1982er WM-Finale: Deutsche Elf und italienische Presse im Fokus
1982er WM-Finale: Deutsche Elf und italienische Presse

Am 11. Juli 1982 trafen im Madrider Estadio Santiago Bernabéu die deutsche und die italienische Nationalmannschaft im Finale der Weltmeisterschaft aufeinander. Das Spiel endete 1:3 für Italien, doch die Ereignisse abseits des Platzes sorgten für ebenso viel Aufsehen. Die deutsche Elf, die von der Presse als „Weltmeister im Daneben-Benehmen“ bezeichnet wurde, zeigte bereits während des Turniers wenig Zusammenhalt. Nach der Niederlage eskalierte der Konflikt zwischen Uli Stielike und Karl-Heinz Rummenigge.

Streit um Rummenigges Verletzung

Bereits in der Halbzeitpause des Finales hatte Stielike auf Rummenigge eingeredet, sich wegen einer schweren Verletzung auswechseln zu lassen. Doch der Stürmer des FC Bayern weigerte sich und spielte durch. Nach dem verlorenen Finale brach der aufgestaute Frust bei Stielike aus: Er konnte nicht akzeptieren, dass Rummenigge aus egoistischen Gründen weitergespielt hatte. Der Streit zwischen den beiden Spielern wurde am nächsten Tag von den Medien aufgegriffen und als Beleg für die zerrüttete Mannschaftsstimmung genutzt.

Medienhetze gegen Italien

Auch in Italien war die Stimmung nach dem Finalsieg nicht ungetrübt. Trainer Enzo Bearzot hatte während der Vorrunde scharfe Kritik an seinem Team und an seiner Person erfahren müssen, was zu einem Presseboykott der Mannschaft führte. Die italienischen Zeitungen schossen sich auf einzelne Spieler ein: Sie verbreiteten das Gerücht, dass Paolo Rossi, späterer WM-Torschützenkönig, eine Liebesaffäre mit Mitspieler Antonio Cabrini habe. Zudem veröffentlichten sie Nacktfotos von der Frau des Spielers Giancarlo Antognoni, der nur ein Jahr zuvor einen Schädelbasisbruch erlitten hatte. Antognoni musste in Spanien hilflos zusehen, wie täglich „Kübel voll Dreck über ihn und seine Kollegen ausgeschüttet wurden“.

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Bearzots Vergeltung nach dem Sieg

Nach dem Finale vergaß Bearzot die schäbige Behandlung durch die Medien nicht. Bei der Pressekonferenz nach dem Spiel setzte er sich hin und forderte die Reporter auf: „Meine Herren, ich erwarte Ihre Fragen. Bitte. Als unsere Leistungen in der ersten Runde nicht Ihren Erwartungen entsprachen, da waren Sie doch immerzu so eloquent. Bitte. Was ist nun mit Ihnen?“ Erst langsam näherten sich die italienischen Journalisten und die Mannschaft wieder an. Besonders Paolo Rossi gegenüber leisteten die Reporter Abbitte, nachdem er nicht nur Torschützenkönig, sondern auch Europas Fußballer des Jahres geworden war. Von den spanischen Ausrichtern erhielt Rossi zudem ein Gemälde von Salvador Dalí.

Die deutsche Elf nach dem Finale

Die deutsche Mannschaft machte nach der Niederlage da weiter, wo sie aufgehört hatte. Berti Vogts hatte bereits während des Turniers verraten: „Breitner war es doch, der zu besoffen war zum Trainieren.“ Nach der WM veröffentlichte Paul Breitner ein Buch über die Tage in Spanien und schrieb: „Ich habe an dem Abend noch richtig nett mit meiner Frau und mehreren Freunden im Hotel gefeiert. Ich habe meine große Zigarre geraucht und einen herrlichen spanischen Rotwein getrunken. Und ich war froh, dass es endlich vorbei war.“ Dieses Gefühl teilten wohl viele nach einem Turnier, das von Skandalen und Missstimmungen geprägt war.

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