Hart, härter, Milosavljev. Als Füchse-Torhüter Dejan Milosavljev (30) im Champions-League-Halbfinale gegen den SC Magdeburg (40:35) nach einem Wurf von Albin Lagergren (33) den Ball mit voller Wucht ins Gesicht bekommt und zu Boden geht, hält die Berliner Bank in der 55. Minute den Atem an. Nach einer schweren Nacht mit Kopfschmerzen meldet sich der Berliner Keeper selbstbewusst zurück, gibt grünes Licht – und schickt eine klare Kampfansage: „Ich bin bereit fürs Finale gegen den FC Barcelona.“
Ein Duell der Torhüter-Giganten
Das Finale am Sonntag in der Kölner Lanxess-Arena (18 Uhr Dyn und Dazn) ist ein besonderes. Hier prallen zwei Keeper-Giganten aufeinander: zwei Kolosse, die im Kasten nicht gerade filigran wirken – aber mit spektakulären Paraden Spiele entscheiden. Auf der einen Seite Emil Nielsen (120 Kilo/1,95 m), der dänische Olympiasieger, Welt- und Europameister, ist aktuell der beste Torhüter der Welt. Auf der anderen Seite Dejan Milosavljev (124 Kilo/1,96 m), Berlins serbische Siegversicherung, der Nielsen in kaum etwas nachsteht. Ein Duell auf Augenhöhe – Kraft, Präsenz, Wahnsinns-Reflexe. Und mittendrin der Füchse-Keeper, der nach seinem Schreckmoment plötzlich noch fokussierter wirkt.
Milosavljev: „Scheißegal, auch wenn’s zehnmal gegen den Kopf geht“
Milosavljev zeigt sich kämpferisch: „Ich habe diese Saison ziemlich viele Bälle ins Gesicht bekommen. Ich glaube in den letzten fünf Spielen, fünfmal. Da ist der jetzt auch egal. Viel Physio, vielleicht eine Schmerztablette, und dann geht das schon. Ich bin bereit. Ich hatte im Halbfinale nicht mein bestes Spiel, habe mich auf der Bank sehr geärgert, Aber ich habe versucht, ruhig zu bleiben, und mir immer wieder gesagt, ich kann es besser. Ich habe mir dann gesagt: Ich muss etwas anderes machen, ich brauche mehr Emotionen. Und dann halte ich eben alles hin, damit die Bälle nicht reingehen, auch wenn’s zehnmal gegen den Kopf geht, scheißegal.“ Schon nach den ersten Behandlungen der Füchse-Physiotherapeuten und vom Team-Arzt ist sich Milosavljev sicher: Das letzte Spiel bei seinen geliebten Berlinern will er auf gar keinen Fall verpassen: „Ich bin 100 Prozent bereit.“
Abschied nach sieben Jahren
Nach dem Finale gegen den FC Barcelona wird der deutsche Pokalsieger und Vizemeister ohne den serbischen Nationalkeeper auskommen müssen, er wechselt nach Kielce (Polen). Der Abschied aus Berlin fällt ihm schwer, er wäre gern länger geblieben. Schon nach dem letzten Ligaspiel gegen Flensburg verrät er: „Meine Frau Marina weint gerade sehr viel, ihr fällt der Abschied besonders schwer, unsere beiden Kinder Ruza und Kosta sind echte Berliner, sind hier geboren. Meine Familie hat sich bei den Füchsen und in der Stadt sehr wohl gefühlt.“ Bei „Handballworld.de“ verriet Milosavljev jetzt sogar: „Das Angebot der Füchse kam etwas zu spät, da hatte ich mich schon für Kielce entschieden. Wenn ich es früher bekommen hätte, hätte ich mich für die Füchse entschieden.“ Ab Juli heißt dann das neue Torwart-Gespann Lasse Ludwig (23) und Andreas Palicka (39). Milosavljev stand sieben Jahre lang zwischen den Pfosten, kam als Champions-League-Sieger von Vardar Skopje nach Berlin, jetzt zum Abschied könnte er sich noch einmal Europas Handball-Krone aufsetzen.



