Im Bernsteinschloss in Wendorf bei Brüel (Landkreis Ludwigslust-Parchim) wurde am Mittwoch ein ehrgeiziges Tourismusprojekt vorgestellt, das Mecklenburg-Vorpommern (MV) international stärker in den Fokus rücken soll. Mit der Baltic Manors Route entsteht eine länderübergreifende europäische Kulturroute, die historische Gutshäuser entlang der Ostseeküste miteinander verbindet. Das Projekt zielt darauf ab, die einzigartige Kulturlandschaft der Region erlebbar zu machen und neue Besucherströme nach MV zu lenken. Das Land verfügt über rund 2000 Gutshäuser, von denen viele als touristische Hotspots für die Route in Frage kommen.
Gutshäuser im Ostseeraum werden vernetzt
Manfred Achtenhagen, Vorsitzender des neu gegründeten Dachverbands Baltic Manors Association, stellte das Konzept vor. Er betonte, dass die Gutshäuser entlang der Ostsee eine in Europa einzigartige Kulturlandschaft bilden. Hunderte dieser Anlagen bieten bereits heute touristische Angebote. „Wir wollen sie miteinander verbinden und ihre Einzigartigkeit erlebbar machen“, erklärte Achtenhagen. Die Route richtet sich an Kunst- und Kulturliebhaber, Architekturinteressierte sowie junge Reisende, die die Vielfalt Europas entdecken möchten. Besonders die jüngere Generation sei für den langfristigen Erfolg des Projekts entscheidend. Daher werden Austauschprogramme weiter ausgebaut. „Die Route soll für die Ewigkeit sein“, so Achtenhagen. Das übergeordnete Ziel ist der Erhalt und die nachhaltige Nutzung der historischen Gutshauslandschaft im baltischen Raum.
Konzept und Teilnahmebedingungen
Das Konzept der Baltic Manors Route befindet sich noch in der Entwicklung. Eine Karte mit zahlreichen roten Markierungen, die potenzielle Gutshäuser zeigt, verdeutlicht bereits jetzt die Dimension des Kulturraums. Aufgrund der Vielzahl der Anwesen wird es nicht nur eine, sondern mehrere regionale Routen geben. Diese werden durch thematische oder historische Gemeinsamkeiten verbunden. „Dabei wird es einen Einstiegspunkt für jede Region geben“, sagte der Dachverbandsvorsitzende. Grundsätzlich können alle Gutshäuser teilnehmen, die sich für die Route qualifizieren. Wichtig ist, dass den Objekten neues Leben eingehaucht wurde und sie erlebbar sind. Zudem ist eine Mitgliedschaft in einem regionalen Gutshausverband erforderlich.
Unterstützung aus Politik und Tourismus
Jochen Schulte, Staatssekretär für Wirtschaft, Infrastruktur, Tourismus und Arbeit in MV, zeigte sich überzeugt vom Erfolg der Baltic Manors Route. „Ich bin fest davon überzeugt, dass dieser gemeinsame Ansatz ein erfolgreicher sein wird.“ Der Schwerpunkt in MV liege zwar weiterhin auf dem Badetourismus, doch die touristischen Potenziale gingen weit über das hinaus, was an den Küsten geboten werde. Die neue Kulturroute stärke nicht nur die interne Struktur, sondern auch die Wahrnehmbarkeit nach außen. Peter Kranz, Geschäftsführer der MV Tourismus GmbH, hob die europäische Dimension hervor: „Was mich fasziniert, ist die europäische Idee. Zu zeigen, dass wir in MV weltoffen sind, uns mit dem Ostseeraum und Partnern in Europa verknüpfen, international denken – auch im Sinne unserer Gäste.“ Fanny Holzhüter, Geschäftsführerin des Tourismusverbands Vorpommern, sieht „enorme Chancen“ für die ländlichen Räume in MV. Neue Besucherströme und kreative Wertschöpfung in den Häusern könnten die Region stärken und einen Impuls für nachhaltigen und regenerativen Tourismus geben, bei dem die Gäste Teil des Erhalts und der Zukunft der Häuser werden.
Anzahl der Gutshäuser und finanzielle Förderung
Über die tatsächliche Anzahl der Guts- und Herrenhäuser im Ostseeraum herrschte bei der Vorstellung keine Einigkeit. Die Schätzungen der Redner reichten von 5000 über 10.000 bis hin zu 20.000, wie die Schweriner Architekturhistorikerin Prof. Dr. Sabine Bock vermutete. Das Interreg-Projekt Baltic Manors Route wird von sieben Ländern getragen: Deutschland, Dänemark, Schweden, Polen, Litauen, Lettland und Estland. Die Europäische Union unterstützt das Vorhaben finanziell mit rund 2,4 Millionen Euro.
Zeitplan und Zertifizierung
Die nächsten Schritte stehen bereits fest. Bis September soll das Routenkonzept weiterentwickelt und verabschiedet werden. Im Winter erfolgt der Aufbau der Route, bevor sie im Frühjahr 2027 offiziell eröffnet wird. Anschließend wird ein Antrag auf Zertifizierung als „Europäische Kulturroute“ gestellt. Die Entscheidung über dieses Label wird voraussichtlich bis Mai 2028 dauern.



