Es ist eine kuriose Entdeckung: Dass es in Berlin ein „Steffi-Graf-Stadion“ gibt, erfährt unsere Autorin am Montagabend bei der „Players Night“ in der Austernbar des KaDeWe. Eingeladen vom KaDeWe für ausgewählte Kunden und Pressevertreter, war sie eigentlich wegen der Austern gekommen – nicht wegen der Spielerinnen. An Sport interessiert sie grundsätzlich nur die Trinkpause. Doch beim Schlürfen von Austern erfährt sie gleich zwei Sensationen: Erstens sind die besten Tennisspielerinnen der Welt dieser Tage beim „Berlin Tennis Open“ in der Stadt. Zweitens ist auch Serena Williams dabei.
Vom Alexanderplatz ins Tennis-Paralleluniversum
14 Stunden später steigt die Autorin am Alexanderplatz in die S7 und fährt direkt in eine Parallelwelt. Die Anlage des LTTC Rot-Weiß Berlin liegt nur einen Katzensprung vom Bahnhof Grunewald entfernt, direkt am romantischen Hundekehlsee. Wie beim Fußball gibt es rund ums Stadion Bier- und Pommesstände. Standesgemäß wird hier aber nicht gedrängelt – Understatement herrscht selbst beim Anstehen. Der V.I.P.-Bereich erstreckt sich über eine Fläche, gefühlt so groß wie das Saarland. Viele Frauen sehen aus wie in die Jahre gekommene West-End-Girls, die Männer, als seien sie bereits mit einem um die Schultern geknoteten Pulli auf die Welt gekommen. Der Himmel ist so blau, als könnte man auch Wetter kaufen.
Der Court selbst hat street credibility: echten Rasen. Deshalb trainiert man hier gerne für die weltbekanntere Arena in Wimbledon. So auch Superstar Serena Williams. Nach 23 Grand-Slam-Siegen und vier Jahren Pause tritt sie hier im Doppel an, bevor sie Ende Juni wieder in Wimbledon spielt. Britische Besonnenheit zeigt das Berliner Publikum: Fächer wedeln gegen die Hitze wie aufgeregte Schmetterlinge, ansonsten herrscht Stille. Während des Satzes gilt Sprechverbot, erst nach dem letzten Aus brandet Beifall auf. Dass die 44-jährige Williams an der Seite von Karolina Muchová verliert, wird einfach ignoriert. „Toll! Das hätte ich mir damals in der 7b als stets Letzte auf der Bank gewünscht!“, kommentiert die Autorin.
Pressekonferenz mit Serena Williams
Kurz darauf sitzt die Autorin in der ersten Reihe bei der Pressekonferenz – zwei Handvoll internationaler Experten und sie. „Hi, Serena“, versucht sie sich mit der gespielten Lockerheit einer ZDF-Moderatorin, als sie eine Frage stellen darf. Sie versucht, Sympathiepunkte zu gewinnen: Ob man zur Abwechslung mal nicht über ihr Alter, sondern über das von männlichen Spielern und die einhergehende berufliche Einschränkung reden solle? Und was sie in diesem Zusammenhang ihrem Präsidenten Donald Trump zum 80. Geburtstag gewünscht habe? „I don’t celebrate birthdays“, antwortet Serena staubtrocken wie ein Sandplatz. Satz, Sieg. Dann ist die Fragerunde vorbei und Serena schon wieder weg.
Tennis und Berlin – das ist eine ähnlich komplizierte Beziehung wie Boris Becker und die Frauen. Seit Steffi Graf in Rente ist, gibt es noch immer aufregende Spiele, doch der Hype ist vorbei. Am Freitag macht sich die Autorin erneut auf den Weg in die gute alte Zeit. Uwe Ochsenknecht steht am Sushi-Stand. Kurz fragt sie sich, warum sich der Regierende Bürgermeister hier nicht blicken lässt – ein kurzer Blackout, wohl nur der Hitze geschuldet. Mittlerweile ächzen hier alle wie einst Monica Seles.
Fazit: Großes Tennis im kleinen Kreis
Mit einem Glas Rosé vom Sponsorenstand setzt sich die Autorin zum Sonnenuntergang ans Seeufer. Eine Schwanenfamilie schwimmt lautlos vorbei. Hinter ihr liefern sich das Ploppen der Champagnerkorken und Tennisbälle für heute ein letztes Match. Großes Tennis im kleinen Kreis: Vorteil Berlin. Aufschlag Berliner.



