Auf der Schwäbischen Alb haben Forscher zwei filigran gearbeitete Vogelfiguren aus der Eiszeit ausgegraben. Die etwa 40.000 Jahre alten Kunstwerke zählen zu den ältesten figürlichen Darstellungen der Menschheitsgeschichte. Die Ausgrabungen fanden in der Höhle „Hohle Fels“ bei Schelklingen statt, die bereits durch die Entdeckung der Venus vom Hohle Fels bekannt ist.
Die Entdeckung
Die beiden Vogelfiguren wurden sorgfältig aus Mammutelfenbein geschnitzt. Sie sind nur wenige Zentimeter groß, aber von bemerkenswerter handwerklicher Feinheit. Die Flügel sind eng an den Körper angelegt, die Federn deutlich erkennbar. „Es handelt sich um exakte Naturbeobachtungen, die in Figuren umgesetzt wurden“, erklärte der Archäologe Ralf Ehmann von der Universität Tübingen, der an den Ausgrabungen beteiligt war.
Die Figuren stellen vermutlich Wasservögel dar, die in der eiszeitlichen Landschaft der Schwäbischen Alb häufig vorkamen. Die Region war damals von Flüssen und Seen geprägt, in denen Enten, Gänse und andere Wasservögel lebten. Die Wahl der Tiere deutet darauf hin, dass die Menschen der Eiszeit ihre Umwelt genau beobachteten und diese Beobachtungen künstlerisch umsetzten.
Bedeutung für die Wissenschaft
Die Vogelfiguren liefern neue Erkenntnisse über die kognitive und kulturelle Entwicklung des frühen Homo sapiens. Die Fähigkeit, dreidimensionale Figuren zu schaffen, setzt ein hohes Maß an Abstraktionsvermögen und Planung voraus. „Diese Kunstwerke sind ein Beleg für die komplexe Symbolik und Kommunikation, die bereits vor 40.000 Jahren existierte“, sagte Ehmann weiter.
Die Höhle Hohle Fels ist eine der wichtigsten Fundstätten der Eiszeitkunst. Neben der Venus wurden hier bereits Flöten aus Vogelknochen und andere figürliche Darstellungen gefunden. Die neuen Vogelfiguren ergänzen dieses Ensemble und zeigen, dass die Kunst der Eiszeit vielfältiger war als bisher angenommen.
Einblicke in die Eiszeit
Die Figuren verraten nicht nur etwas über die Kunstfertigkeit, sondern auch über das Leben der Menschen zur damaligen Zeit. Sie zeigen, dass Vögel eine wichtige Rolle in der eiszeitlichen Lebenswelt spielten – sei es als Nahrungsquelle, als Symbole oder als Teil von Mythen. Die Forscher planen nun weitere Analysen, um die genaue Herkunft des Elfenbeins und die Verarbeitungstechniken zu untersuchen.
Die Vogelfiguren werden voraussichtlich im Museum für Urgeschichte und Eiszeitkunst in Blaubeuren ausgestellt. Sie sind ein weiterer Höhepunkt der archäologischen Forschung auf der Schwäbischen Alb, die bereits Weltkulturerbe der UNESCO ist. Die Entdeckung bestätigt die Bedeutung dieser Region als Wiege der figürlichen Kunst.



