In der Schweizer Grenzstadt Genf herrscht Ausnahmezustand. Tausende Gegner des G7-Gipfels im französischen Évian wollen am Sonntag gegen Kapitalismus, Ausbeutung und weitere Missstände protestieren. Das Treffen der Staats- und Regierungschefs aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Kanada, Japan und den USA beginnt am Montag.
Proteste gegen den G7-Gipfel
Die „No G7“-Koalition, ein Zusammenschluss von rund 60 Gruppen, hat ein Manifest veröffentlicht. Darin fordern die Aktivisten unter anderem den Protest gegen US-Militärbasen in Europa, höhere Mindestlöhne, kostenlose Verhütungsmittel, grenzenlose Freizügigkeit für Arbeitende aus aller Welt und die Streichung der Geschlechtsangabe aus allen Ausweisdokumenten. Die G7 bezeichnen sie als „illegitime und überholte Institution, einen privaten Club, der nicht mehr der heutigen Welt entspricht“. Ihrer Ansicht nach fällten „Großmächte Entscheidungen zugunsten der privilegiertesten Minderheit der Welt und zum Nachteil von mehr als 90 Prozent der Bevölkerung.“ Die Polizei rechnet mit rund 50.000 Teilnehmenden.
Genf als Demonstrationsort
Die G7-Gegner protestieren in Genf, rund 50 Kilometer vom Gipfelort Évian entfernt. Frankreich hatte zu dem Anlass keine Demonstrationen erlaubt, was die Genfer Regierung kritisiert. Zudem sei Frankreich auf Bitten um finanzielle Beteiligung an den Sicherheitskosten nicht eingegangen. Der Gewerbeverband (FER) hat in einem Brief empört dagegen protestiert, dass Genf die Demonstration überhaupt genehmigt hat.
Ausnahmezustand in der Genfer Innenstadt
In der Genfer Innenstadt herrscht bereits seit Tagen Ausnahmezustand. Hunderte Luxusgeschäfte und Banken, aber auch Hotels und Supermärkte haben ihre Fassaden und Schaufenster aus Sorge vor Ausschreitungen mit Sperrholzplatten verbarrikadiert. Die Angst vor gewalttätigen Krawallen ist groß, insbesondere aufgrund der Erinnerungen an das Jahr 2003.
Erinnerungen an 2003
Im Jahr 2003 richteten Chaoten bei einer Demonstration gegen einen Gipfel in Évian Schaden in Millionenhöhe an. Damals hieß die Veranstaltung noch G8, da Russland noch Mitglied war. Die Ereignisse von 2003 seien ein Trauma für die Genfer Polizei, sagte Polizeichefin Monica Bonfanti. Dieses Mal erhält sie Verstärkung aus der ganzen Schweiz, auch von der Armee. Mehr als 7.000 Sicherheitskräfte sollen auf den Straßen sein.
Sicherheitsmaßnahmen
Die Sicherheitskräfte haben nicht nur die Aufgabe, die Demonstration zu begleiten. Sie müssen auch die Sicherheit der anreisenden Staatschefs garantieren. Genf ist der nächstgelegene Flughafen zu Évian, und die meisten Delegationen sollen dort am Montag eintreffen. Genf liegt wie eine Enklave auf französischem Gebiet. Die Schweiz hat die rund 30 Grenzübergänge bis auf sieben geschlossen und führte bereits am Freitag Personenkontrollen in der Stadt durch.



