Berlin (dpa/bb) – Dirk Zingler, Präsident des 1. FC Union Berlin, sieht für die Männermannschaft seines Vereins kaum noch eine realistische Chance auf den Gewinn der deutschen Meisterschaft. Ganz anders bewertet der 60-Jährige die Situation bei den Frauen: „Natürlich die Frauen. Ich werde es wohl nicht mehr erleben, am 34. Spieltag mit der Männermannschaft von Union auf Platz eins vor den Bayern zu stehen. Wir haben Entwicklungen im männlichen Profifußball, die kaum noch zu korrigieren sind“, sagte Zingler der „Bild“-Zeitung.
Kritik an der Verteilung der Gelder
Zingler machte vor allem die ungleiche Verteilung der Finanzmittel für die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit verantwortlich. „Wenn Einnahmen aus internationalen Wettbewerben dazu führen, dass man mit höchster Wahrscheinlichkeit im folgenden Jahr wieder international spielt, dann können viele Vereine in diese Tabellenregionen nicht mehr vordringen“, kritisierte der Union-Boss. Ihm fehle die Fantasie, wie dies korrigiert werden könne. „Es sei denn, die internationalen Erträge werden ausschließlich an Vereine ausgeschüttet, die nicht international spielen. Und zwar europaweit“, befand Zingler.
Milliardenschwere Kapitalgeber und die Folgen
Der Präsident verwies auf den immer stärker werdenden weltweiten Wettbewerb von milliardenschweren Kapitalgebern. Die Konsequenz sei, dass der Club mit dem meisten Geld sich die meisten Fehler erlauben könne. „Ein fehlerhafter Transfer, selbst in Millionenhöhe, wird an bestimmten Standorten in Deutschland nicht zu Aufregung führen. Wir machen 190 Millionen Euro Umsatz, der FC Bayern München eine Milliarde. Was müssten die alles falsch machen, damit wir sie überholen könnten?“, fragte Zingler rhetorisch.
Frauenfußball: Andere Voraussetzungen
Im Frauenfußball spielten die Geldflüsse aus internationalen Geschäften, Vermarktungs- oder TV-Erträgen noch eine kleinere Rolle. „Hier haben die eigenen vereinspolitischen und unternehmerischen Entscheidungen eine viel höhere Relevanz. Eine Vielzahl von richtigen Entscheidungen ermöglicht uns, bei den Frauen ganz vorne mitzuspielen. Bei den Männern ist es für uns nicht mehr möglich, Meister zu werden“, stellte Zingler klar.
Aktuelle Platzierungen beider Teams
Die Fußballerinnen des 1. FC Union Berlin beendeten ihre Premierensaison in der Bundesliga auf Rang neun. Die Männermannschaft landete in der abgelaufenen Spielzeit auf Platz elf. Während die Frauen also den Klassenerhalt schafften und eine solide Debütsaison hinlegten, blieben die Männer hinter den Erwartungen zurück.
Zinglers Aussagen verdeutlichen die wachsende Kluft zwischen finanzstarken und finanziell schwächeren Vereinen im deutschen Profifußball. Seine Forderung nach einer Umverteilung der internationalen Erlöse könnte weitreichende Diskussionen auslösen, sowohl national als auch auf europäischer Ebene.



