Steuerzahler einfach nicht zu vermitteln“, so der Oppositionspolitiker.

Recht auf Teilzeit wird kaum eingeschränkt

Aus der Antwort der Landesregierung geht hervor, dass Arbeitnehmer in der Landesverwaltung grundsätzlich einen Anspruch auf Reduzierung der Arbeitszeit haben. Die Ablehnung von Anträgen auf Teilzeit tendiert in der Landesverwaltung in der Regel gegen null – praktisch alle Anträge werden genehmigt. Während die AfD als Familienpartei die Teilzeitmöglichkeiten grundsätzlich begrüßt, insbesondere für Beschäftigte mit Betreuungspflichten für Kinder oder Angehörige, sieht Schult auch andere Gründe: „Gewiss wird das hohe Lohnniveau ebenfalls ein Grund dafür sein“, dass immer mehr Beschäftigte in Teilzeit arbeiten.

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Die Entwicklung zeigt ein doppeltes Problem: Einerseits steigt die Gesamtzahl der Beschäftigten in der Landesverwaltung kontinuierlich an, andererseits arbeiten immer mehr dieser Beschäftigten in reduzierter Stundenzahl. Dies führt zu einer komplexen Personalstruktur, die der Landesrechnungshof als nicht nachhaltig kritisiert. Die finanzielle Belastung durch Personalkosten nimmt dabei stetig zu und bindet Mittel, die für Investitionen in Infrastruktur, Bildung oder andere wichtige Landesaufgaben dringend benötigt würden.