Der Traum vieler deutscher Motorsport-Fans könnte wahr werden: Die Königsklasse des Motorsports erwägt eine Rückkehr nach Deutschland. Formel-1-Geschäftsführer Stefano Domenicali bestätigte bei einer Videokonferenz, dass Gespräche mit den Verantwortlichen des Hockenheimrings laufen. Allerdings spricht der Italiener von einer mittelfristigen Perspektive, nicht von einer kurzfristigen Lösung.
Hockenheim investiert in die Zukunft
„Dass es beide Seiten wollen, ist oft genug kommuniziert worden“, erklärte Hockenheimring-Geschäftsführer Jorn Teske gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Er betonte, dass man an einer wirtschaftlich tragfähigen Lösung interessiert sei. Derzeit scheitert eine Rückkehr vor allem an der hohen Antrittsgebühr in zweistelliger Millionenhöhe, die der Veranstalter nicht stemmen kann oder will. Hockenheim investiert jedoch in eine neue Erlebniswelt, um die Strecke attraktiver zu machen. Domenicali signalisierte: „Für unsere Plattform sind andere Investitionen erforderlich, darüber sind wir aktuell im Austausch.“
Letztmals fand 2020 auf dem Nürburgring ein Grand Prix in Deutschland statt – allerdings nur als Ersatzrennen aufgrund der Corona-Pandemie. Der reguläre Große Preis von Deutschland wurde zuletzt 2019 in Hockenheim ausgetragen. Seitdem pausiert die Formel 1 in Deutschland, und die Fans hoffen auf eine Rückkehr.
TV-Rechte in der Schwebe
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Fernsehübertragung. Der Pay-TV-Sender Sky, inzwischen von RTL übernommen, besitzt die Exklusivrechte bis Ende 2027. Was danach kommt, ist offen. Domenicali kündigte an: „Erstmals wird es mehr als einen Sender geben, der Interesse hat, an der Ausschreibung teilzunehmen.“ Die Formel 1 strebt zudem mehr Präsenz im Free-TV an. „Natürlich stehen wir mit ihnen in Gesprächen, um herauszufinden, wie wir noch mehr Aufmerksamkeit für die Formel 1 gewinnen können. Dieses Thema liegt also auf dem Tisch“, so Domenicali über RTL. In der aktuellen Saison wurden immerhin fünf Grands Prix im frei empfangbaren Fernsehen gezeigt.
Saisonfinale droht nach Europa zu verlagern
Konkreter wurde Domenicali mit Blick auf das Saisonende 2025. Wegen des Iran-Krieges ist fraglich, ob die letzten beiden Rennen am 29. November in Katar und am 6. Dezember in Abu Dhabi stattfinden können. „Sollte das nicht möglich sein, wird das Saisonende in Europa stattfinden, weil wir nicht an andere Austragungsorte ausweichen können“, sagte der ehemalige Ferrari-Teamchef. Bis spätestens Mitte September soll eine Entscheidung fallen. „Für den Fall, dass sich die Lage im Nahen Osten nicht beruhigt oder nicht gelöst wird, haben wir verschiedene Alternativpläne.“
Als möglicher Austragungsort für das Finale im Dezember gilt Portimão in Portugal, das ohnehin für 2027 und 2028 fest im Kalender steht. Auch Imola in Italien ist im Gespräch, obwohl der Grand Prix der Emilia Romagna in diesem Jahr gestrichen wurde. Ein Rennen in Imola wäre ein Heimspiel für den italienischen Spitzenreiter Kimi Antonelli von Mercedes, der in dieser Saison erstmals Weltmeister werden könnte.
Trotz absehbar tiefer Temperaturen im Dezember zeigt sich Domenicali zuversichtlich: „Ich denke, dass die Wetterbedingungen es zulassen sollten, auch Anfang Dezember noch Rennen in Europa auszutragen.“ Er erinnerte an den Nürburgring 2020, wo der erste Testtag wegen Regen und Nebel in der kalten Eifel komplett abgesagt wurde. Dennoch hält er ein Rennen im Dezember für machbar.



