DEB-Auswahl bei Olympia hinter den Erwartungen: Wo bleibt der Teamgeist?
Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft wird aktuell als die beste aller Zeiten bezeichnet. Dennoch tritt die Mannschaft bei den Olympischen Winterspielen 2026 bisher nicht als wirkliches Team auf, wie Florian Weiß, Vize-Ressortleiter Sport der AZ, kritisch anmerkt. Die Erinnerungen an das sensationelle Olympia-Gold 2018, als durchschnittlich 3,19 Millionen Zuschauer selbst Sonntagmorgen um 5:10 Uhr vor den Bildschirmen saßen, sind noch lebendig. Jenes Team begeisterte damals, weil es als eingeschworene Gemeinschaft über sich hinauswuchs.
Alarmsignale von Kapitän Moritz Müller
Die aktuelle DEB-Auswahl erreicht dieses Niveau offensichtlich noch nicht. "Die besten Mannschaften, die ich erlebt habe, waren 2018 und 2023. Da muss diese Mannschaft erst noch hinkommen", sagte Moritz Müller nach der Vorrunde mit Blick auf Olympia-Silber und den Vize-Weltmeistertitel. Seine Worte wirken wie ein deutliches Alarmsignal. Müller fügte hinzu: "Wir haben ganz tolle Eishockeyspieler, die zu den besten der Welt gehören. Aber wir können nicht denken, dass jedes Mal, wenn einer von denen auf dem Eis ist, wir ihm die Scheibe geben und dann ein Wunder passiert."
Die wohl bestbesetzte Nationalmannschaft aller Zeiten tritt bisher nicht als geschlossene Einheit auf. Das Motto "Team" bedeutet eben nicht: "Toll, ein anderer macht’s". Besonders deutlich wurde dies im Spiel gegen die USA, wo DEB-Superstar Leon Draisaitl von Matthew Tkachuk komplett aus dem Spiel genommen wurde.
Kritik an Bundestrainer Harold Kreis
Bundestrainer Harold Kreis hat durch seine personellen und taktischen Entscheidungen maßgeblich zur Entstehung dieser Probleme beigetragen. So entzog er dem eigentlichen Kapitän Moritz Müller das "C" und übertrug es NHL-Star Leon Draisaitl, wodurch sich der gesamte Fokus auf diesen Spieler konzentrierte. Nach dem Spiel gegen die USA äußerte Kreis hilflos: "Was soll ich machen? Beide Tkachuks haben gegen Leon gespielt. Ich kann nichts machen." Diese Aussage wirkt unfassbar passiv und planlos.
Zudem erzeugte Kreis eine deutliche Unwucht innerhalb des Teams:
- Topstars wie Draisaitl (23:23 Minuten Eiszeit), JJ Peterka (20:55), Tim Stützle (21:21) und vor allem Moritz Seider (26:46) erhalten überdurchschnittlich viel Spielzeit.
- Gleichzeitig durfte Justin Schütz, einer der besten DEL-Stürmer, bis dato noch keine einzige Minute auf dem Eis verbringen.
Ein echtes Wir-Gefühl kann unter diesen Bedingungen kaum entstehen. Deutsche Grundtugenden wie Leidenschaft, Geradlinigkeit und harte Arbeit scheinen zu fehlen.
Die Art des Scheiterns ist das Problem
Dass die DEB-Auswahl in diesem wohl stärksten Turnier aller Zeiten zu kämpfen haben würde, war von vornherein klar. Die bisherigen Resultate sind nicht das Hauptproblem – vielmehr ist es die Art und Weise, wie sie zustande kommen. Die Mannschaft verfügt über herausragende Einzelspieler, muss aber erst lernen, als geschlossenes Team zu agieren. Die Olympischen Winterspiele 2026 werden zur Bewährungsprobe für den Teamgeist der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft.



