Alba Berlin will Niels Giffey die Meisterfeier in Berlin vermiesen
Bayern München kann am Freitag in Berlin erneut Deutscher Meister werden. Doch Alba bleibt optimistisch und zieht Kraft aus den bisherigen Play-offs sowie dem Hexenkessel Max-Schmeling-Halle.
Giffeys heikle Aussage
Niels Giffey zögerte kurz. Es war deutlich zu erkennen, dass der Basketball-Weltmeister in Diensten von Bayern München abwägte, wie er auf diese heikle Frage antworten soll. Am Ende lächelte er und versuchte es behutsam mit dem Konjunktiv. „Freitag in Berlin wäre“, betonte Giffey, „ein sehr schöner Tag dafür“. Gemeint war die Feier der deutschen Meisterschaft, die für die Münchner nach dem 91:83 am Mittwochabend in greifbarer Nähe ist. Die Vorzüge der Berliner Partylandschaft kennt im Kader des Titelverteidigers niemand so gut wie Giffey. Der 35-Jährige ist in der Hauptstadt aufgewachsen und hat schon in der Jugend für Alba Berlin gespielt. Später war er lange Kapitän und Identifikationsfigur der Profimannschaft. Seit er beim großen Rivalen in München unter Vertrag steht, ist Giffey bei vielen Berliner Fans allerdings nicht mehr wohlgelitten. Deshalb auch die Vorsicht, bloß nicht noch mehr Öl ins Feuer gießen.
Hexenkessel in der Max-Schmeling-Halle
Die Atmosphäre in der von 8899 Fans komplett in Gelb gehüllten Max-Schmeling-Halle war im dritten Spiel der Finalserie am Mittwochabend auch so schon nah am Siedepunkt. „Die Stimmung war genial, Hut ab“, sagte Giffey. Sein Trainer Svetislav Pešić, der mit Alba zwischen 1997 und 2000 viermal Meister wurde, bezeichnete die drei Finalspiele als „spektakulär“. „Ausverkaufte Halle, exzellente Atmosphäre, die Jungs kämpfen bis zum Umfallen. Was willst du mehr?“, fragte der 76 Jahre alte Serbe, der nach dem Finale seine große Trainerkarriere beendet. Wenn es nach den Berlinern geht, soll es am Freitag (20.30 Uhr, Livestream bei rbb) allerdings noch nicht so weit sein. Eine Münchner Meisterfeier in Berlin wie vor zwei Jahren will Alba unbedingt verhindern.
Vermeidbare Niederlage
Am Mittwochabend war die Enttäuschung aber erst mal groß, denn die Niederlage war vermeidbar. Bis drei Minuten vor Schluss war der Ausgang des Spiels völlig offen, doch dann zeigte Alba Nerven. Ein Ballverlust hier, eine schlechte Entscheidung dort und vor allem fünf vergebene Freiwürfe in Folge kosteten die Berliner den möglichen Sieg. „Sobald du anfängst nachzudenken oder Zweifel bekommst, machst du Fehler“, sagte Albas Spielmacher Martin Hermannsson. Seine Mannschaft hat die Serie gegen den deutlich prominenter besetzten Favoriten bisher überraschend ausgeglichen gestaltet, doch in diesen entscheidenden Momenten zeigte sich, dass die ganz große Bühne für viele Berliner noch neu ist. „Erfahrung hilft immer“, sagte Hermannsson. Und die größere Erfahrung hat eindeutig Bayern München.
Alba mit dem Rücken zur Wand
Am Freitag steht Alba nun mit dem Rücken zur Wand. Das Team von Trainer Pedro Calles braucht unbedingt einen Sieg, um ein fünftes Spiel am Sonntag in München zu erzwingen. Sonst ist die Saison vorbei. „Wir waren schon in dieser Situation und werden auch jetzt nicht aufgeben“, betonte Martin Hermannsson. Auch im Viertelfinale gegen Vechta stand es nach drei Spielen 1:2, die Niedersachsen hatten sogar die Chance, die Serie in eigener Halle zu beenden. Doch Alba siegte und gewann anschließend auch das entscheidende fünfte Duell in Berlin. Die Halbfinalserie gegen Bamberg ging ebenfalls über die volle Distanz. „Wir behalten den Kopf oben“, sagte Hermannsson. „Wir waren schon in dieser Situation und werden auch jetzt nicht aufgeben. Am Freitag brauchen wir aber wieder alle Fans in der Halle.“ Damit der Traum von der Meisterschaft weiterlebt – und Niels Giffey auf die Partylandschaft in seiner Heimatstadt verzichten muss.



