Nächtliche Dopingkontrollen: Radprofis kritisieren „Unmenschlichkeit“ nach Vingegaard-Sturz
Nächtliche Dopingkontrollen: Radprofis üben scharfe Kritik

Nach dem schweren Sturz von Jonas Vingegaard auf der 15. Etappe der Tour de France haben zahlreiche Radprofis scharfe Kritik an nächtlichen Dopingkontrollen geübt. Der dänische Mitfavorit war in der Nacht vor der Etappe um 2 Uhr für einen Dopingtest geweckt worden und musste das Rennen nach einem Sturz mit Schlüsselbeinbruch aufgeben.

Evenepoel: „Es ist schlicht unmenschlich“

Etappensieger Remco Evenepoel zeigte sich empört: „Es ist ziemlich respektlos, die Fahrer mitten in der Nacht zu wecken. Kontrollen um 2 und 5 Uhr morgens sind etwas, das wir als Fahrer eigentlich nicht hinnehmen können.“ Der Belgier bezeichnete die Vorgänge als „Schande“ und sagte: „Es ist schlicht unmenschlich, uns mitten in der Nacht aus dem Schlaf zu reißen.“

Pogačar: Zusammenhang zwischen Schlafmangel und Sturz möglich

Tadej Pogačar, der selbst um 5 Uhr für eine Kontrolle geweckt wurde, äußerte Verständnis für Vingegaards Situation. „Nach einer Nacht, bei der der Schlaf ruiniert wird, liegt es vielleicht daran. Seine Tour ist ruiniert. Es ist wirklich traurig“, so der Slowene. Vingegaard selbst sagte dem dänischen Sender TV2: „Man kann wohl sagen, dass es sicher nicht förderlich war. Ob das der Grund für den Unfall ist, darüber wage ich nicht zu spekulieren. Es mag durchaus eine Rolle gespielt haben.“

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Regelwerk erlaubt Kontrollen zwischen 23 und 6 Uhr

Laut UCI-Anti-Doping-Regeln dürfen Radprofis nur zwischen 23 und 6 Uhr kontrolliert werden, wenn sie dem Zeitraum zugestimmt haben. Eine Ausnahme besteht bei „schwerwiegendem und konkretem Verdacht“. Als triftiger Grund kann bereits eine außergewöhnliche sportliche Leistung gelten. Von 1998 bis 2009 gab es zahlreiche Doping-Skandale im Radsport, doch aktuell wurde kein Fahrer positiv getestet.

Teamkollegen und Teamchef kritisieren Zeitpunkt

Visma-Teamchef Richard Plugge betonte die Notwendigkeit von Dopingkontrollen, kritisierte jedoch den „denkbar schlechten Zeitpunkt“. Vingegaards Teamkollege Matteo Jorgenson sprach von einem „völligen Mangel an Respekt gegenüber den Fahrern“. Auch die Linie des begleitenden Motorrads wurde kritisiert: „Wir sind dem Motorrad gefolgt und das hat einen Fahrfehler gemacht“, sagte Fahrer Bruno Armirail. Vingegaard selbst räumte ein: „Das Motorrad mag einen Fehler gemacht haben. Aber wir können uns nicht auf die Motorräder verlassen. Wir müssen unser eigenes Urteilsvermögen nutzen.“

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration